Deutsche Tageszeitung - Vor Weltkriegsgedenken: Moskau meldet ukrainische Drohnenangriffe und droht mit "Vergeltungsschlag"

Vor Weltkriegsgedenken: Moskau meldet ukrainische Drohnenangriffe und droht mit "Vergeltungsschlag"


Vor Weltkriegsgedenken: Moskau meldet ukrainische Drohnenangriffe und droht mit "Vergeltungsschlag"
Vor Weltkriegsgedenken: Moskau meldet ukrainische Drohnenangriffe und droht mit "Vergeltungsschlag" / Foto: © The 93rd Kholodnyi Yar Separate/AFP/Archiv

Vor den Feierlichkeiten in Moskau zum Ende des Zweiten Weltkriegs haben Russland und die Ukraine ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt. Russland meldete am Donnerstag massive ukrainische Drohnenangriffe. Die Ukraine hatte Moskau zuvor beschuldigt, eine einseitig von Kiew ausgerufene Feuerpause zu ignorieren. Der Kreml bestätigte derweil, dass Russland anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten am Wochenende ab Freitag eine zweitägige Waffenruhe einhalten werde.

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Die Ukraine und Russland meldeten am Donnerstag neue Angriffe der Gegenseite. In der westrussischen Grenzstadt Brjansk wurden nach Behördenangaben bei einem ukrainischen Angriff 13 Menschen verletzt. In der Stadt Dnipro im Osten der Ukraine wurde nach Angaben der örtlichen Behörden ein Mensch verletzt.

Die russische Armee fing laut Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau von Mittwochabend bis zum frühen Donnerstagmorgen insgesamt 347 Drohnen ab. Diese Zahl ist vergleichsweise hoch.

Sowohl Moskau als auch Kiew hatten für diese Woche einseitige Waffenruhen angekündigt. Kiew bezeichnete die von Russland für Freitag und Samstag ausgerufene Feuerpause angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Ukraine als "blanken Zynismus". Das Gegenangebot Kiews, ab Mittwoch die Waffen ruhen zu lassen, blieb von Moskau unbeantwortet. "Es gab keine russische Reaktion darauf", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte gedroht, sein Land werde "entsprechend reagieren", falls Moskau die von Kiew ausgerufene Waffenruhe missachte. Er warf Russland massive Verstöße gegen die Feuerpause vor. Bereits am Dienstag hatte die russische Armee die Ukraine mit besonders heftigen Angriffen überzogen. Mindestens 28 Menschen wurden dabei nach ukrainischen Angaben getötet.

Kreml-Sprecher Peskow bestätigte am Donnerstag die einseitige Waffenruhe anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau. "Ja, wir sprechen vom 8. und 9. Mai", sagte er auf die Frage, ob die Feuerpause um Mitternacht Moskauer Zeit (23.00 Uhr MESZ) in Kraft trete.

Russland hält am Samstag die traditionelle Parade zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg ab. Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen bei den Feierlichkeiten anders als in den vergangenen Jahren aber keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät in Moskau auffahren.

Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die "terroristische Bedrohung" durch die Ukraine, sagte Peskow. Die ukrainische Armee hatte in den vergangenen Tagen russische Städte weit hinter der Front mit Drohnen attackiert. Der Kreml-Sprecher kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an. Diese seien nötig, um die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten.

Das russische Außenministerium hatte am Mittwoch mit einem "Vergeltungsschlag" gedroht, falls die Ukraine die Gedenkfeiern zum Weltkriegsende stören sollte. Moskau rief ausländische Botschaften in Kiew auf, ihr Personal vorsorglich in Sicherheit zu bringen.

Die Europäische Union kündigte am Donnerstag an, sie werde ihre Botschaft in Kiew nicht räumen. "Wir werden weder unsere Haltung noch unsere Präsenz ändern", sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. "Die öffentlichen Drohungen Russlands, Kiew anzugreifen, sind Teil seiner rücksichtslosen Eskalationstaktik", fügte er hinzu. Das Auswärtige Amt ließ eine Anfrage zu den russischen Drohungen zunächst unbeantwortet.

(N.Loginovsky--DTZ)

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