Deutsche Tageszeitung - Israel erklärt großes Gebiet im Süden des Libanon zur "Kampfzone"

Israel erklärt großes Gebiet im Süden des Libanon zur "Kampfzone"


Israel erklärt großes Gebiet im Süden des Libanon zur "Kampfzone"
Israel erklärt großes Gebiet im Süden des Libanon zur "Kampfzone" / Foto: © AFP

Israel hat seinen Militäreinsatz gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon ausgeweitet und ein großes Gebiet im Süden des Landes zur "Kampfzone" erklärt. Die israelische Armee rief die Bewohner von Ortschaften südlich des Flusses Sahrani am Mittwoch auf, "sich in Sicherheit zu bringen". Die Hisbollah meldete derweil Zusammenstöße mit israelischen Soldaten nördlich der "gelben Linie" nahe der Stadt Nabatije.

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Der israelische Armeesprecher Avichay Adraee warf der vom Iran finanzierten Hisbollah wiederholte Verstöße gegen die seit Mitte April geltende Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon vor. Israels Militär werde "mit aller Härte" gegen die Miliz vorgehen, verkündete er.

Der Fluss Sahrani verläuft rund 40 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze. Die von Israel ausgewiesene "gelbe Linie" befindet sich etwa zehn Kilometer tief auf libanesischem Gebiet. Innerhalb dieser Begrenzung hat die israelische Armee nach eigenen Angaben eine Pufferzone eingerichtet und Truppen stationiert.

Bereits am Vortag hatte die Armee erklärt, sie werde Hisbollah-Kämpfer weiter nach Norden zurückdrängen. Die Bewohner von Nabatije rief sie auf, sich in Sicherheit zu bringen. Bislang hatte die israelische Armee zumeist Evakuierungsaufrufe für Gebiete südlich des Flusses Litani herausgegeben. Nabatije liegt nördlich des Litani.

"Jeder, der sich in der Nähe von Hisbollah-Mitgliedern, ihren Einrichtungen oder ihrem militärischen Gerät aufhält, setzt sein Leben aufs Spiel", warnten die israelischen Streitkräfte am Dienstag. Am Mittwoch erneuerten sie ihren Evakuierungsaufruf für Nabatije. Zudem forderten sie die Einwohner der Stadt Tyros und umliegender Gebiete zur Evakuierung auf.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete später von Angriffen auf Tyros sowie auf andere Orte im Süden des Landes und im östlichen Bekaa-Tal. Die israelische Armee erklärte ihrerseits, sie greife "Kommandozentralen" und "Infrastruktur" der Hisbollah an.

In der Ortschaft Burdsch al-Schamali sah ein AFP-Korrespondent, wie Rettungskräfte nach einem Angriff einen Leichensack aus Trümmern wegtrugen. NNA berichtete unter Verweis auf den Bürgermeister, dass bei dem Angriff am Dienstag dort 15 Menschen getötet worden seien. Weitere Tote wurden nach Angriffen in Kautharijat al-Ris, in Habbusch, in Maarakeh und in Salaa gemeldet.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums vom Dienstagabend wurden bei den Angriffen insgesamt mindestens 31 Menschen getötet, etwa 40 weitere Menschen seien verletzt worden.

Die Hisbollah lieferte sich nach eigenen Angaben am Mittwoch Gefechte mit der israelischen Armee in der Stadt Sautar al-Scharkijah nördlich der "gelben Linie". Die Stadt liegt nur sechs Kilometer von Nabatije entfernt. Die Miliz erklärte, ihre mit leichten und mittleren Waffen ausgestatteten Kämpfer seien "auf kurzer Distanz mit den feindlichen Streitkräften zusammengestoßen".

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Dienstagabend in einer Videoansprache gesagt, die Armee werde verstärkt gegen die Hisbollah im Libanon vorgehen. Die israelische Armee sei "mit erheblichen Kräften vor Ort im Einsatz und sichert strategisch wichtige Positionen". Die von der Armee eingerichtete Pufferzone solle "verstärkt" werden, "um die Gemeinden im Norden Israels zu schützen".

Israelischen Medienberichten zufolge hatte Armeechef Ejal Samir dazu gedrängt, den Kampf gegen die vom Iran finanzierte Hisbollah auszuweiten. Demnach gab Netanjahu daraufhin schließlich grünes Licht. Angesichts der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um ein Abkommen mit dem Iran steht Israel unter Druck seitens der USA, sich im Libanon zurückzuhalten.

Auch die Hisbollah setzte ihre Angriffe auf Israel am Mittwoch fort. Die israelische Armee teilte am Dienstag mit, sie habe "mehrere Sprengstoffdrohnen abgefangen, die von der Terrororganisation Hisbollah in Richtung israelisches Gebiet abgefeuert worden waren". Die mit dem Iran verbündete Hisbollah hatte in den vergangenen Tagen ihre Angriffe auf Israel ausgeweitet, insbesondere solche mit Sprengstoffdrohnen.

Die Schiitenmiliz lehnt die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel sowie ein unter Vermittlung der USA geschlossenes Waffenruhe-Abkommen ab, das Mitte April in Kraft trat.

Für Freitag ist ein Besuch einer libanesischen Militärdelegation im Pentagon angesetzt. An dem Treffen sollen ein Einsatzleiter sowie sechs Offiziere teilnehmen. Wie AFP aus Armeekreisen erfuhr, soll die Delegation in Washington "die Notwendigkeit einer Waffenruhe betonen und den Plan der Armee für ein staatliches Waffenmonopol sowie die Ausweitung der staatlichen Autorität auf das gesamte Land vorstellen".

(N.Loginovsky--DTZ)

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