Deutsche Tageszeitung - Neues Trump-Ultimatum: Europäern drohen ab 4. Juli höhere Zölle

Neues Trump-Ultimatum: Europäern drohen ab 4. Juli höhere Zölle


Neues Trump-Ultimatum: Europäern drohen ab 4. Juli höhere Zölle

US-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union ein neues Zoll-Ultimatum gesetzt: Sollte die EU das Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten nicht bis zum 4. Juli vollständig umsetzen, würden die US-Importzölle für europäische Produkte "sofort auf viel höhere Sätze" steigen, erklärte Trump am Donnerstag nach einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Am 4. Juli feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit.

Textgröße ändern:

Trump schrieb in seinem Onlinedienst Truth Social weiter, er habe bisher "geduldig abgewartet", dass die EU ihren Zusagen nachkomme. Trump und von der Leyen hatten im vergangenen August bei einem Treffen in Schottland eine Einigung im Zollstreit erzielt. Die EU sagte unter dem Abkommen die Abschaffung von Zöllen auf zahlreiche US-Industrieprodukte zu, wenn die USA ihren allgemeinen Zollsatz für die EU bei 15 Prozent belassen. Die Europäer haben ihren Gesetzgebungsprozess bisher jedoch nicht abgeschlossen.

Von der Leyen sprach ungeachtet des neuen Ultimatums von einem "sehr guten Gespräch" mit Trump. Die EU bekenne sich wie die USA "uneingeschränkt" zur Umsetzung der Handelsvereinbarung, schrieb sie im Onlinedienst X. Die Europäer hätten "gute Fortschritte erzielt hin zu einer Zollsenkung bis Anfang Juli".

Für Unsicherheit und Verärgerung hatte bei den Europäern zuvor eine weitere Trump-Drohung gesorgt. Der US-Präsident hatte erst am vergangenen Freitag angekündigt, die Zölle auf Pkw und Lkw aus der EU generell von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen. Das wäre ein klarer Verstoß gegen die Vereinbarung mit der EU und würde deutsche Hersteller besonders hart treffen.

Der Drohung mit Autozöllen war ein Streit Trumps mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über den Iran-Krieg vorausgegangen. Ob und wann Trump die höheren Aufschläge tatsächlich erlässt, blieb allerdings unklar.

Der Abschaffung der Industriezölle auf US-Produkte müssen in Brüssel das Europaparlament und die 27 Mitgliedstaaten zustimmen. Ein solcher Prozess dauert mehrere Monate. Wegen wiederholter Drohungen aus Washington haben die Abgeordneten die Verhandlungen bereits mehrfach verzögert.

Die Parlamentarier wollen zur Bedingung für die Zollabschaffung machen, dass die USA ihren Teil der Abmachung vollständig einhalten. Außerdem fordern sie, dass die Abschaffung der Industriezölle im März 2028 automatisch ausläuft. Einige EU-Länder wollen Trump jedoch nicht weiter verärgern und sind deshalb gegen solche Klauseln.

Die Streitpunkte sollen in weiteren Verhandlungen ausgeräumt werden, die sich aber noch über mehrere Wochen hinziehen könnten. Nachdem ein Kompromissvorschlag vergangene Woche gescheitert war, ist der nächste Verhandlungstermin auf EU-Ebene für den 19. Mai angesetzt.

Der Chefunterhändler des EU-Parlaments, der SPD-Abgeordnete Bernd Lange, hatte am Mittwoch von "guten Fortschritten" bei der Umsetzung der europäischen Zusagen an die USA gesprochen. "Es liegt aber noch ein Stück Weg vor uns", fügte er hinzu. Mit Blick auf die Autozölle hatte Lange kritisiert, Trump hole immer wieder "den Zollhammer" gegen die europäischen Verbündeten heraus.

Mit hohen Zolldrohungen und Ultimaten an die meisten Handelspartner hatte Trump die Weltwirtschaft vor gut einem Jahr in massive Turbulenzen gestürzt. In der EU werfen viele dem Präsidenten mangelnde Verlässlichkeit vor.

Das Oberste US-Gericht hatte den Großteil von Trumps Sonderzöllen im Februar zwar gekippt, er führte danach aber neue Aufschläge auf anderer Rechtsgrundlage ein. Der Zollstreit ist auch ein zentrales Thema bei Trumps China-Reise in der kommenden Woche.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Ausschreitungen nach "GenZ"-Protesten: Dobrindt lobt Polizeikonzept

Trotz Ausschreitungen in einzelnen Städten ist die Strategie deutscher Sicherheitskräfte bei den "GenZ"-Protesten nach einer ersten Einschätzung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgegangen. "Gewaltexzesse wie in Paris wurden dank unserer hoch engagierten Polizeikräfte verhindert", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung am Sonntag. "Das Einsatzkonzept der Polizei mit massiver Präsenz und dezentraler Kräfteaufstellung ist aufgegangen", fügte er hinzu.

Rubio: USA waren "nicht direkt" an Bolsonaro-Flucht aus Brasilien beteiligt

US-Außenminister Marco Rubio hat eine Beteiligung Washingtons an der Flucht des bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegenen Kandidaten Flávio Bolsonaro bestritten. "Die US-Regierung war nicht direkt beteiligt" an den Vorkehrungen, die Bolsonaro für seine Ausreise aus Brasilien getroffen habe, sagte Rubio am Samstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz beim G20-Außenministertreffen in Atlanta.

Stichwahl ums Präsidentenamt in Bulgarien begonnen

Vor dem Hintergrund einer Reihe von Drohnenangriffen auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer hat in Bulgarien die Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Die Wahllokale in dem osteuropäischen Land öffneten am Sonntag um 7.00 Uhr (Ortszeit, 6.00 Uhr MEZ) und bleiben bis 20.00 Uhr geöffnet. Die russlandfreundliche derzeitige Präsidentin Ilijana Jotowa steht ihrem prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow gegenüber.

Stichwahl ums Präsidentenamt in Bulgarien

In Bulgarien entscheidet sich am Sonntag in einer Stichwahl, wer künftig an der Spitze des Staates steht. Die russlandfreundliche derzeitige Präsidentin Ilijana Jotowa steht dabei ihrem prowestlichen Herausforderer Andrej Gjurow gegenüber. Im ersten Durchgang vor einer Woche lag Jotowa mit 35 Prozent der Stimmen nur knapp vor Gjurow, der auf 32 Prozent kam.

Textgröße ändern: