Deutsche Tageszeitung - Französischer Soziologe und Philosoph Edgar Morin im Alter von 104 Jahren gestorben

Französischer Soziologe und Philosoph Edgar Morin im Alter von 104 Jahren gestorben


Französischer Soziologe und Philosoph Edgar Morin im Alter von 104 Jahren gestorben
Französischer Soziologe und Philosoph Edgar Morin im Alter von 104 Jahren gestorben / Foto: © AFP/Archiv

Der französische Soziologe und Philosoph Edgar Morin ist tot. Der weltweit bekannte Intellektuelle starb am Freitag im Alter von 104 Jahren, wie seine Ehefrau Sabah Abouessalam Morin der Nachrichtenagentur AFP am Samstag mitteilte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Morin im Onlinedienst X als Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland, Schriftsteller und "Denker des Jahrhunderts". Er sei "die Verkörperung des Humanismus" gewesen, schrieb Macron m Onlinedienst X.

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"Bis zu seinen letzten Tagen blieb Edgar Morin aufmerksam gegenüber der Welt, seinen Mitmenschen und den großen menschlichen Fragen, die sein Denken nährten", erklärte seine Ehefrau.

Bekannt wurde Morin vor allem mit seinem Konzept des "komplexen Denkens". Er wollte nach eigener Darstellung das verbinden, "was in unserer gewöhnlichen Wahrnehmung nicht verbunden ist", und so der "Komplexität des Wirklichen" gerecht werden. Der politisch links geprägte Autor verstand sich selbst als "Wilderer des Wissens" und wandte sich gegen eine harte Abgrenzung der wissenschaftlichen Disziplinen.

Morin wurde am 8. Juli 1921 als Edgar Nahoum in Paris in eine jüdische Familie aus der griechischen Hafenstadt Thessaloniki geboren. 1941 trat er der Kommunistischen Partei bei und schloss sich unter dem Decknamen Morin der Résistance gegen die deutsche Besatzung an. Sein erstes Buch erschien 1946 unter dem Titel "L'An zéro de l'Allemagne", auf Deutsch wurde es als "Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland" veröffentlicht.

1959 erregte Morin mit "Autocritique" Aufmerksamkeit, in dem er seine Blindheit gegenüber dem Stalinismus und seinen Ausschluss aus der Kommunistischen Partei reflektierte. Später wurde er zu einem Wegbereiter einer "Soziologie der Gegenwart" und befasste sich unter anderem mit Kino, Technik, Sport, Jugend und ökologischen Fragen. Zu seinen wichtigsten Werken zählt die sechsbändige Reihe "La méthode" (1977-2004). Morin schrieb rund 40 Bücher, die vielfach übersetzt wurden, und erhielt Ehrendoktorwürden von 38 ausländischen Universitäten.

(V.Sørensen--DTZ)

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