Deutsche Tageszeitung - Merz offen für höhere Reichensteuer - Kanzler: Menschen müssen Reformen zulassen

Merz offen für höhere Reichensteuer - Kanzler: Menschen müssen Reformen zulassen


Merz offen für höhere Reichensteuer - Kanzler: Menschen müssen Reformen zulassen
Merz offen für höhere Reichensteuer - Kanzler: Menschen müssen Reformen zulassen / Foto: © AFP

Im Ringen um eine Steuerreform hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) offen für eine Erhöhung der Reichensteuer gezeigt. Das wäre dann "denkbar", wenn der Steuertarif im oberen Bereich geglättet und etwa der Soli abgeschafft werde, sagte Merz dem "Spiegel" laut Meldung vom Mittwoch. Irgendwann müsse das ohnehin geschehen: "Wir sollten es tun, bevor das Bundesverfassungsgericht uns dazu zwingt."

Textgröße ändern:

Merz bezog sich dabei auf einen Vorschlag zweier Abgeordneter der Union, der unter anderem vorsieht, den sogenannten Reichensteuersatz bei der Einkommensteuer von 45 Prozent auf 47,5 Prozent anzuheben. Bei diesem Vorschlag soll zugleich der Solidaritätszuschlag gänzlich entfallen. Der Spitzensteuersatz soll zudem später greifen. Das Konzept sieht außerdem vor, staatliche Förderungen pauschal zu kürzen, um Einsparungen zu erzielen.

Die Koalition hat zum kommenden Jahr eine Steuerreform angekündigt. Aus der SPD kam Kritik an den Vorschlägen der Union - das Finanzministerium will eigene Pläne vorlegen und pocht darauf, dass bei der Einkommensteuerreform vor allem kleine und mittlere Einkommen entlastet werden.

Grundsätzlich rief Merz seine Regierungskoalition dazu auf, nach außen überzeugender aufzutreten. "Wenn drei Koalitionspartner mit gequältem Gesicht um gemeinsame Positionen ringen und die Bevölkerung sieht, wie angestrengt wir sind, dann kann man nicht erwarten, dass dieselbe Bevölkerung von uns begeistert ist", sagte der Kanzler dem "Spiegel". "Wir müssen schon von uns selbst überzeugt sein und diese Überzeugung auch nach außen tragen."

Merz räumte ein, dass es zuletzt "Meinungsverschiedenheiten zwischen einzelnen Kabinettsmitgliedern" gegeben habe. Es gebe "Paarungen, die hervorragend arbeiten" und andere, "die stellvertretend für die unterschiedliche Herkunft unserer Parteien stehen". Dazu gehörten Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). "Aber auch die beiden finden zueinander." Beide waren kürzlich wegen Lösungen in der Energiepreiskrise aneinander geraten.

Die Bürgerinnen und Bürger im Land rief Merz im Zuge anstehender Großreformen dazu auf, offen für Veränderungen zu sein. "Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren", sagte er dem Nachrichtenmagazin. Er nehme in Kauf, dass er für solche Aussagen angefeindet werde. "Aber ich habe einen Amtseid abgelegt, und ich habe ein Gewissen. Beides verpflichtet mich." Er könne es vielleicht netter verpacken oder freundlicher sagen. "Aber die Lage ist so herausfordernd, dass ich mich dem nicht entziehen werde."

Neben einer Einkommensteuerreform muss sich die Regierung um eine Reihe von Großprojekten kümmern. Dazu gehören vor allem eine Rentenreform und eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Russlandfreundliche Amtsinhaberin Jotowa siegt bei Präsidentenwahl in Bulgarien

Die russlandfreundliche Amtsinhaberin Ilijana Jotowa bleibt Präsidentin von Bulgarien. Die Staatschefin, die sich für einen Dialog mit Moskau und gegen Militärhilfen für die Ukraine ausspricht, setzte sich in der Stichwahl am Sonntag laut Prognosen klar gegen ihren pro-westlichen Herausforderer Andrej Gjurow durch. Jotowa kam demnach auf zwischen 52,5 und 59 Prozent, Gjurow auf zwischen 38 und 44 Prozent.

Russlandfreundliche Amtsinhaberin Jotowa gewinnt Präsidentschaftswahl in Bulgarien

Die russlandfreundliche Amtsinhaberin Ilijana Jotowa hat die Präsidentschaftswahl in Bulgarien Prognosen zufolge gewonnen. Die 62-Jährige setzte sich in der Stichwahl am Sonntag laut Nachwahlbefragungen klar gegen ihren pro-westlichen Herausforderer Andrej Gjurow durch. Jotowa kam demnach auf zwischen 50,7 und 52,5 Prozent, Gjurow auf zwischen 43,4 und 44 Prozent.

Vermögen und Onlineaktivitäten: China verstärkt Kontrolle von Partei-Funktionären

Die Kommunistische Partei Chinas will die Aufsicht über ihre Funktionäre verschärfen, indem sie deren Vermögen und Onlineaktivitäten genau untersucht. Dies geht aus einem Dokument hervor, das die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag nach Abschluss der Sitzung des Zentralkomitees der Partei in Peking veröffentlichte. In der mehrtägigen Sitzung war es vor allem um Führungsverhalten und den Kampf gegen Korruption gegangen.

Massive Gewalt nach "GenZ-Protesten" - Plünderungen in Frankfurt am Main

Die Befürchtungen vor Gewalt rund um die bundesweiten "GenZ"-Protesten haben sich teilweise bestätigt. In Frankfurt am Main kam es in der Nacht zu Sonntag nach Behördenangaben zu massiven Angriffen auf Einsatzkräfte und der Plünderung mehrerer Geschäfte, der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) machte gewaltbereite Störer mit Migrationshintergrund verantwortlich. Auch in Köln und Hamburg kam es nach Angaben der Polizei zu Ausschreitungen.

Textgröße ändern: