Deutsche Tageszeitung - Sarkozys Anwalt nennt Affäre um libysche Wahlkampfgelder "grotesken Roman"

Sarkozys Anwalt nennt Affäre um libysche Wahlkampfgelder "grotesken Roman"


Sarkozys Anwalt nennt Affäre um libysche Wahlkampfgelder "grotesken Roman"
Sarkozys Anwalt nennt Affäre um libysche Wahlkampfgelder "grotesken Roman" / Foto: © AFP

Im Berufungsverfahren gegen den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy wegen Wahlkampfgeldern aus Libyen hat am Mittwoch das Plädoyer der Verteidigung begonnen. "Seit 13 Jahren versucht man, Nicolas Sarkozy in diesen grotesken Roman hineinzuziehen", sagte der Anwalt des Angeklagten, Christophe Ingrain. Das Plädoyer wird von insgesamt vier Anwälten gehalten. Am Ende des letzten Prozesstages bekommt auch der 71 Jahre alte Sarkozy selbst noch die Möglichkeit einer abschließenden Aussage.

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Obwohl während des Verfahrens erstmals Widersprüche zwischen der Linie des konservativen Ex-Präsidenten und seinen mitangeklagten ehemaligen Mitarbeitern aufgekommen sind, beteuert Sarkozy weiter seine Unschuld. "Es wurde nicht ein einziger Euro im Wahlkampf von Nicolas Sarkozy identifiziert", betonte der Anwalt mit Blick auf den Vorwurf, Sarkozy habe finanzielle Wahlkampfhilfe aus Libyen erhalten und der libyschen Führung im Gegenzug diplomatische Gefälligkeiten in Aussicht gestellt.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer sieben Jahre Haft für den konservativen Ex-Präsidenten gefordert, unter anderem wegen Korruption, illegaler Wahlkampffinanzierung und der Bildung einer kriminellen Vereinigung. "Es gab sehr wohl eine Vereinbarung zwischen Nicolas Sarkozy und (dem damaligen libyschen Machthaber) Muammar al-Gaddafi", hatte Staatsanwalt Damien Brunet gesagt.

Sarkozy und sein Mitarbeiter Claude Guéant hätten sich demnach "im Gegenzug für libysche Gelder" um die Aufhebung des Haftbefehls gegen Abdallah Senoussi bemühen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Gaddafis Schwager, damals Nummer zwei der libyschen Führung, war in Frankreich wegen des Anschlags auf ein Flugzeug mit 170 Toten in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für Guéant forderte die Staatsanwaltschaft erneut sechs Jahre Haft.

Guéants Anwalt machte Sarkozy in seinem Plädoyer schwere Vorwürfe. Die Verteidigungsstrategie des Ex-Präsidenten laute "Ich war es nicht, es waren die anderen", sagte Guéants Anwalt Philippe Bouchez El Ghozi. Mit der Verkündung des Urteils wird im November gerechnet.

Sarkozy war in erster Instanz zu fünf Jahren Haft mit sofortiger Vollstreckung verurteilt worden und verbrachte - als erster Ex-Staatschef eines EU-Landes - bereits 20 Tage im Gefängnis.

(V.Sørensen--DTZ)

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