Deutsche Tageszeitung - Zahl polizeilich erfasster Straftaten 2025 zurückgegangen

Zahl polizeilich erfasster Straftaten 2025 zurückgegangen


Zahl polizeilich erfasster Straftaten 2025 zurückgegangen
Zahl polizeilich erfasster Straftaten 2025 zurückgegangen / Foto: © AFP/Archiv

Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten ist im vergangenen Jahr spürbar gesunken. Laut der am Montag in Berlin veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2025 bundesweit 5.508.559 Straftaten registriert, 5,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch bei der Gewaltkriminalität gab es insgesamt einen Rückgang um 2,3 Prozent, bei einigen schweren Straftaten wurden jedoch teils deutliche Anstiege registriert.

Textgröße ändern:

"Der Rückgang der Gewaltkriminalität ist ein Anfang, aber kein Grund zur Entwarnung", mahnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung der Statistik. Es seien weitere Maßnahmen erforderlich, damit "sich Menschen im Alltag sicher fühlen". Allerdings zeige die Statistik vielleicht auch eine Chance, "langfristig einen Rückgang der Straftaten zu verzeichnen".

Anstiege gab es bei der Deliktgruppe Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall gab es eine Zunahme um 10,3 Prozent, bei Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung jugendpornographischer Inhalte mit plus 19,9 Prozent. Bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen wurde ein Plus von 8,4 Prozent verzeichnet.

Anstiege gab es auch bei Computer- und Leistungsbetrug, bei Wohnungseinbrüchen sowie in besonders starkem Maße bei sogenannten Neuen Psychoaktiven Substanzen mit plus 25,5 Prozent. Zurückgegangen ist hingegen die Zahl der Straftaten bei Raub und räuberischer Erpressung sowie auch bei Diebstählen.

"Steigende Zahlen im Bereich der Sexualstraftaten und das erschreckende Ausmaß sexualisierter digitaler Gewalt machen deutlich, dass wir Betroffene noch besser schützen müssen", mahnte der Hamburger Innensenator und derzeitige Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Länder, Andy Grote (SPD). Allerdings sei der Anstieg der registrierten Taten auch auf ein verändertes Anzeigeverhalten zurückzuführen. "Die Anzeigebereitschaft ist gestiegen, was positiv ist", sagte Grote. Dies erfordere gerade bei Tätern im persönlichen Umfeld besonderen Mut von betroffenen Frauen.

Unterschiedliche Einschätzungen gab es zu Straftaten durch Ausländerinnen und Ausländer. Dobrindt verwies auf einen deutlich überproportionalen Anteil nichtdeutscher Täterinnen und Täter. Dieser beträgt laut Statistik 38,5 Prozent. Der Innenminister nannte insbesondere auch Menschen aus Syrien und Afghanistan und drang auf verstärkte Abschiebungen.

Grote verwies auf Sondereffekte beim Anteil Nichtdeutscher an Straftaten zum einen durch reisende Kriminelle ohne Wohnsitz in Deutschland und zum anderen durch einen besonders hohen Anteil junger Männer bei der Zuwanderung. Zudem sei die Zahl der Straftaten von Zuwanderinnen und Zuwanderern mit minus 9,2 Prozent sogar überproportional zurückgegangen.

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, verwies auf Verschiebungen in der Statistik. "Kriminalität verändert sich, sie wird digitaler, internationaler und in manchen Bereichen auch brutaler", sagte er.

Münch verwies auch auf Ergebnisse einer parallel veröffentlichten Opferbefragung, wonach junge Menschen besonders häufig von Gewaltstraftaten betroffen sind, und zwar mit steigender Tendenz. Laut einer ebenfalls veröffentlichten Dunkelfeldstudie hat sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung leicht erhöht. Viele Menschen fühlen sich demnach aber beispielsweise nachts in öffentlichen Verkehrsmitteln weiterhin unsicher.

Die Aufklärungsquote blieb der Statistik zufolge insgesamt im vergangenen Jahr mit 57,9 Prozent weitgehend unverändert, 2024 waren es 58,0 Prozent. Ohne Berücksichtigung ausländerrechtlicher Verstöße sank die Gesamtzahl der Straftaten um 4,4 Prozent. Die Zahl unerlaubter Einreisen sank um 27,5 Prozent, die unerlaubter Aufenthalte um 31,3 Prozent.

Den Rückgang der registrierten Delikte im Jahresvergleich führten die Behörden unter anderem auf die Teillegalisierung des Besitzes und Anbaus von Cannabis und daraus hergestellter Produkte zurück. Bereinigt um diesen Effekt betrage der Rückgang 4,7 Prozent, sagte Dobrindt. Die Zahl der Rauschgiftdelikte sank um 27,7 Prozent.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik wird jährlich bundesweit auf Grundlage der von den 16 Landeskriminalämtern übermittelten Daten erstellt.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Spitzengremien der Bundesparteien beraten über Wahlausgang in Sachsen-Anhalt

Die Spitzengremien der Parteien im Bund beraten am Montag in Berlin über den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dabei dürfte es vor allem um mögliche Konsequenzen aus dem klaren Wahlsieg der AfD in dem Bundesland gehen. Den Auftakt machen die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (10.15 Uhr). Es folgt Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner (12.45 Uhr). Danach tritt CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze vor die Presse (13.30 Uhr).

Kriegsverbrecher Mladic wird feierlich in Belgrad beigesetzt

Der verstorbene bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic wird am Montag (ab 07.00 Uhr) feierlich in Serbien beigesetzt. Zu seiner Beerdigung in der Hauptstadt Belgrad werden tausende Menschen erwartet. Justizminister Nenad Vujic kündigte an, dass Mladic bei den Trauerfeierlichkeiten alle staatlichen Ehren zuteil werden sollen. Mladic war am 27. August in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 verbüßte.

Politischer Gillamoos mit Reden von Söder und Heil sowie Hofreiter und Protschka

Unter dem Eindruck der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommen am Montag (10.00 Uhr) Vertreter verschiedener Parteien zum traditionellen politischen Schlagabtausch auf dem Volksfest Gillamoos in Bayern zusammen. Im Festzelt der CSU sprechen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Bei der SPD spricht der Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil, auch die AfD mit Stephan Protschka und die Grünen mit Anton Hofreiter haben neben Landespolitikern Bundestagsabgeordnete zu Gast. Bei den Freien Wählern spricht der Vorsitzende Hubert Aiwanger.

Haushoher Sieg für AfD in Sachsen-Anhalt - Regierungsbildung dürfte schwierig werden

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. Wie die Landeswahlleitung in der Nacht zum Montag in Halle an der Saale mitteilte, erreichte die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund 43,8 Prozent der Stimmen und landete weit vor den Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent. Eine Regierungsbildung dürfte angesichts der Sitzverteilung allerdings schwierig werden.

Textgröße ändern: