Deutsche Tageszeitung - Höhere Spitzensteuer: SPD hält an Plänen fest - Kanzleramtschef zeigt sich offen

Höhere Spitzensteuer: SPD hält an Plänen fest - Kanzleramtschef zeigt sich offen


Höhere Spitzensteuer: SPD hält an Plänen fest - Kanzleramtschef zeigt sich offen
Höhere Spitzensteuer: SPD hält an Plänen fest - Kanzleramtschef zeigt sich offen / Foto: © AFP

Die SPD hält ungeachtet des Machtworts von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an ihren Plänen fest, Spitzenverdiener stärker zur Gegenfinanzierung einer Steuerreform heranzuziehen. Trotz einer angespannten Haushaltslage müsse es eine spürbare Entlastung für die breite Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, sagte SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagausgabe). "Und diese Entlastung muss solide und verlässlich finanziert sein." Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) zeigte sich grundsätzlich offen für eine höhere Besteuerung sehr hoher Einkommen.

Textgröße ändern:

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte der SPD-Forderung nach einer stärkeren Besteuerung höherer Einkommen eine klare Absage erteilt. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) müsse "wissen, dass das mit der CDU/CSU nicht geht - auch mit mir nicht", sagte Merz am Sonntag in der ARD-Sendung "Caren Miosga".

"Aus der Unionsfraktion vernehmen wir derzeit sehr unterschiedliche Stimmen dazu, inwieweit auch Spitzenverdiener stärker in die Verantwortung genommen werden sollen", sagte dazu die SPD-Politikerin Esdar. Die im Fraktionsvorstand für Finanzen zuständige Politikerin betonte, Klingbeil solle zunächst Eckpunkte ausarbeiten lassen, bevor Absagen erteilt werden. Das Verfahren sei klar: Der Finanzminister solle einen konkreten Entwurf vorlegen. "Dieser wird anschließend im Kabinett und im Parlament gründlich beraten."

Eine höhere Besteuerung sehr hoher Einkommen kann sich Kanzleramtschef Frei (CDU) grundsätzlich vorstellen. "Die sogenannten Reichensteuer, das ist die oberste Spitze, das sind nicht so viele Menschen – da kann man tatsächlich darüber nachdenken, was man da tun kann", sagte Frei in der ntv-Sendung "Pinar Atalay". Zugleich betonte er, dass starke Schultern bereits mehr trügen: "Die zehn Prozent Bestverdienenden finanzieren mehr als 50 Prozent des Steueraufkommens." Das dürfe auch nicht überdreht werden.

Kritisch äußerte sich Frei zum aktuellen Spitzensteuersatz. Dieser greife "viel zu früh", bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von rund 70.000 Euro für Alleinstehende. Damit würden nicht nur Spitzenverdiener, sondern auch "Leistungsträger der Gesellschaft" belastet. "Das ist eindeutig zu früh."

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hatte sich dagegen kürzlich für ein früheres Greifen des Reichensteuersatzes ausgesprochen. Die SPD-Finanzpolitikerin Esdar betonte, grundsätzlich seien sich Union und SPD einig darin, dass kleine und mittlere Einkommen entlastet werden müssten. Finanzminister und Bundeskanzler zögen hier "an einem Strang", sagte sie.

In einer Forsa-Umfrage für den "Stern" und den Sender RTL sprach sich eine große Mehrheit für eine höhere Besteuerung von Reichen aus. Auf die Frage: "Sollten Menschen höhere Steuern zahlen, die über 300.000 Euro pro Jahr verdienen?" antworteten 74 Prozent mit Ja.

Bei Anhängern von CDU/CSU waren es 73 Prozent, bei SPD-Anhängern 89 Prozent. Die höchsten Zustimmungswerte fand der Vorschlag bei Wählern der Grünen (95 Prozent). Größere Vorbehalte äußerten dagegen Anhänger der AfD – 38 Prozent halten den Vorschlag nicht für sinnvoll.

Forsa befragte 1000 Deutsche für die repräsentative Erhebung am 29. und 30. April. Die mögliche Fehlerquote lag bei plus/minus drei Prozentpunkten.

(V.Varonivska--DTZ)

Empfohlen

Erneut Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich - Deutlich weniger Schäden

Am Rande von landesweiten Massenprotesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es in Frankreich das dritte Wochenende in Folge zu Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben des Innenministeriums wurden 779 Menschen festgenommen, 116 Sicherheitskräfte wurden verletzt. Landesweit gingen erneut mehrere hunderttausend Menschen auf die Straße.

Hunderte Festnahmen bei Protest gegen Verbot von propalästinensischer Gruppe in London

Bei einer Solidaritätskundgebung für die als Terrororganisation eingestufte Gruppe Palestine Action sind in der britischen Hauptstadt London am Samstag mehr als 300 Menschen festgenommen worden. Insgesamt seien 325 Menschen in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Londoner Polizei am Sonntag. Die Festnahmen erfolgten demnach "wegen der Unterstützung einer verbotenen Organisation nach den Anti-Terror-Gesetzen".

Ausschreitungen nach "GenZ"-Protest in Köln: Mehr als 20 Polizisten verletzt

Bei Ausschreitungen nach der "GenZ"-Demonstration in Köln ist es nach Polizeiangaben unter anderem zu einem Angriff auf ein Geschäft sowie massiven Attacken auf Einsatzkräfte gekommen. Wie die örtliche Polizei am Sonntag mitteilte, wurden einer ersten Bilanz zufolge 23 Beamte verletzt und mehrere Verdächtige in Gewahrsam genommen. Im Rucksack eines festgenommenen 56-Jährigen fanden die Einsatzkräfte demnach Molotowcocktails sowie Stichwaffen.

Hessens Innenminister: Bis zu 1500 gewaltbereite Störer bei Krawallen in Frankfurt

Bei schweren Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt am Main sind Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) zufolge am Samstagabend 17 Geschäfte beschädigt und fünf davon geplündert worden. 54 Verdächtige seien festgenommen und mehr als zehn Polizisten verletzt worden, sagte Poseck am Sonntag vor Journalisten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stadtverwaltung und Polizei.

Textgröße ändern: