Deutsche Tageszeitung - Nach Wahl in Dänemark: Frederiksen erneut mit Regierungsbildung beauftragt

Nach Wahl in Dänemark: Frederiksen erneut mit Regierungsbildung beauftragt


Nach Wahl in Dänemark: Frederiksen erneut mit Regierungsbildung beauftragt

Nach dem ersten Platz ihrer Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl in Dänemark ist die bisherige Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erneut mit der Regierungsbildung beauftragt worden. König Frederik X. betraute nach Angaben des Palastes Frederiksen am Mittwoch damit, Verhandlungen mit allen Parteien zur Bildung einer neuen Regierung zu führen. Ihre Sozialdemokraten waren bei der Wahl am Dienstag zwar stärkste Kraft geworden, sie erzielten jedoch das schlechteste Wahlergebnis seit mehr als 120 Jahren.

Textgröße ändern:

Die Partei holte bei der Parlamentswahl laut dem offiziellen Ergebnis 21,8 Prozent der Stimmen. Das entspricht einer deutlichen Verschlechterung zu den 27,5 Prozent, die sie der vergangenen Parlamentswahl 2022 errungen hatten. Insgesamt kam das Linksbündnis, zu dem die Sozialdemokraten gehören, auf 84 von 179 Sitzen. Das konservativ-rechte Bündnis erreichte 77 Sitze. Für eine Mehrheit sind 90 Sitze nötig, das Land steht damit vor einer schwierigen Regierungsbildung. Nach der Wahl 2022 dauerten die Verhandlungen sechs Wochen.

Die außerhalb der traditionellen Blöcke stehende Mitte-Partei der Moderaten des derzeitigen Außenministers Lars Lökke Rasmussen erzielte 14 Sitze und dürfte damit zur Königsmacherin werden. Die übrigen vier Sitze im Parlament, dem Folketing, werden von jeweils zwei Vertretern der weit entfernt im Atlantik gelegenen Autonomiegebiete Färöer-Inseln und Grönland besetzt. Insgesamt zogen zwölf Parteien ins Parlament ein, doch Dänemark ist Minderheitsregierungen gewöhnt.

Frederiksen soll nach Angaben des Palastes nun Verhandlungen zur Regierungsbildung führen. Sie selbst bezeichnete bei einem Gespräch mit den Vorsitzenden aller im Parlament vertretenen Parteien am Morgen eine Koalition ihrer Sozialdemokraten mit den anderen Parteien des Linksbündnisses und der Mitte-Partei von Rasmussen als "das realistischste Szenario".

"Die Dänen wollen mich und keinen anderen Regierungschef", betonte Frederiksen. "Ich habe immer noch den Rückhalt, um im Sinne des dänischen Volkes zu regieren." Trotz dieses Machtanspruches reichte Frederiksen am Mittwoch formell ihren Rücktritt bei König Frederik X. ein - und wurde am Abend dann mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.

Es sei wahrscheinlich, dass Frederiksen Ministerpräsidentin bleibe, sagte der Politikwissenschaftler Rune Stubager von der Universität Aarhusm der Nachrichtenagentur AFP. "Aber ich weiß nicht mit der Unterstützung welcher Parteien - des linken oder rechten Flügels", fügte er hinzu.

Frederiksen ist seit 2019 Regierungschefin. Ihr kam bei der Wahl, die unter dem Eindruck der Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen das dänische Autonomiegebiet Grönland stattfand, ihr Image als erfahrene Staatenlenkerin zugute. Der Wahlkampf konzentrierte sich zudem auf innenpolitische Themen wie die Inflation, den Sozialstaat und hohe Nitratwerte im Wasser und der Landwirtschaft.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Xi empfängt Trump - Warnung vor "Konflikt" beim Thema Taiwan

Der chinesische Staatschef Xi Jinping hat die USA mit Blick auf Taiwan vor einem möglichen "Konflikt" gewarnt. "Die Taiwan-Frage ist das wichtigste Thema in den Beziehungen zwischen China und den USA", sagte Xi am Donnerstag während des Besuchs von US-Präsident Donald Trump in Peking laut dem staatlichen Fernsehsender CCTV. Wenn diese "falsch gehandhabt" werde, könnten beide Länder aneinander geraten "oder sogar in einen Konflikt geraten", fügte Xi demnach hinzu.

Merkel sieht sich nicht als politische "Männermörderin"

Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) hält nicht viel von dem Vorwurf, sie habe männliche Konkurrenten in ihrer Karriere systematisch verdrängt. Angesprochen auf das Etikett der "männermordenden Merkel", das im Zuge ihres damaligen Machtkampfes mit dem heutigen Kanzler Friedrich Merz geprägt wurde, entgegnete sie gegenüber dem "Focus": "Männer werfen andauernd Männer aus der Bahn. Und wenn jetzt eine Frau das tut, den Weg zu einer Position für sich genauso beansprucht wie ein Mann, dann redet man von der 'männermordenden Merkel'."

Merkel zeigt Verständnis für Debatten - und rät Merz zu "weitem Herz"

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu mehr Toleranz für Debatten innerhalb der Regierung aufgerufen. "Die Debatte wird heute immer sofort 'Streit' genannt", kritisierte Merkel gegenüber dem "Focus" laut Vorabmeldung vom Donnerstag. "Ich finde, Politiker müssen klarmachen: Es gibt keine Lösungsfindung, die nicht über irgendeine Debatte geht." Dem aktuellen Kanzler Friedrich Merz empfahl sie gegenüber dem Koalitionspartner SPD "ein weites Herz".

Ministerium: 22 Tote nach jüngsten israelischen Angriffen im Libanon

Bei den jüngsten israelischen Angriffen auf Ziele im Libanon sind nach neuen Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut 22 Menschen getötet worden. Unter den Toten infolge der Angriffe von Mittwoch seien acht Kinder, teilte das Ministerium mit. Zuvor war von zwölf Toten die Rede gewesen. Die amtliche Nachrichtenagentur NNA meldete, die israelische Armee habe etwa 40 Ziele im Süden und Osten angegriffen.

Textgröße ändern: