Deutsche Tageszeitung - Habecks Staatssekretär Graichen kritisiert Energiepolitik der Bundesregierung

Habecks Staatssekretär Graichen kritisiert Energiepolitik der Bundesregierung


Habecks Staatssekretär Graichen kritisiert Energiepolitik der Bundesregierung
Habecks Staatssekretär Graichen kritisiert Energiepolitik der Bundesregierung / Foto: © AFP/Archiv

Der ehemalige Staatssekretär im von Robert Habeck (Grüne) geführten Bundeswirtschaftsministerium, Patrick Graichen, hat die Energiepolitik der aktuellen Bundesregierung kritisiert. "Die jetzige Koalition setzt trotz aller Warnungen wieder auf Öl und Gas und zerschellt damit an der geopolitischen Wirklichkeit", sagte Graichen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Sonntagsausgaben) mit Blick auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. "Wir hatten damals hingegen einen Veränderungs- und Gestaltungsanspruch und sind an den Beharrungskräften gescheitert."

Textgröße ändern:

Der richtige Mittelweg sei "wahrscheinlich der Weg, den die Skandinavier gegangen sind", fügte Graichen hinzu. "Bei denen sind die Wärmepumpe die Standardheizung und das E-Auto das Standardauto geworden, weil es am Ende die billigeren Lösungen waren." Die Länder hätten ihre gesamte Politik darauf ausgerichtet, "das Gute günstig zu machen", sagte Graichen. Das erfordere jedoch viel Gestaltung, etwa durch Veränderungen am Steuersystem. "Man muss dafür sorgen, dass die Stromsteuer abgeschafft wird, dass die Netzentgelte entsprechend neu designt werden, dass man eine intelligente Förderung bei E-Autos und Wärmepumpen hinkriegt, damit sie preislich auf das Level von Gasheizungen und Verbrenner-Autos kommen", sagte der ehemalige Staatssekretär.

Er vermute hinter der Kurskorrektur von Union und SPD eine "Mischung aus ökonomischen Interessen der Öl- und Gas-Industrie, die sehr viel Geld hat, Rechtsextremismus, der gerne zündelt am System, plus der Tatsache, dass Klimaschutz Veränderung bedeutet", sagte der 54-Jährige. Wer sage, es ginge auch ohne Veränderung, gewinne leichter die nächste Wahl. "So kommt es zu dieser unguten Melange."

Allerdings sei klar, "dass die Klimakrise nicht weg geht, wenn man den Kopf in den Sand steckt", sagte Graichen. "Insofern bin ich mir nicht sicher, wie langfristig dieses Rollback tatsächlich ist." Er glaube, das werde sich sehr bald wieder drehen. Angesichts der Auseinandersetzung um die Wärmepumpe sagte Graichen, er hätte "niemals gedacht, dass man mit so einem technischen Gerät so einen Kulturkampf führen kann".

Im Zuge des Streits um das Heizungsgesetz und der "Trauzeugenaffäre" versetzte Habeck den Staatssekretär im Mai 2023 in den einstweiligen Ruhestand. Graichen hatte in einer Findungskommission dafür gestimmt, dem Aufsichtsrat der Deutschen Energie-Agentur seinen Schulfreund Michael Schäfer als Kandidaten für die Chefposition vorzuschlagen. Schäfer war jedoch sein Trauzeuge. Graichen hatte dies nicht offengelegt.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Staatlicher Ölkonzern: Beschädigter russischer Tanker wird nach Libyen abgeschleppt

Ein Anfang März durch einen mutmaßlichen Angriff im Mittelmeer beschädigter russischer Tanker soll nach Angaben des staatlichen libyschen Ölkonzerns NOC nach Libyen abgeschleppt werden. Die "Arctic Metagaz" werde "nach Abstimmung mit den zuständigen Behörden sicher in einen der libyschen Häfen geschleppt werden", erklärte NOC am Samstag. Der Bergungseinsatz werde in Zusammenarbeit mit dem italienischen Ölkonzern Eni stattfinden.

Kuba meldet zweiten landesweiten Stromausfall binnen weniger als einer Woche

In Kuba ist es binnen weniger als einer Woche zu einem zweiten landesweiten Stromausfall gekommen. Es habe eine "vollständige Abschaltung" des nationalen Stromsystems stattgefunden, teilte das kubanische Energieministerium am Samstagabend im Onlinedienst X mit. Es sei mit der Wiederherstellung der Stromversorgung begonnen worden. Erst am Dienstag hatte der jüngste Stromausfall nach mehr als 24 Stunden beendet werden können.

Trump stellt dem Iran Ultimatum von 48 Stunden für Öffnung von Straße von Hormus

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran ein Ultimatum von 48 Stunden für die Öffnung der Straße von Hormus gestellt und andernfalls mit einer Zerstörung der Energieanlagen des Landes gedroht. "Wenn der Iran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden ab genau diesem Zeitpunkt vollständig und ohne Bedrohung öffnet, werden die USA seine verschiedenen Kraftwerke angreifen und zerstören", erklärte Trump am Samstagabend (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. Die iranische Armee drohte daraufhin mit Angriffen auf Energie-, IT- und Entsalzungsanlagen der USA in der Region. Im Süden Israels wurden derweil bei iranischen Angriffen mehr als 100 Menschen verletzt.

Zweite Runde der französischen Kommunalwahlen: Großstädte im Fokus

In der zweiten Runde der französischen Kommunalwahlen geht es vor allem um die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Großstädte. Im Rennen um den Posten des Stadtoberhaupts von Paris lagen die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati und der Sozialist Emmanuel Grégoire in den Umfragen zuletzt nur wenige Punkte auseinander. Grégoire war lange Stellvertreter der bisherigen Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die Paris zur Fahrradstadt umgewandelt hatte.

Textgröße ändern: