Deutsche Tageszeitung - Frankreich will Sklavengesetz "Code Noir" formell abschaffen

Frankreich will Sklavengesetz "Code Noir" formell abschaffen


Frankreich will Sklavengesetz "Code Noir" formell abschaffen
Frankreich will Sklavengesetz "Code Noir" formell abschaffen / Foto: © AFP/Archiv

Frankreich will seine nicht mehr geltenden, aber nie formell abgeschafften Sklavengesetze offiziell außer Kraft setzen. Die Abgeordneten der Nationalversammlung stimmten am Donnerstag einstimmig für einen entsprechenden Gesetzesentwurf, der noch vom Senat gebilligt werden muss. In den 60 Artikeln des sogenannten Code Noir aus dem 17. und 18. Jahrhundert steht unter anderem, dass entflohenen Sklaven die Ohren abgeschnitten werden sollen und Kinder von Sklaven automatisch dem Herrn der Mutter gehören.

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"Dies öffnet vielleicht den Weg für Reparationszahlungen", sagte der aus Guadeloupe stammende Abgeordnete Max Mathiasin, der das Gesetz eingebracht hatte. Die Abschaffung des "Code Noir" sei eine "bedeutende symbolische und politische Geste", betonte er. Die ehemalige Kolonie Guadeloupe ist heute eines der französischen Überseegebiete.

Der "Code Noir" gelte schon seit langem nicht mehr, "aber seine Auswirkungen sind bis heute spürbar", sagte die Ministerin für Überseegebiete, Naïma Moutchou.

Der Grünen-Abgeordnete Steevy Gustave erwähnte, dass er selber einer Sklavenfamilie entstamme. "Meine Urgroßmutter Bébelle war die Enkelin von Ambroise Zerambe, die als Sklavin Nummer 336 registriert war. Heute steht einer ihrer Nachkommen hier, als Abgeordneter der Republik", sagte er mit belegter Stimme.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterstützt die Abschaffung des "Code Noir" und verwies kürzlich auf die offene Frage von Reparationszahlungen. Dabei verzichtete er aber auf konkrete Ankündigungen und warnte lediglich vor "falschen Versprechungen".

Die Gesetzessammlung geht auf Jean-Baptiste Colbert, den Finanzminister des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. zurück. Sie legt auch fest, dass Herren ihre Sklaven in Ketten legen und schlagen, "aber nicht foltern" durften.

Frankreich steht beim Handel mit Sklaven nach Großbritannien und Portugal an dritter Stelle. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert deportierten französische Schiffe schätzungsweise eine Million Menschen von dem afrikanischen Kontinent in die Sklaverei, vor allem auf Plantagen in den Kolonien in der Karibik.

Während der Französischen Revolution wurde die Abschaffung der Sklaverei theoretisch beschlossen. Napoleon Bonaparte hob die Dekrete jedoch wieder auf und bestätigte die Gültigkeit des "Code Noir". Erst 1848 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft. Bewohner der ehemaligen Kolonien und Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Frankreich prangern bis heute diskriminierende Behandlung an.

(V.Korablyov--DTZ)

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