Deutsche Tageszeitung - Feuer in russischem Ölhafen nach ukrainischem Angriff - Mindestens zwölf Tote in Luhansk

Feuer in russischem Ölhafen nach ukrainischem Angriff - Mindestens zwölf Tote in Luhansk


Feuer in russischem Ölhafen nach ukrainischem Angriff - Mindestens zwölf Tote in Luhansk
Feuer in russischem Ölhafen nach ukrainischem Angriff - Mindestens zwölf Tote in Luhansk / Foto: © social media/AFP

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff ist im Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer ein Feuer ausgebrochen. Herabstürzende Trümmer hätten ein Öldepot und auch das Gelände des Kraftstoffterminals getroffen, teilten die russischen Behörden am Samstag mit. Zwei Menschen seien verletzt worden. Die Zahl der Todesopfer eines Drohnenangriffs auf ein Hochschulgebäude in der fast vollständig von Russland besetzten ostukrainischen Region Luhansk stieg derweil auf mindestens zwölf.

Textgröße ändern:

Die Ukraine hatte zuletzt Angriffe auf die russische Öl- und Energieinfrastruktur verschärft. Der Hafen von Noworossijsk in der südrussischen Grenzregion Krasnodar ist der größte Exportknotenpunkt Russlands am Schwarzen Meer: Rund ein Fünftel der per Schiff transportierten russischen Rohöllieferungen wird dort abgewickelt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Samstagmorgen mit, dass in der Nacht insgesamt 348 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört worden seien.

Am Vortag war bei einem mutmaßlichen ukrainischen Drohnenangriff ein Hochschulgebäude in Luhansk getroffen worden. Dabei stürzte russischen Behördenangaben zufolge ein fünfstöckiges Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk ein. Am Samstag stieg die Zahl der dabei getöteten Menschen auf mindestens zwölf, 38 weitere Menschen seien verletzt worden, während neun Menschen weiterhin vermisst würden, erklärte das russische Katastrophenschutzministerium. Ein von den Behörden veröffentlichtes Video zeigte Dutzende Rettungskräfte, die in den Trümmern des Gebäudes nach Überlebenden suchten.

"Die Region und das ganze Land teilt den Schmerz über das Schicksal dieser Menschen und ihrer Familien", erklärte der von Moskau eingesetzte örtliche Gouverneur Leonid Passetschnik. Nach seinen Angaben befanden sich zum Zeitpunkt des Drohnenbeschusses 86 Menschen in den Räumlichkeiten. Bei den Getöteten und Vermissten handele es sich größtenteils um Studentinnen im Alter von 18 bis 23 Jahren.

Kiew erklärte dagegen, der Angriff habe sich nicht gegen Zivilisten, sondern gegen ein Militärhauptquartier gerichtet. Das Quartier einer russischen Militäreinheit befinde sich "im Gebiet der Stadt Starobilsk", erklärte der ukrainische Generalstab am Freitag. "Die Ukraine führt Angriffe gegen militärische Infrastrukturen und Einrichtungen durch, die für militärische Zwecke genutzt werden, und hält sich dabei strikt an die Vorgaben des humanitären Völkerrechts", erklärte der Generalstab weiter.

Kreml-Chef Wladimir Putin sprach hingegen von einem "terroristischen Angriff" und rief die russische Armee auf, Pläne für Vergeltungsaktionen auszuarbeiten. Der Angriff sei "kein Zufall" gewesen und "in drei Wellen" erfolgt, "wobei 16 Drohnen denselben Ort ins Visier nahmen", fügte Putin hinzu. In der Nähe habe sich "weder eine Einrichtung der Armee noch der Geheimdienste oder verwandter Dienste" befunden.

Starobilsk liegt etwa 65 Kilometer von der Frontlinie in der Ostukraine entfernt. Die russische Armee hatte die Stadt bereits kurz nach Beginn ihrer Offensive im Februar 2022 erobert.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet, insbesondere auf Ziele der Öl- und Energieinfrastruktur. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

US-Außenminister: Trump hat noch keine Entscheidung über neue Iran-Angriffe getroffen

US-Präsident Donald Trump hat nach Worten seines Außenministers Marco Rubio noch keine Entscheidung über mögliche neue Angriffe auf den Iran getroffen. "Wir können militärische Ziele erreichen, wenn wir das wollen", sagte Rubio am Samstag bei einer Pressekonferenz beim G20-Außenministertreffen in der US-Großstadt Atlanta. "Er (Trump) hat noch keine Entscheidung getroffen." Die USA würden das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Evakuierte aus umkämpfter ukrainischer Stadt Oleschky zurück bei ihren Angehörigen

Inmitten einer Feuerpause sind Einwohner der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky über Russland und Belarus evakuiert worden und zu ihren Angehörigen zurückgekehrt. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, überquerten die Menschen am Samstag die ukrainische Grenze in der Region Tschernihiw im Norden des Landes. Die Feuerpause läuft noch bis Sonntagabend.

Regierung: 320.000 Teilnehmer bei neuen Protesten in Frankreich

An den neuen landesweiten Protesten in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem haben erneut hunderttausende Menschen teilgenommen. Das französische Innenministerium sprach am Samstag von landesweit 320.000 Demonstranten. Allein in der Hauptstadt Paris gingen nach Angaben der Polizeipräfektur 70.000 Menschen auf die Straße. Dort kam es am späten Nachmittag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Berliner Linke stimmt für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD 

In Berlin können sechs Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus die Koalitionsverhandlungen von Linken, Grünen und SPD beginnen. Am Samstag stimmte ein Landesparteitag des Wahlsiegers Linke bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen mit überwältigender Mehrheit für die Gespräche. In der Debatte davor gab es breite Zustimmung für Spitzenkandidatin Elif Eralp, die Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.

Textgröße ändern: