Deutsche Tageszeitung - Inhaftierte iranische Nobelpreisträgerin Mohammadi ins Krankenhaus gebracht

Inhaftierte iranische Nobelpreisträgerin Mohammadi ins Krankenhaus gebracht


Inhaftierte iranische Nobelpreisträgerin Mohammadi ins Krankenhaus gebracht
Inhaftierte iranische Nobelpreisträgerin Mohammadi ins Krankenhaus gebracht / Foto: © NARGES MOHAMMADI FOUNDATION/AFP/Archiv

Nach einer "katastrophalen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands" ist die inhaftierte iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi nach Angaben ihrer Unterstützer ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die 54-jährige Aktivistin sei am Freitag eilig in ein Krankenhaus in Sandschan gebracht worden, teilte Mohammadis Stiftung mit. Das Nobelpreis-Komitee in Oslo forderte, Mohammadi "umgehend in die Obhut ihres eigenen Ärzteteams in Teheran zu überstellen".

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Mohammadis Familie beschrieb die Krankenhauseinlieferung laut der Stiftung als "Aktion in letzter Minute", die sich als zu spät erweisen könnte. Vorangegangen seien unter anderem "zwei Episoden eines vollständigen Verlusts ihres Bewusstseins und ernste Herzprobleme".

Mohammadis Anwalt Mostafa Nili erklärte im Onlinedienst X, nach einem plötzlichen Absacken ihres Blutdrucks habe seine Mandantin ihre Verlegung ins Krankenhaus zunächst abgelehnt wegen vorheriger Warnungen von medizinischen Fachkräften, die Klinik in Sandschan sei für die Behandlung ihrer Leiden nicht geeignet. Nach einem zweiten Zusammenbruch und einer weiteren Verschlechterung ihres Gesundheitszustands sei sie jedoch dort eingeliefert worden. "Laut dem Neurologen ist die Behandlung ihrer neurologischen Probleme trotz ihrer ernsten Herzprobleme derzeit Behandlungspriorität", führte der Anwalt aus.

Nobel-Komitee-Chef Jörgen Watne Frydnes forderte eine "sofortige" Verlegung Mohammadis in die Hauptstadt Teheran. "Ohne eine solche Behandlung ist ihr Leben weiter in Gefahr", erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Sie hat einen Großteil der vergangenen zehn Jahre im Gefängnis verbracht und ihre beiden Kinder, die in Paris leben, seit 2015 nicht mehr gesehen. 2023 wurde Mohammadi für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend für sie ihre beiden Kinder in Oslo entgegen.

Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen aus ihrer Haft im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis entlassen - dies sei aber nur vorübergehend, wurde damals betont. Im Dezember 2025 wurde sie in der ostiranischen Stadt Maschhad erneut festgenommen, weil sie bei einer Beerdigung Irans geistliche Führer kritisiert hatte.

Im Februar dieses Jahres teilte Mohammadis Stiftung mit, dass sie einen aus Protest gegen ihre Haftbedingungen begonnenen Hungerstreik nach sechs Tagen beendet habe; demnach stellten Berichte ihren körperliche Zustand damals als "äußerst besorgniserregend" dar. Nach einem Herzinfarkt Mohammadis im März warnten ihre Familie und ihre Anwälte Mitte April, dass sie in Lebensgefahr schwebe.

(L.Møller--DTZ)

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