Deutsche Tageszeitung - Trump vertagt Angriffspläne auf iranische Kraftwerke - Ölpreis gibt nach

Trump vertagt Angriffspläne auf iranische Kraftwerke - Ölpreis gibt nach


Trump vertagt Angriffspläne auf iranische Kraftwerke - Ölpreis gibt nach
Trump vertagt Angriffspläne auf iranische Kraftwerke - Ölpreis gibt nach / Foto: © AFP

Erneute Kehrtwende von US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg: Kurz vor Ablauf eines Ultimatums an den Iran vertagte Trump Pläne für US-Angriffe auf iranische Kraftwerke am Montag für fünf Tage. In neuen Verhandlungen mit Teheran hätten sich "wesentliche Übereinstimmungen" ergeben, sagte der US-Präsident. Obwohl iranische Medien Gespräche mit den USA dementierten, sank der Ölpreis deutlich, die Börsen verzeichneten Gewinne.

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Trump hatte am Samstag mit Angriffen auf iranische Energieanlagen gedroht, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht bis Dienstag um 01.44 Uhr MEZ wieder für den Schiffsverkehr freigeben. Das iranische Militär drohte im Falle von US-Angriffen auf Kraftwerke im Iran mit einer langfristigen Blockade der Meerenge, durch die rund ein Fünftel des des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft.

Am Montag schrieb Trump dann in seinem Onlinedienst Truth Social, er habe das US-"Kriegsministerium" angewiesen, alle "militärischen Angriffe gegen iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von fünf Tagen auszusetzen, sofern die andauernden Gespräche erfolgreich verlaufen". Die Verhandlungen hätten am Wochenende begonnen und sollten diese Woche fortgesetzt werden.

Die Iraner wollten "einen Deal machen, und wir sind sehr bereit dazu", sagte Trump vor Journalisten in Palm Beach im Bundesstaat Florida weiter. Zur Bedingung machte Trump, dass der Iran sein Atomprogramm sowie sein angereichertes Uran aufgibt. Die USA würden sich dann das Uran holen. Wie das geschehen könnte, erklärte er nicht. Sollten die Gespräche jedoch kein Ergebnis bringen, würden die USA "einfach weiter bombardieren, was das Zeug hält".

Trump sagte weiter, die USA verhandelten mit einer "Top-Person" im Iran. Dabei handele es sich jedoch nicht um den obersten Führer der Islamischen Republik, Modschtaba Chamenei. Die Gespräche würden mit einem Mann geführt, "von dem ich glaube, dass er der angesehenste und der Führer ist", sagte der US-Präsident, ohne Namen zu nennen. Es werde eine "sehr ernsthafte Form eines Regimewechsels" geben, fügte er hinzu.

Die Märkte reagierten umgehend: Der Ölpreis sackte nach Trumps Online-Post gegen Montagmittag um mehr als zehn Prozent ab. Die europäischen Börsen reagierten mit massiven Kursgewinnen. Der deutsche Aktienindex machte seine Verluste seit Handelsbeginn wett und lag zwischenzeitlich mehr als ein Prozent im Plus. Die New Yorker Wall Street eröffnete ebenfalls mit Gewinnen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte Trumps Umdenken. Er habe am Sonntag mit dem US-Präsidenten telefoniert und ihm die deutschen "Bedenken im Hinblick auf die angekündigten Angriffe auf die Kraftwerke im Iran vorgetragen", sagte Merz in Berlin. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von einer "sehr erfreulichen Entwicklung". Jegliche Angriffe auf die Infrastruktur würden "Chaos in der Region" verursachen und den Krieg "noch weiter eskalieren", sagte sie am Rande eines Besuchs in Nigeria.

Iranischen Medien zufolge verhandelt der Iran allerdings gar nicht mit den USA. "Es gibt keine Gespräche zwischen Teheran und Washington", berichtete die Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf das Außenministerium in Teheran. Trumps Äußerungen seien Teil des Versuchs, "die Energiepreise zu senken". Ähnliches berichteten auch andere iranische Medien.

Die Straße von Hormus wird seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert. Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge kam daher nahezu zum Erliegen. Die Blockade sowie iranische Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in der Golfregion ließen die Öl- und Gaspreise weltweit in die Höhe schnellen.

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten gewarnt. Die aktuelle Krise sei "zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem", sagte Birol im australischen Sydney in Anspielung auf die Ölkrisen der 1970er-Jahre und die Auswirkungen der russischen Invasion der Ukraine 2022.

Der Chef der staatlichen Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (Adnoc), Ahmed Al-Dschaber, nannte die Blockade der Straße von Hormus "ökonomischen Terrorismus". Er äußerte sich auf der Energiekonferenz CeraWeek in Houston im US-Bundesstaat Texas, zu der auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erwartet wird.

(A.Nikiforov--DTZ)

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