Deutsche Tageszeitung - Nach Koalitions-Aus wegen Drohnenvorfall: Lettisches Parlament stimmt für neue Regierung

Nach Koalitions-Aus wegen Drohnenvorfall: Lettisches Parlament stimmt für neue Regierung


Nach Koalitions-Aus wegen Drohnenvorfall: Lettisches Parlament stimmt für neue Regierung
Nach Koalitions-Aus wegen Drohnenvorfall: Lettisches Parlament stimmt für neue Regierung / Foto: © AFP

In Lettland hat das Parlament für eine neue Mitte-Rechts-Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Andris Kulbergs gestimmt - rund zwei Wochen nachdem die vorherige Koalition nach einem Drohnenvorfall im lettischen Luftraum auseinandergebrochen war. Eine Mehrheit von 66 Abgeordneten des 100 Sitze zählenden Parlaments votierte am Donnerstag für den 47-jährigen Kulbergs als Regierungschef. Er soll den Baltenstaat bis zur Parlamentswahl am 3. Oktober führen.

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"Die Aufgabe der Regierung ist es, die Sicherheit Lettlands zu gewährleisten. Das bedeutet, die äußere Sicherheit des Staates, die wirtschaftliche Sicherheit und die Energiesicherheit zu garantieren, aber auch das Sicherheitsgefühl der Menschen in ihrem eigenen Land", sagte Kulbergs in einer Ansprache vor der Parlamentsabstimmung.

Mitte Mai war Evika Silina als Regierungschefin zurückgetreten, nachdem sie aufgrund eines Streits über einen Drohnenvorfall Verteidigungsminister Andris Spruds entlassen hatte. Daraufhin verlor sie die Unterstützung seiner Partei, der linksgerichteten Progressiven, die ein wichtiger Partner in ihrer Koalition war.

Auslöser des Streits waren zwei ukrainische Drohnen, die am 7. Mai von Russland aus die lettische Grenze überquert hatten und in Lettland abgestürzt waren. Nach ukrainischen Angaben waren sie auf dem Weg zu Zielen in Russland und wurden von der russischen Luftabwehr abgelenkt. Eine Drohne traf ein Öllager bei Rezekne im Osten Lettlands, wo ein Brand ausbrach. Opfer gab es nicht, größere Schäden wurden nicht gemeldet.

Silina warf Spruds vor, die lettischen Abwehrsysteme gegen Drohnen seien nicht schnell genug eingesetzt worden. Ohne die neun Abgeordneten der Progressiven verlor ihre Koalition die Mehrheit im Parlament.

Die neue Koalition aus vier Parteien unter Kulbergs verfügt über eine solide Mehrheit im Parlament und dürfte einen weitgehend EU- und Nato-freundlichen Kurs verfolgen. Die Koalitionsparteien betonten, dass die Armee und die Grenzen des Landes gestärkt werden müssten. Zudem wird erwartet, dass sich Lettland unter der neuen Regierung weiterhin solidarisch mit der von Russland angegriffenen Ukraine zeigt.

Lettland war früher eine Sowjetrepublik und ist heute Mitglied von Nato und EU. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 sind in Lettland sowie den benachbarten Baltenstaaten Estland und Litauen bereits mehrfach ukrainische und russische Drohnen abgestürzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Lettland Hilfe bei der Verstärkung seiner Luftabwehr angeboten.

(V.Sørensen--DTZ)

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