Deutsche Tageszeitung - Protest von Femen und Pussy Riot gegen Teilnahme Russlands an der Biennale

Protest von Femen und Pussy Riot gegen Teilnahme Russlands an der Biennale


Protest von Femen und Pussy Riot gegen Teilnahme Russlands an der Biennale
Protest von Femen und Pussy Riot gegen Teilnahme Russlands an der Biennale / Foto: © AFP

Aktivistinnen der feministischen Organisation Femen und Mitglieder der russischen Protestgruppe Pussy Riot haben kurz vor Beginn der Biennale in Venedig lautstark gegen die erneute Teilnahme Russlands an der international bedeutsamen Kunstausstellung protestiert. Frauen mit entblößten Brüsten und Demonstrierende mit pinkfarbenen Sturmhauben machten am Mittwoch ihrem Ärger vor dem russischen Ausstellungsgebäude lautstark Luft und warfen rosafarbene Rauchbomben.

Textgröße ändern:

Der Protest erfolgte anlässlich einer Veranstaltung für die Medien drei Tage vor dem für Samstag geplanten Beginn der Ausstellung in der italienischen Metropole. "Wir sind hier, um daran zu erinnern, dass die einzige russische Kultur, die einzige russische Kunst heutzutage Blut ist", sagte Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko in Anspielung auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. "Dieser Bau steht auf ukrainischen Massengräbern." Ihren Angaben zufolge war es das erste Mal, dass die beiden Gruppierungen eine gemeinsame Protestveranstaltung abhielten.

Zudem protestierten etwa hundert Demonstranten vor dem israelischen Ausstellungsgebäude. Sie hielten Banner mit der Aufschrift "No artwashing genocide" (etwa: "Kein Reinwaschen von Völkermord durch Kunst") hoch.

Im März hatten die Veranstalter der Biennale mitgeteilt, Russland erstmals seit Beginn des Kriegs in der Ukraine 2022 wieder an der Kunstausstellung teilnehmen zu lassen. Die Ankündigung stieß unter anderem bei Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und beim ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha auf Kritik.

Mehrere europäische Kultur- und Außenminister wandten sich in einem Brief an die Veranstalter und verurteilte die Teilnahme Moskaus angesichts des andauernden Krieges als "inakzeptabel". Die Europäische Kommission erklärte später, sie wolle ihre Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro über drei Jahre "aussetzen oder einstellen".

Ende April gab die international besetzte Jury ihren Rücktritt bekannt, nachdem sie erklärt hatte, keine Preise an Länder zu verleihen, gegen deren Staats- und Regierungschefs der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehle wegen Kriegsverbrechen erlassen habe. Damit waren Russland und Israel gemeint.

Die russische Ausstellungsfläche wird nun während der Biennale nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Stattdessen werden musikalische Darbietungen im Vorfeld aufgezeichnet und später auf Leinwänden im Außenbereich projiziert.

Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco sagte vor Journalisten: "Wenn die Biennale anfangen würde, nicht Werke, sondern Zugehörigkeiten auszuwählen, nicht Visionen, sondern Pässe, würde sie aufhören, das zu sein, was sie immer war: der Ort, an dem die Welt zusammenkommt – umso mehr, wenn die Welt auseinandergerissen wird."

Aufgrund des Rücktritts der Jury und der "außergewöhnlichen internationalen geopolitischen Lage" haben die Veranstalter die Preisverleihung vom 9. Mai auf den 22. November - den letzten Tag der Ausstellung - verschoben. Die Biennale kündigte zudem an, zwei Preise zu vergeben, über die die Besucher abstimmen können. Einer davon könne "gemäß dem Grundsatz der Inklusion und der Gleichbehandlung" an jeden Teilnehmer – einschließlich Russland – vergeben werden.

Die Biennale in Venedig findet seit 1895 statt. In diesem Jahr läuft sie vom 9. Mai bis zum 22. November.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

London und Paris richten am Dienstag Verteidigungsministertreffen zur Straße von Hormus aus

Großbritannien und Frankreich richten am Dienstag ein virtuelles Treffen von Verteidigungsministern aus, bei dem es um militärische Pläne zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus gehen soll. "Verteidigungsminister John Healey wird gemeinsam mit seiner französischen Amtskollegin Catherine Vautrin den Vorsitz bei einem Treffen von über 40 Nationen" im Rahmen der "multinationalen Mission" führen, erklärte das britische Verteidigungsministerium am Sonntag.

In Polen angeklagter Ex-Justizminister aus Ungarn in die USA geflohen

Der in seiner Heimat wegen mehrerer strafrechtlicher Vorwürfe gesuchte frühere polnische Justizminister Zbigniew Ziobro ist aus seinem Asylland Ungarn in die USA geflohen. Ziobro bestätigte am Sonntag dem rechtsgerichteten polnischen Sender Republika, dass er sich in den USA aufhalte. In seiner Heimat drohen dem Architekten der umstrittenen polnischen Justizreform bis zu 25 Jahre Haft.

Trump: Iranische Antwort auf US-Vorschlag ist "vollkommen inakzeptabel"

Im zähen Ringen um einen Ausweg aus dem Iran-Krieg hat US-Präsident Donald Trump die Antwort Teherans auf den US-Vorschlag als "vollkommen inakzeptabel" zurückgewiesen. "Sie gefällt mir nicht", schrieb der 79-Jährige am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social. Dort hatte er dem Iran zuvor bereits vorgeworfen, die USA an der Nase herumzuführen.

Papst verurteilt jüngste Gewaltwelle in Mali und im Tschad

Papst Leo XIV. hat die neue Welle dschihadistischer Gewalt in der Sahelzone verurteilt. "Mit großer Sorge habe ich von den Berichten zunehmender Gewalt in der Sahelzone erfahren, insbesondere im Tschad und in Mali, die von terroristischen Angriffen getroffen wurden", sagte der Papst am Sonntag vor Gläubigen auf dem Petersplatz.

Textgröße ändern: