Deutsche Tageszeitung - Schriftsteller verlassen Verlag: Protest gegen französischen Rechtsaußen-Investor

Schriftsteller verlassen Verlag: Protest gegen französischen Rechtsaußen-Investor


Schriftsteller verlassen Verlag: Protest gegen französischen Rechtsaußen-Investor
Schriftsteller verlassen Verlag: Protest gegen französischen Rechtsaußen-Investor / Foto: © AFP/Archiv

In der französischen Verlagswelt herrscht helle Aufregung: 115 Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben aus Protest gegen die vermutete Einflussnahme des politisch am äußeren rechten Rand stehenden Geschäftsmannes Vincent Bolloré den kollektiven Abschied aus dem Grasset-Verlag angekündigt. "Wir wollen keine Geiseln in einem ideologischen Krieg sein, der den Autoritarismus in der Kultur und in den Medien verbreiten will", heißt es in dem in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Schreiben.

Textgröße ändern:

Zu den Unterzeichnern zählen bekannte Namen wie Virginie Despentes, Frédéric Beigbeder und Bernard-Henri Lévy. Hintergrund ist die Entlassung des bisherigen Verlagschefs Olivier Nora, hinter der die Autorinnen und Autoren den Einfluss Bollorés vermuten.

Der Investor hatte 2023 die Hachette-Gruppe übernommen, zu der neben Grasset noch andere Verlage zählen. Nora hatte am Dienstag seinen Rückzug von der Verlagsspitze angekündigt, ohne Gründe dafür zu nennen. Er soll durch Jean-Christophe Thiery ersetzt werden, der als Bolloré-Vertrauter gilt.

Die Unterzeichner des offenen Briefes prangerten einen "inakzeptablen Angriff auf die verlegerische Unabhängigkeit" an. Nora habe 26 Jahre an der Spitze des Verlages gestanden und dabei die Meinungsvielfalt der Autorinnen und Autoren verteidigt. "Jetzt sagt Bollore mal wieder 'ich bin hier Chef und mache was ich will', und damit missachtet er alle, die hier publizieren", heißt es weiter.

Die Autoren verpflichten sich in ihrem Schreiben, ihre Bücher künftig nicht mehr bei Grasset zu verlegen. Einige von ihnen erwägen rechtliche Schritte, um ihre Rechte an bereits verlegten Büchern wiederzuerlangen.

"Der Abgang von Olivier Nora war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", sagte die Autorin Colombe Schneck der Nachrichtenagentur AFP. "Wir können nicht zulassen, dass alle Verlage der Hachette-Gruppe zu rechtsradikalen Häusern werden", fügte sie hinzu. Sie verwies auf die Sender iTélé und Europe1 sowie auf die Zeitung JDD, die sich seit der Übernahme durch Bolloré politisch klar rechtsaußen verorten. Die Hachette-Gruppe reagierte zunächst nicht auf den geschlossenen Rückzug der 115 Autorinnen und Autoren.

Auch Politiker des linken Lagers prangerten eine Einflussnahme des Geschäftsmannes an. "Bolloré ist ein schamloses Raubtier, der seine Medien in Propagandawerkzeuge verwandelt hat und nun das Verlagswesen gleichschalten will", schrieb der Chef der Sozialistischen Partei, Olivier Faure, im Onlinedienst X.

Bolloré hat in den vergangenen Jahren auch den Aufstieg des Rechtspopulisten Jordan Bardella gefördert, des Chefs der Partei Rassemblement National (RN) und möglichen Präsidentschaftskandidaten. So nahm etwa die Sendezeit für rechtsextreme Meinungen in TV-Sendern nach der Übernahme durch Bolloré um mehr als die Hälfte zu, wie eine Studie belegte. Auch andere Bolloré-Medien rollten Bardella den roten Teppich aus, etwa durch mehrseitige Interviews.

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Prien: Interessen jüngerer Menschen stärker berücksichtigen

Nach den "GenZ"-Protesten vom Wochenende hat Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) dazu aufgerufen, die Interessen jüngerer Menschen stärker zu berücksichtigen. "Das sind genau die Debatten, die wir jetzt führen müssen, die auch die jungen Menschen sehr zurecht einfordern", sagte Prien am Montag im Sender RBB. Sie wies darauf hin, dass dafür auch ältere Generationen etwas abgeben müssten.

Trump zeigt sich von Sieg seiner Republikaner bei US-Kongresswahlen überzeugt

Zwei Tage vor den US-Kongresswahlen hat sich US-Präsident Donald Trump überzeugt von einem Sieg seiner Republikaner gezeigt. "Wir werden gewinnen", sagte er am Sonntag (Ortszeit). Die Demokraten seien "extreme und gefährliche Radikale", sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Iowa. Sie würden den Wohlstand der Bürger "stehlen" und Migranten ins Land lassen, die dann "plündern, vergewaltigen und brandschatzen" würden.

Zwei Tage vor US-Kongresswahlen: Trump bekräftigt Drohung gegen Iran

Zwei Tage vor den US-Kongresswahlen hat Präsident Donald Trump seine Drohung bekräftigt, die Angriffe gegen den Iran wieder aufzunehmen. "Der einzige Grund, warum ich mit dem Iran noch nicht fertig bin, ist, dass ich nett sein will", sagte Trump am Sonntag vor Anhängern bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Iowa. Er wolle "all diese Leben retten". "Aber irgendwann werden wir ihnen einen harten Schlag versetzen müssen."

Koalitiongespräche für mögliche rot-grün-rote Regierung in Berlin starten

In Berlin starten am Montag (10.00 Uhr) die Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer möglichen rot-grün-roten Regierung. Dazu kommen die Verhandler von Linken, Grünen und SPD nach Parteiangaben im Abgeordnetenhaus zusammen. Dazu gehören unter anderem auch die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, SPD-Landeschef Steffen Krach und Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf.

Textgröße ändern: