Deutsche Tageszeitung - Mindestens zehn Tote und 45 Verletzte bei schweren russischen Angriffen auf Kiew

Mindestens zehn Tote und 45 Verletzte bei schweren russischen Angriffen auf Kiew


Mindestens zehn Tote und 45 Verletzte bei schweren russischen Angriffen auf Kiew
Mindestens zehn Tote und 45 Verletzte bei schweren russischen Angriffen auf Kiew / Foto: © AFP

Bei einem mehrstündigen Angriff mit hunderten Drohnen und dutzenden Raketen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind in der Nacht zum Donnerstag mindestens zehn Menschen getötet worden. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wurden 20 Orte in der Metropole angegriffen, darunter Wohnhäuser, eine Schule und eine Tierklinik. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die "schwersten russischen Angriffe seit Langem". Selenskyj empfing indes Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) und BND-Chef Martin Jäger zu Gesprächen.

Textgröße ändern:

"Bisher wissen wir von insgesamt zehn Menschen, die infolge des massiven russischen Angriffs im Kiew ums Leben gekommen sind", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache. Moskau habe in der Nacht zum Donnerstag mehr als 675 Angriffsdrohnen gegen sein Land gestartet und 56 Raketen abgefeuert, erklärte der Präsident in Onlinediensten. An den Einschlagsorten könnten noch mehr Menschen unter den Trümmern eingeschlossen sein, fügte er hinzu.

Die Luftwaffe erklärte, 652 Drohnen und 41 Raketen seien abgefangen worden. Bei den Angriffen wurden mindestens 45 Menschen verletzt. Nach Angaben der Polizei wurden aus einem einzigen Haus sieben Leichen geborgen - drei Männer, drei Frauen und ein Mädchen.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP hatten am Morgen mehrere Stunden lang Explosionen in Kiew gehört und von Luftalarm berichtet. Auch der Einsatz der Flugabwehr war zu hören, Menschen suchten Schutz in U-Bahn-Stationen.

Laut Militärverwaltung wurden bei den Angriffen sechs Bezirke der ukrainischen Hauptstadt und sechs weitere in der umliegenden Region getroffen. AFP-Journalisten beobachteten Rettungskräfte, die in den Trümmern zerstörter Gebäude nach Überlebenden suchten.

Die russischen Angriffe beschränkten sich jedoch nicht nur auf Kiew. Selenskyjs Angaben zufolge wurde auch die Städte Cherson und Saporischschja im Süden der Ukraine getroffen sowie Charkiw im Osten.

In Cherson sei ein Fahrzeug des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten zweimal mit Drohnen angegriffen worden, erklärte Selenskyj. "Sie konnten unmöglich nicht wissen, welches Fahrzeug sie im Visier hatten", schrieb er auf X. Verletzt wurde niemand.

"Das sind ganz sicher nicht die Handlungen derjenigen, die glauben, der Krieg gehe zu Ende", erklärte Selenskyj. Es sei nun wichtig, dass die westlichen Verbündeten der Ukraine zu diesem Angriff "nicht schweigen". "Es muss eine Antwort auf all diese Attacken geben", forderte er.

Kanzler Merz schrieb am Donnerstagabend im Onlinedienst X: "Die schwersten russischen Angriffe auf die Ukraine seit Langem zeigen: Moskau setzt auf Eskalation statt Verhandlung". Kiew und seine Partner stünden "bereit für Verhandlungen über einen gerechten Frieden. Russland aber führt weiter Krieg", fügte er hinzu.

Nach den Worten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigen die Angriffe auf Kiew, dass Russland die Bemühungen zur Beendigung des Krieges "offen verspottet".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Russland demonstriere mit der Bombardierung von Zivilisten seine Schwäche: "Ihm gehen die Optionen an der Front aus, und es weiß nicht, wie es seinen Angriffskrieg beenden soll", erklärte Macron.

In Kiew empfing Selenskyj unterdessen Kanzleramtschef Frei und den Präsidenten des Bundesnachrichtendiensts (BND), Jäger. "Wir haben darüber gesprochen, wie wir unsere Vereinbarungen mit Deutschland zur Luftverteidigung beschleunigen können, um die Ukrainer vor solch einem Terror zu schützen", erklärte Selenskyj auf X. Der ukrainische Staatschef betonte, es habe "wichtige Signale der Unterstützung" gegeben.

Zudem sei über ein Drohnenabkommen gesprochen worden, das die Ukraine Deutschland vorgeschlagen habe. Die Ukraine wäre in dem Zusammenhang bereit, "diejenigen zu unterstützen, die uns unterstützt haben". Deutschland und die Ukraine hatten bei Regierungskonsultationen Mitte April eine engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich vereinbart. Dazu gehören nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums die Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite in einem Joint Venture.

Der von Russland entfachte Ukraine-Krieg dauert seit mehr als vier Jahren an. Die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht. In der vergangenen Woche hatten erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten stattgefunden.

Im Ukraine-Krieg sind bereits hunderttausende Menschen getötet worden. Es ist der bewaffnete Konflikt mit den meisten Opfern in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Als Voraussetzung für ein Friedensabkommen verlangt Russland von der Ukraine den Rückzug aus mehreren bisher nur teilweise von Moskau kontrollierten Regionen, darunter das wichtige Industriegebiet Donbass im Osten der Ukraine. Kiew weist die Forderungen zurück.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Trump bringt Angriffe auf weitere Ziele im Iran ins Spiel

US-Präsident Donald Trump hat mögliche neue Angriffe auf Ziele im Iran ins Spiel gebracht. "Wir haben ihr Atomprogramm ausgeschaltet. Wir müssen uns noch um, ich würde sagen, ein oder zwei Anlagen kümmern, aber das können wir in zehn Minuten erledigen", sagte Trump am Samstag vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida.

Ausschreitungen bei Protesten in Frankreich - insgesamt 565 Festnahmen

Bei Ausschreitungen am Rande landesweiter Massenproteste in Frankreich sind am Samstag 565 Menschen festgenommen worden. Dies teilte das französische Innenministerium am Abend mit. In Paris wurden zudem fünf Sicherheitskräfte verletzt, darunter drei durch Molotowcocktails, wie die Polizeipräfektur mitteilte. Bei einem der Angriffe geriet die Uniform eines Gendarmen durch einen Molotowcocktail in Brand.

Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt - mehr als 30 Festnahmen

Nach zunächst weitgehend friedlichen Jugendprotesten ist es am Samstagabend in der Innenstadt von Frankfurt am Main zu schweren Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizisten und Plünderungen gekommen. Nach Angaben der Polizei bewarfen Randalierer Einsatzkräfte mit Molotowcocktails und schlugen die Fensterscheiben mehrerer Geschäfte ein, darunter die eines Waffenladens. Bis zum späten Abend wurden demnach mehr als 30 Menschen vorläufig festgenommen.

Ausschreitungen nach "GenZ"-Protest in Berlin: 27 leichtverletzte Polizisten und viele Festnahmen

Bei Ausschreitungen nach Jugendprotesten der bundesweiten Initiative "GenZ regelt" sind in Berlin nach Polizeiangaben 27 Beamte leicht verletzt worden. Ein Polizeisprecher sagte am späten Samstagabend, bei einer Versammlung mit bis zu 3500 Teilnehmern, die am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte begonnen hatte, sei es zu "zahlreichen Straftaten" gekommen. Darunter seien Sachbeschädigung, Körperverletzung sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz.

Textgröße ändern: