Deutsche Tageszeitung - 16 Tote bei massiven russischen Angriffen auf Kiew - auch andere Städte getroffen

16 Tote bei massiven russischen Angriffen auf Kiew - auch andere Städte getroffen


16 Tote bei massiven russischen Angriffen auf Kiew - auch andere Städte getroffen
16 Tote bei massiven russischen Angriffen auf Kiew - auch andere Städte getroffen / Foto: © AFP

Mit hunderten Drohnen und dutzenden Raketen hat Russland in der Nacht zum Donnerstag stundenlang die ukrainische Hauptstadt Kiew angegriffen; dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens 16 Menschen getötet. Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj wurden auch Städte im Süden und Osten getroffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verurteilte die "schwersten russischen Angriffe seit Langem". Selenskyj empfing indes Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) und BND-Chef Martin Jäger zu Gesprächen.

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Laut Behörden waren unter den 16 Toten in Kiew zwei Kinder. Präsident Selenskyj sprach in seiner abendlichen Ansprache von einem "massiven russischen Angriff" auf die ukrainische Hauptstadt. Ihm zufolge wurden 20 Stellen in der Metropole angegriffen, darunter Wohnhäuser und eine Schule.

Moskau habe in der Nacht zum Donnerstag mehr als 675 Angriffsdrohnen gegen sein Land gestartet und 56 Raketen abgefeuert, erklärte der Präsident in Onlinediensten. Die Luftwaffe erklärte, 652 Drohnen und 41 Raketen seien abgefangen worden. Bei den Angriffen wurden dutzende Menschen verletzt.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP hatten am Morgen mehrere Stunden lang Explosionen in Kiew gehört und von Luftalarm berichtet. Auch der Einsatz der Flugabwehr war zu hören, Menschen suchten Schutz in U-Bahn-Stationen.

Die russischen Angriffe beschränkten sich nicht nur auf Kiew. Selenskyjs Angaben zufolge wurde auch die Städte Cherson und Saporischschja im Süden der Ukraine getroffen sowie Charkiw im Osten.

"Das sind ganz sicher nicht die Handlungen derjenigen, die glauben, der Krieg gehe zu Ende", erklärte Selenskyj. Es sei nun wichtig, dass die westlichen Verbündeten der Ukraine zu diesem Angriff "nicht schweigen". "Es muss eine Antwort auf all diese Attacken geben", forderte er.

Kanzler Merz schrieb am Donnerstagabend im Onlinedienst X: "Die schwersten russischen Angriffe auf die Ukraine seit Langem zeigen: Moskau setzt auf Eskalation statt Verhandlung". Kiew und seine Partner stünden "bereit für Verhandlungen über einen gerechten Frieden. Russland aber führt weiter Krieg", fügte er hinzu.

Nach den Worten von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigen die Angriffe auf Kiew, dass Russland die Bemühungen zur Beendigung des Krieges "offen verspottet".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Russland demonstriere mit der Bombardierung von Zivilisten seine Schwäche: "Ihm gehen die Optionen an der Front aus, und es weiß nicht, wie es seinen Angriffskrieg beenden soll", erklärte Macron.

Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte derweil, es habe "intensivierte" militärischen Aktivitäten in der Nähe mehrerer Atomanlagen in der Ukraine gegeben, die erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich brächten. Mehr als 160 Drohnen seien nahe den Anlagen registriert worden. Genannt wurde unter anderem das einstige Atomkraftwerk Tschernobyl, dessen Schutzhülle im vergangenen Jahr durch eine russische Drohne beschädigt worden war. IAEA-Chef Rafael Grossi äußerte demnach "große Besorgnis".

In Kiew empfing Selenskyj unterdessen Kanzleramtschef Frei und den Präsidenten des Bundesnachrichtendiensts (BND), Jäger. "Wir haben darüber gesprochen, wie wir unsere Vereinbarungen mit Deutschland zur Luftverteidigung beschleunigen können, um die Ukrainer vor solch einem Terror zu schützen", erklärte Selenskyj auf X. Der ukrainische Staatschef betonte, es habe "wichtige Signale der Unterstützung" gegeben.

Zudem sei über ein Drohnenabkommen gesprochen worden, das die Ukraine Deutschland vorgeschlagen habe. Die Ukraine wäre in dem Zusammenhang bereit, "diejenigen zu unterstützen, die uns unterstützt haben". Deutschland und die Ukraine hatten bei Regierungskonsultationen Mitte April eine engere Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich vereinbart. Dazu gehören nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums die Produktion von Drohnen mittlerer und langer Reichweite in einem Joint Venture.

Der von Russland entfachte Ukraine-Krieg dauert seit mehr als vier Jahren an. Die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht. In der vergangenen Woche hatten erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten stattgefunden.

(A.Stefanowych--DTZ)

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