Deutsche Tageszeitung - EU-Parlament votiert mit AfD-Stimmen für Abschiebezentren

EU-Parlament votiert mit AfD-Stimmen für Abschiebezentren


EU-Parlament votiert mit AfD-Stimmen für Abschiebezentren
EU-Parlament votiert mit AfD-Stimmen für Abschiebezentren / Foto: © IOM/AFP

Das EU-Parlament hat mit den Stimmen der AfD-Abgeordneten grünes Licht für eine umstrittene Verschärfung der europäischen Einwanderungspolitik gegeben. Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte am Donnerstag in Brüssel für eine Rückführungsverordnung, die unter anderem Abschiebezentren in Ländern außerhalb der EU erlaubt. Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Verordnung und warnten vor "erheblichen Risiken" für Kinder auf der Flucht.

Textgröße ändern:

Der Abstimmung erfolgte unter lautem Applaus der rechten Fraktionen im Parlament. Der Gesetzesentwurf basierte auf einem Vorschlag der konservativen EVP-Fraktion, der auch CDU und CSU angehören, den diese in Koordination mit rechten Fraktionen im EU-Parlament durch den Innenausschuss gebracht hatte. Dabei hatte es auch Absprachen mit der AfD gegeben, was heftige Kritik auslöste. Für das Abstimmungsergebnis waren die Stimmen der AfD allerdings nicht entscheidend.

Mary Khan, innenpolitische Sprecherin der AfD im Europäischen Parlament, sprach trotzdem von einem "historischen Tag für die AfD und Europa". Es sei "das erste Mal in der Geschichte", dass ein Gesetz durch die AfD zustande gekommen sei.

Die Verordnung sieht neben Abschiebezentren in Drittstaaten auch härtere Strafen für diejenigen vor, die sich weigern, die EU zu verlassen - von Einreiseverboten bis zur Inhaftierung.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von einem "wichtigen Schritt", um "Europa endlich eine glaubwürdigere Migrationspolitik zu geben".

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte in Berlin, Deutschland wolle "bis zum Ende dieses Jahres" Vereinbarungen mit Drittländern erreicht haben. "Wir gehen diesen Weg jetzt auch konsequent weiter."

Die innenpolitische Sprecherin der sozialdemokratischen S&D-Fraktion im EU-Parlament, Birgit Sippel, kritisierte den Entwurf, weil dieser abgelehnte Asylbewerber "de facto mit verurteilten Straftätern" gleichsetze. Die EVP habe zudem mit der Zusammenarbeit mit der AfD einen "Tabubruch begangen", prangerte Sippel an.

Nur wenige Stunden nach der Abstimmung im Parlament begannen am Donnerstagnachmittag die Verhandlungen mit den EU-Ländern über den abschließenden Gesetzestext. Die Mitgliedstaaten hatten sich bereits vergangenes Jahr für Abschiebezentren in Drittländern ausgesprochen. Eine Einigung solle noch vor Ende der zyprischen Ratspräsidentschaft im Sommer erzielt werden, erklärte der stellvertretende Innenminister Zyperns, Nicholas Ioannides.

Die Kinderhilfsorganisation Save the Children kritisierte, die EU nehme mit der Rückführungsverordnung "bewusst in Kauf, dass Kinder erheblichen Risiken ausgesetzt werden". Es handele sich um einen "gravierenden Tabubruch und einen klarer Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention", betonte Karsten Dietze, Experte für Flucht und Migration bei Save the Children Deutschland.

Der Geschäftsführer der NGO Pro Asyl, Karl Kopp, sprach von einem "Frontalangriff auf die Rechte Schutzsuchender". Die Koordination mit der AfD sei zudem ein "gefährliches Signal für das europäische Projekt". So werde "die Brandmauer gegen Demokratiefeinde und Europagegner" eingerissen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Ministerium: 22 Tote nach jüngsten israelischen Angriffen im Libanon

Bei den jüngsten israelischen Angriffen auf Ziele im Libanon sind nach neuen Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut 22 Menschen getötet worden. Unter den Toten infolge der Angriffe von Mittwoch seien acht Kinder, teilte das Ministerium mit. Zuvor war von zwölf Toten die Rede gewesen. Die amtliche Nachrichtenagentur NNA meldete, die israelische Armee habe etwa 40 Ziele im Süden und Osten angegriffen.

Trump von Xi empfangen - US-Präsident hofft auf "fantastische Zukunft" mit China

US-Präsident Donald Trump ist in Peking von Chinas Präsident Xi Jinping empfangen worden. Bei einem Treffen in der Großen Halle des Volkes sagte Trump am Donnerstag, der Besuch sei für ihn eine "Ehre". Er fügte hinzu: "Es ist eine Ehre, Ihr Freund zu sein." Die Beziehungen zwischen Peking und Washington würden "besser sein als je zuvor". Die Volksrepublik und die Vereinigten Staaten würden eine "fantastische Zukunft gemeinsam" haben.

US-Präsident Trump von Chinas Präsident Xi in Peking empfangen

US-Präsident Donald Trump ist in Peking von Chinas Präsident Xi Jinping empfangen worden. Die beiden Politiker schüttelten sich am Donnerstag vor der Großen Halle des Volkes die Hände. Bei Trumps Ankunft vor dem Gebäude waren unter anderem US-Außenminister Marco Rubio, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sowie mehrere Unternehmenschefs wie Tesla-Chef Elon Musk anwesend.

Dritte Gesprächsrunde zwischen Israel und Libanon in Washington

Im Bemühen um eine Friedenslösung kommen Vertreter aus Israel und dem Libanon am Donnerstag erneut in Washington zusammen. Es ist die dritte Gesprächsrunde seit Verkündung der Feuerpause vor fast einem Monat. Bei der jüngsten Runde am 23. April hatte Präsident Donald Trump die Unterhändler persönlich im Weißen Haus empfangen.

Textgröße ändern: