Deutsche Tageszeitung - Krieg und Strukturprobleme: Deutsche Wirtschaft ächzt laut DIHK unter "Doppelkrise"

Krieg und Strukturprobleme: Deutsche Wirtschaft ächzt laut DIHK unter "Doppelkrise"


Krieg und Strukturprobleme: Deutsche Wirtschaft ächzt laut DIHK unter "Doppelkrise"
Krieg und Strukturprobleme: Deutsche Wirtschaft ächzt laut DIHK unter "Doppelkrise" / Foto: © AFP

Die Unternehmen in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) derzeit unter einer mehrfachen Belastung. "Wir stecken in einer Doppelkrise", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov am Dienstag. "Zu den Strukturproblemen in Deutschland kommen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten hinzu", erläuterte sie. Entsprechend schlecht wird von den Unternehmen laut einer DIHK-Umfrage die Geschäftslage beurteilt - sie ist demnach so negativ wie zuletzt in der Corona-Pandemie.

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Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer, für die von Ende März bis Anfang Mai rund 23.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen befragt wurden, bezeichnen 26 Prozent der Unternehmen ihre derzeitige Lage als schlecht und nur 23 Prozent als gut. Damit sank der Saldo aus "Gut"- und "Schlecht"-Antworten gegenüber der Vorumfrage zu Jahresbeginn um vier Punkte auf minus drei Punkte und erreichte den niedrigsten Wert seit der Corona-Krise.

Ein Drittel der Befragten rechnet in den kommenden zwölf Monaten zudem mit schlechteren Geschäften - acht Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresanfang. Optimistisch in die Zukunft schauen derzeit demnach lediglich 13 Prozent. Der DIHK-Stimmungsindex sei von 95,9 Punkten zu Jahresanfang auf nur noch 88,1 Punkte eingebrochen. Aufgrund dieser "schlechten Ergebnisse" werde die Wachstumsprognose vom Jahresbeginn für 2026 von 1,0 Prozent auf nun nur noch 0,3 Prozent abgesenkt, erklärte die DIHK.

"Geschwächt durch drei Jahre Rezession und Stagnation fühlen sich viele an ihrer Belastungsgrenze", warnte Hauptgeschäftsführerin Melnikov. "Anders als in früheren Krisen haben viele Betriebe kaum noch Reserven, um den Belastungen etwas entgegenzusetzen", fügte sie hinzu. "Wir leben in Deutschland von der Substanz."

Zunehmend schlägt sich die schlechte Wirtschaftslage demnach auch auf den Arbeitsmarkt nieder: Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plane, Personal abzubauen, während nur jeder zehnte Betrieb mehr Beschäftigte einstellen wolle - der niedrigste Wert seit der Corona-Pandemie, führte die DIHK aus. Das spiegele sich auch in der Entwicklung des Fachkräftemangels wider - "während der Fachkräftemangel noch vor kurzem für mehr als die Hälfte der Unternehmen ein wesentliches Geschäftsrisiko darstellte, sorgen sich darum aktuell nur noch 36 Prozent".

Umso wichtiger sei es nun, dass die Politik angesichts des begrenzten Einflusses Deutschlands auf die geopolitischen Risiken die Probleme hierzulande löse, mahnte Melnikov. Die Bundesregierung müsse jetzt schnellstens Energie- und Arbeitskosten sowie Steuern senken, Bürokratie und Berichtspflichten zurückfahren und Verfahren auf allen Ebenen beschleunigen. "Nur mit mutigen Reformen kommt die Wirtschaft zurück auf einen nachhaltigen Wachstumspfad mit sicheren Arbeitsplätzen, höherer Wettbewerbsfähigkeit und wachsendem Wohlstand", erklärte sie. Davon profitiere am Ende auch der Staat durch steigende Einnahmen.

(L.Møller--DTZ)

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