Deutsche Tageszeitung - Trump vertagt kurz vor Ablauf von Ultimatum Pläne zu Angriffen auf iranische Kraftwerke

Trump vertagt kurz vor Ablauf von Ultimatum Pläne zu Angriffen auf iranische Kraftwerke


Trump vertagt kurz vor Ablauf von Ultimatum Pläne zu Angriffen auf iranische Kraftwerke

Wenige Stunden vor Ablauf seines Ultimatums zur Straße von Hormus hat US-Präsident Donald Trump eine Kehrtwende vollzogen: Nach von ihm als "sehr gut und konstruktiv" bezeichneten Gesprächen mit Teheran vertagte er die Pläne für US-Angriffe auf Kraftwerke im Iran. Die Iran-Gespräche beträfen die "vollständige und endgültige Beilegung unserer Kampfhandlungen", erklärte Trump am Montag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Unmittelbar nach Trumps Ankündigung sank der Ölpreis drastisch. Iranische Medien dementierten allerdings, dass es Gespräche mit den USA gebe.

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Trump hatte am Samstag mit Angriffen auf iranische Kraftwerke gedroht, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht bis Dienstag um 01.44 Uhr MEZ wieder für den Schiffsverkehr freigeben. Das iranische Militär beantwortete Trumps Ultimatum, indem es mit einer langfristigen Blockade der Straße von Hormus drohte.

Am Montag verschärfte Teheran dann noch einmal den Ton und drohte mit dem Auslegen von Seeminen im Persischen Golf und Angriffen auf Kraftwerke in Israel sowie in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Kuwait. Der einflussreiche iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf drohte, der Iran werde lebenswichtige Infrastruktur in der gesamten Region "unwiderruflich" zerstören, sollten die Vereinigten Staaten und Israel die Infrastruktur seines Landes angreifen.

Nun erklärte der US-Präsident, er habe "aufgrund des Tenors und Tons" der Gespräche das "Kriegsministerium" angewiesen, "jegliche militärischen Angriffe gegen iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von fünf Tagen auszusetzen, sofern die andauernden Gespräche erfolgreich verlaufen". Die Gespräche fanden ihm zufolge "in den vergangenen zwei Tagen" statt und sollen in dieser Woche fortgesetzt werden.

Die Märkte reagierten umgehend: Der Ölpreis sackte nach Trumps Ankündigung gegen Montagmittag um mehr als zehn Prozent ab. Die europäischen Börsen reagierten mit massiven Kursgewinnen, der deutsche Aktienindex machte seine Verluste seit Handelsbeginn wett und lag plötzlich mehr als ein Prozent im Plus.

Iranischen Medien zufolge verhandelt der Iran jedoch gar nicht mit den USA. "Es gibt keine Gespräche zwischen Teheran und Washington", berichtete etwa die Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf Irans Außenministerium. Trumps Äußerungen seien Teil des Versuchs, "die Energiepreise zu senken". Ähnliches berichteten auch andere iranische Medien.

Die Straße von Hormus wird seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert. Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, kam daher seit Beginn des Iran-Krieges nahezu zum Erliegen. Die Blockade sowie auch iranische Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in der Golfregion hatten die Öl- und Gaspreise weltweit in die Höhe schnellen lassen.

Der Oman, der als Vermittler die jüngsten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über das iranische Atomprogramm ausgerichtet hatte, arbeitet nach Angaben seiner Regierung unter Hochdruck daran, die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr abzusichern. "Der Oman arbeitet aktiv daran, Vorkehrungen für eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu treffen", schrieb der Außenminister des Golfstaats, Badr Albusaidi, am Montag im Onlinedienst X.

Nach Trumps Ankündigung forderte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi eine "sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und eine politische Lösung, welche die legitimen Interessen aller beteiligten Parteien berücksichtigt, vor allem des Iran". Nach Angaben des russischen Außenministeriums kam das Telefonat auf Initiative Araghtschis zustande.

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte zuvor vor der womöglich schwersten Energie-Krise seit Jahrzehnten gewarnt. Die aktuelle Krise sei "zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem", sagte Birol am Montag dem nationalen Presseklub im australischen Sydney in Anspielung auf die Ölkrisen der 1970er-Jahre und die Auswirkungen der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022. Angesichts der iranischen Blockade der Straße von Hormus sprach der IEA-Chef zudem von einer "großen Bedrohung" für die Weltwirtschaft.

(O.Tatarinov--DTZ)

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