Deutsche Tageszeitung - Hisbollah lehnt geplante Gespräche zwischen Libanon und Israel in Washington ab

Hisbollah lehnt geplante Gespräche zwischen Libanon und Israel in Washington ab


Hisbollah lehnt geplante Gespräche zwischen Libanon und Israel in Washington ab
Hisbollah lehnt geplante Gespräche zwischen Libanon und Israel in Washington ab / Foto: © AFP

Vor den für kommende Woche in Washington geplanten direkten Gesprächen der libanesischen Regierung mit Israel über eine Waffenruhe im Libanon hat die pro-iranische Hisbollah ihre Ablehnung bekräftigt. Die Miliz brandmarkte die für Dienstag angesetzten Gespräche am Samstag als "gesetzeswidrig". Israel schließt seinerseits eine Waffenruhe mit der vom Iran unterstützten Miliz aus. Derweil griff Israel weiterhin Hisbollah-Ziele an. Nach libanesischen Angaben stieg die Zahl der Toten seit Kriegsbeginn auf mehr als 2000.

Textgröße ändern:

Israel und der Libanon wollen am Dienstag direkte Gespräche im US-Außenministerium in Washington führen. Die libanesische Präsidentschaft teilte am Freitag mit, dabei würde über eine Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel verhandelt werden. Die israelische Regierung strebt nach eigenen Angaben Gespräche über eine Entwaffnung der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz und über friedliche Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern an.

Bislang unterhalten beide Nachbarländer keine formalen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Offiziell erkennt der Libanon Israel nicht an.

Die angekündigten Gespräche seien "ein offensichtlicher Verstoß" gegen "die Verfassung und libanesische Gesetze", erklärte der Hisbollah-Vertreter Hassan Fadlallah am Samstag. Die Gespräche "verschärfen die inneren Spaltungen zu einem Zeitpunkt, an dem der Libanon mehr denn je Solidarität und innere Einheit braucht, um der israelischen Aggression zu begegnen und den inneren Frieden zu bewahren".

Der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, hatte zuvor erklärt, Israel habe "formalen Friedensverhandlungen" mit der libanesischen Regierung zugestimmt. Israel weigere sich aber, über "eine Waffenruhe mit der Terrororganisation Hisbollah" zu sprechen, betonte er. Die Miliz greife weiterhin Israel an und sei "das Haupthindernis für Frieden zwischen beiden Ländern".

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Samstag in einer Fernsehansprache, der Libanon habe "im vergangenen Monat mehrmals den Beginn direkter Friedensgespräche" vorgeschlagen. "Ich habe meine Zustimmung gegeben, aber unter zwei Bedingungen: Wir wollen die Entwaffnung der Hisbollah. Und wir wollen ein echtes Friedensabkommen, das über Generationen Bestand hat."

Die libanesische Armee warnte am Samstag vor "jeder Handlung, welche die Stabilität oder den inneren Frieden gefährden könnte". Ihre Streitkräfte würden "entschlossen eingreifen, um jeden Angriff auf die innere Stabilität zu verhindern", hieß es weiter.

Die israelische Armee hatte am Mittwoch nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ihre Angriffe im Libanon verstärkt und dabei nach eigenen Angaben zahlreiche Stellungen der Hisbollah ins Visier genommen. Dabei wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums allein am Mittwoch mehr als 350 Menschen getötet. Nach Ansicht Israels und der USA erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte zweiwöchige Feuerpause - anders als vom Vermittler Pakistan angegeben - nicht auf den Libanon.

Am Samstag erklärte die israelische Armee, sie habe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 200 Ziele der Hisbollah angegriffen, darunter Raketenwerfer. Das der Hisbollah nahestehende Gesundheitsministerium erklärte am Samstagabend, bei erneuten israelischen Luftangriffen im Süden des Landes seien 18 Menschen getötet worden, darunter drei Rettungskräfte. Das Ministerium verurteilte die "systematischen" Angriffe Israels auf Rettungskräfte.

Die Hisbollah ist Teil der vom Iran angeführten "Achse des Widerstands" an, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist. Die Miliz hatte als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei am 2. März Raketen auf Israel abgefeuert und damit den Libanon in den Iran-Krieg hineingezogen. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.

Seit Anfang März sind dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge 2020 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien 248 Frauen, 165 Kinder und 85 Mitarbeiter von Gesundheits- oder Rettungsdiensten, erklärte das Ministerium am Samstag. Zudem seien 6436 Menschen verletzt worden.

Papst Leo der XIV. betonte am Sonntag indes seine Nähe zur Bevölkerung des Libanon: "In diesen Tagen der Trauer, der Angst und der unerschütterlichen Hoffnung auf Gott bin ich dem geliebten libanesischen Volk näher denn je", sagte der Pontifex nach seinem Gebet auf dem Petersplatz. Er wies auf die "moralische Pflicht" hin, die Menschen zu schützen und rief die Konfliktparteien zum Frieden auf.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Grüne fordern Koalition zu Rücknahme von Heizungsgesetz auf - vor Anhörung im Bundestag

Vor der Expertenanhörung im Bundestag zum neuen Heizungsgesetz haben die Grünen die Koalition zur Umkehr aufgefordert. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, verwies am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf zwei Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags, wonach die Vorlage grundgesetzwidrig sein könnte. Der Entwurf sei eine "konzeptlose Mogelpackung", sagte Kellner. "Die Stellungnahmen der Sachverständigen sind verheerend für Union und SPD."

Proteste nach Wahlsieg von rechtem Hardliner bei Präsidentschaftswahl in Kolumbien

Nach dem Wahlsieg des Rechtsaußen-Kandidaten Abelardo de la Espriella bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien ist es in dem südamerikanischen Land zu Protesten und Ausschreitungen gekommen. In Kolumbiens drittgrößter Stadt Cali setzten Demonstranten am Sonntagabend US-Fahnen in Brand und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, einige Protestierer warfen Steine.

USA und Iran richten Kommunikationskanal zur Straße von Hormus ein

Die USA und der Iran haben sich bei ihren Gesprächen in der Schweiz auf die Einrichtung eines Kommunikationskanals zur Straße von Hormus verständigt. Damit sollten "Vorfälle und Kommunikationspannen" verhindert und eine sichere Schifffahrt in der Meerenge ermöglicht werden, erklärten die Vermittlerstaaten Pakistan und Katar in der Nacht auf Montag nach einer ersten Verhandlungsrunde.

US-Diplomat: Verhandlungen mit iranischer Delegation in der Schweiz gehen weiter

Die Gespräche zwischen Delegationen der USA und des Iran in der Schweiz gehen nach US-Angaben trotz eines Streits um Äußerungen von Präsident Donald Trump weiter. Ein US-Diplomat sagte in der Nacht auf Montag, die iranische Delegation befinde sich nach wie vor im Luxushotel Bürgenstock. Es werde erwartet, dass die Gespräche die Nacht über fortgesetzt würden.

Textgröße ändern: