Deutsche Tageszeitung - EU-Staatsanwaltschaft ermittelt gegen französischen Rechtspopulisten Bardella

EU-Staatsanwaltschaft ermittelt gegen französischen Rechtspopulisten Bardella


EU-Staatsanwaltschaft ermittelt gegen französischen Rechtspopulisten Bardella
EU-Staatsanwaltschaft ermittelt gegen französischen Rechtspopulisten Bardella / Foto: © AFP/Archiv

Der französische Rechtspopulist und mögliche Präsidentschaftskandidat Jordan Bardella ist wegen des Verdachts auf Veruntreuung von EU-Geldern ins Visier der europäischen Justiz geraten. Die in Luxemburg ansässige Europäische Staatsanwaltschaft habe wegen mutmaßlichen Betrugs Ermittlungen aufgenommen, hieß es am Donnerstag in mit dem Fall vertrauten Kreisen. Die Staatsanwaltschaft selbst äußerte sich nicht dazu. Bardella weise die Vorwürfe zurück, teilte die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) mit.

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Konkret soll Bardella europäische Mittel für die Dienste eines Medientrainers genutzt haben, der ihn jedoch nicht für seine Arbeit als EU-Abgeordneter, sondern für seinen Einsatz im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2022 vorbereitet haben soll. Damals kandidierte die damalige RN-Chefin Marine Le Pen. Bardella spielte durch häufige Medienauftritte eine bedeutende Rolle im Wahlkampf.

Nach einem Bericht des Enthülllungsblatts "Le Canard Enchaîné" über Bardellas Medientraining erstattete eine Anti-Korruptionsorganisation deswegen im Dezember 2025 Anzeige. Die französische Finanzstaatsanwaltschaft leitete den Fall weiter an die 2021 gegründete Europäische Staatsanwaltschaft, die auf die Bekämpfung der Veruntreuung von EU-Geldern spezialisiert ist.

Nach Informationen des "Canard Enchaîné" nahm Bardella von 2019 bis 2021 die Dienste des Mediencoaches Pascal Humeau in Anspruch. Der ehemalige TV-Moderator soll dafür rund 133.000 Euro aus EU-Mitteln erhalten haben. Die verpflichtende Ausschreibung für den Auftrag sei "nur pro forma" geschehen, sagte Humeau später.

Weiter hieß es in dem Enthüllungsbericht, Bardella habe mit Humeau insbesondere seine Auftritte als neuer RN-Parteichef vorbereitet. In zahlreichen Interviews sei es aber vor allem um das Wahlkampfprogramm von Le Pen und nur am Rande um Europa gegangen. In einem Interview mit dem französischen Sender France 2 vom Januar 2024 erklärte Humeau, dass seine Arbeit mit Bardella darin bestanden habe, aus einer "leeren Hülle" einen "sympathischen Fascho" zu machen.

Es ist das erste Mal, dass Bardella wegen Betrugsverdachts ins Visier der Justiz gerät. In dem Verfahren gegen Le Pen und weitere Parteimitglieder, in dem am 7. Juli das Urteil das Berufungsgericht ansteht, war Bardella nicht angeklagt.

Ob der 30 Jahre alte Bardella bei der Präsidentschaftswahl 2027 antritt, hängt davon ab, ob und in welcher Form Le Pen im Juli im Berufungsverfahren um veruntreute EU-Gelder erneut verurteilt wird. Falls sie infolge des Urteils nicht antreten darf, will der RN Bardella ins Rennen um das Präsidentenamt schicken.

(W.Novokshonov--DTZ)

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