Deutsche Tageszeitung - Trotz einseitiger Waffenruhe: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen

Trotz einseitiger Waffenruhe: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen


Trotz einseitiger Waffenruhe: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen
Trotz einseitiger Waffenruhe: Russland und Ukraine überziehen sich mit neuen Angriffen / Foto: © AFP

Trotz der von Moskau ausgerufenen einseitigen Waffenruhe haben sich Russland und die Ukraine mit gegenseitigen Angriffen überzogen. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde am Freitagmorgen nach Angaben von Reportern der Nachrichtenagentur AFP Luftalarm ausgelöst. Russland habe "nicht einmal einen symbolischen Versuch unternommen, eine Waffenruhe an der Front einzuhalten", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Russland meldete derweil zahlreiche Drohnenangriffe aus der Ukraine. Anlass für die von Moskau ausgerufene Feuerpause sind die Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau.

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In Kiew ertönten am Freitagmorgen für mehrere Minuten Sirenen. Nach Behördenangaben wurde der Alarm wegen eines drohenden Raketenangriffs ausgelöst. Das russische Verteidigungsministerium hatte mit einem Vergeltungsangriff gedroht, sollte die Ukraine die russischen Gedenkfeierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland am 9. Mai attackieren. Moskau rief die Bewohner Kiews und ausländische Diplomaten auf, die Stadt "rechtzeitig verlassen".

Am Freitagmorgen meldeten die Ukraine und Russland jeweils massive Angriffe der Gegenseite. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sie habe in der Nacht 67 russische Drohnen abgeschossen. "Wie bereits in den vergangenen 24 Stunden wird die Ukraine auch heute entsprechend reagieren", erklärte Präsident Selenskyj. Er sprach von hunderten russischen Drohnenangriffen an der Front.

Aus Moskau hieß es vom russischen Verteidigungsministerium, seit Inkrafttreten der einseitigen Waffenruhe seien 264 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Das Ministerium erklärte, die russische Armee reagiere "symmetrisch" auf ukrainische Angriffe. Mehrere Flughäfen in Russland wurden am Freitagmorgen nach Angaben der Luftfahrbehörde wegen drohender ukrainischer Angriffe vorübergehend geschlossen.

Die von Russland ausgerufene Waffenruhe war um 00.00 Uhr (Ortszeit, Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) in Kraft getreten und soll bis Samstag gelten. Anlass für die zweitägige Feuerpause sind die russischen Gedenkfeierlichkeiten zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Bei der traditionellen Parade am Samstag sollen aus Angst vor ukrainischen Angriffen anders als in den vergangenen Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät auffahren. Außerdem wurden Internetsperren verhängt. Auch die Zahl der ausländischen Gäste ist geringer als üblich – laut Kreml werden lediglich die Staatschefs von Belarus, Malaysia und Laos anwesend sein.

Der ukrainische Präsident Selenskyj warnte ausländische Politiker vor der Teilnahme an der Militärparade in Moskau. "Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen", sagte er am Donnerstag. "Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab."

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) schloss trotz der russischen Drohungen einen Abzug des deutschen Botschaftspersonals in Kiew aus. Sein Ministerium wertete Moskaus Drohungen als Anzeichen für fehlenden Verhandlungswillen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Ein gezielter Angriff auf eine diplomatische Vertretung wäre ein weiterer schwerer Verstoß Russlands gegen humanitäres Völkerrecht", hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium. Zuvor hatte bereits ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärt, dass die EU ihre Botschaft in Kiew nicht räumen werde.

Die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs haben bislang keinen Durchbruch gebracht und sind durch den Iran-Krieg in den Hintergrund geraten. Moskau fordert, dass sich die Ukraine aus vier ukrainischen Regionen zurückzieht, die Russland für sich beansprucht. Kiew weist das als inakzeptabel zurück.

(A.Nikiforov--DTZ)

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