Deutsche Tageszeitung - Libanon will Waffenruhe mit Israel verlängern - Drei Tote nach israelischen Angriffen

Libanon will Waffenruhe mit Israel verlängern - Drei Tote nach israelischen Angriffen


Libanon will Waffenruhe mit Israel verlängern - Drei Tote nach israelischen Angriffen
Libanon will Waffenruhe mit Israel verlängern - Drei Tote nach israelischen Angriffen / Foto: © AFP

Der Libanon will bei den bevorstehenden Verhandlungen mit Israel auf eine Fortsetzung der geltenden Waffenruhe dringen. Beirut werde bei den Gesprächen am Donnerstag in Washington eine Verlängerung der Feuerpause um einen Monat fordern, sagte ein libanesischer Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Gegen die Waffenruhe gibt es immer wieder Verstöße - bei israelischen Luftangriffen wurden am Mittwoch drei Menschen getötet. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gab zudem den Tod eines zweiten französischen Blauhelmsoldaten nach einem Angriff im Süden des Libanon bekannt, er machte erneut die pro-iranische Hisbollah-Miliz verantwortlich.

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Am vergangenen Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten, die am Sonntag endet. Der libanesische Regierungsvertreter erklärte gegenüber AFP, Beirut werde in Washington neben einer einmonatigen Verlängerung der Waffenruhe zudem ihre "strikte Einhaltung" verlangen sowie "den Stopp von Sprengungen und Zerstörungen in den Gebieten, in denen Israel präsent ist".

Libanons Präsident Joseph Aoun erklärte am Mittwoch, es gebe Kontakte, um die Waffenruhe zu verlängern. Sein Land strebt demnach "eine vollständige Einstellung der israelischen Angriffe und den Rückzug Israels aus libanesischem Gebiet" an.

Die israelische Regierung will nach eigenen Angaben Gespräche über eine Entwaffnung der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz und über friedliche Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern erreichen. Im Vorfeld der neuen Gespräche rief Israel die libanesische Regierung zur Zusammenarbeit beim Vorgehen gegen die Hisbollah auf.

Israels Außenminister Gideon Saar erklärte am Mittwoch, Israel habe keine "ernsthaften Meinungsverschiedenheiten" mit dem Libanon. "Leider ist der Libanon ein gescheiterter Staat, ein Staat, der de facto unter iranischer Besatzung durch die Hisbollah steht", erklärte Saar. Das größte Hindernis für Frieden und Normalisierung zwischen den beiden Ländern sei die Hisbollah.

Die Feuerpause im Libanon war eine der Bedingungen des Iran für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den USA im Iran-Krieg. Dennoch greifen die Hisbollah und Israel einander immer wieder an.

Bei israelischen Luftangriffen in der östlichen Region Bekaa im Libanon wurde am Mittwoch laut libanesischen Staatsmedien ein Mensch getötet. Zwei weitere Menschen wurden demnach im Süden des Landes getötet, den Israel derzeit besetzt hält.

Israel und der Libanon unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Vergangene Woche hatten erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten diplomatische Vertreter der beiden Nachbarländer in Washington direkte Gespräche geführt. Das Treffen auf Botschafterebene endete ohne konkrete Ergebnisse. Nun soll am Donnerstag ebenfalls auf Botschafterebene in Washington erneut verhandelt werden.

Die schiitische Hisbollah lehnt sowohl die Waffenruhe als auch die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel ab. Die vom Iran unterstützte Miliz, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, hatte am Dienstag erklärt, Raketen und Drohnen auf Ziele im Norden Israels abgefeuert zu haben. Sie begründete dies mit "eklatanten" israelischen Verstößen gegen die Feuerpause. Die israelische Armee attackierte daraufhin nach eigenen Angaben Standorte von Hisbollah-Raketenabschussrampen.

Frankreichs Präsident Macron teilte derweil mit, dass ein bei einem Angriff auf französische Blauhelmsoldaten verletzter Soldat am Mittwochmorgen seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Ein französischer Soldat war bereits am Samstag bei dem Angriff getötet worden. Macron machte am Mittwoch erneut die Hisbollah für den Angriff verantwortlich, die eine Verantwortung für die Attacke von sich gewiesen hatte.

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Im Libanon wurden seit Beginn der erneuten Eskalation mehr als 2400 Menschen getötet, mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Libanesischen Regierungsangaben zufolge wurden bei den israelischen Angriffen auf den Libanon seit Anfang März mehr als 62.000 Häuser und Wohnungen zerstört oder beschädigt.

(V.Korablyov--DTZ)

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