Deutsche Tageszeitung - Kolumbien: Präsidentenstichwahl zwischen rechtsgerichtetem De la Espriella und linkem Cepeda

Kolumbien: Präsidentenstichwahl zwischen rechtsgerichtetem De la Espriella und linkem Cepeda


Kolumbien: Präsidentenstichwahl zwischen rechtsgerichtetem De la Espriella und linkem Cepeda
Kolumbien: Präsidentenstichwahl zwischen rechtsgerichtetem De la Espriella und linkem Cepeda / Foto: © AFP

Bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien haben es der rechtsgerichtete Kandidat und Trump-Anhänger Abelardo de la Espriella und sein linker Mitbewerber Iván Cepeda in die Stichwahl geschafft. In der ersten Runde kam De la Espriella am Sonntag laut Wahlbehörde auf überraschend starke 44 Prozent der Stimmen, der als Favorit gesetzte Cepeda landete mit 41 Prozent auf Platz zwei. Der Wahlkampf hatte im Zeichen der schlechten Sicherheitslage im Land gestanden.

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Da weder De la Espriella noch Cepeda in der ersten Runde mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erreichten, ziehen beide nun in die Stichwahl am 21. Juni ein. Dann entscheidet sich, wer auf den scheidenden Amtsinhaber Gustavo Petro folgt, dem ersten linken Präsidenten in der Geschichte des südamerikanischen Landes. Petro durfte laut Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit antreten.

De la Espriellas Ergebnis fiel stärker aus als erwartet. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse sagte er in einer leidenschaftlichen Rede: "Ich werde mich für Kolumbien umbringen, falls es nötig ist". Dabei trug der 47-Jährige ein Trikot der kolumbianischen Fußball-Nationalmannschaft. In einem Video sagte er: "Wir werden die Geschichte Kolumbiens für immer verändern."

Der von Petro unterstützte Cepeda, der als Favorit ins Rennen gegangen war, stellte die Genauigkeit der Wahlergebnisse in Frage, bezeichnete den Urnengang aber nicht als manipuliert. Der 63-Jährige versprach, die "faschistische extreme Rechte" in der zweiten Runde zu schlagen. Seinen Rivalen De la Espriella brachte er mit organisierter Kriminalität und "Plutokraten" in Verbindung.

Mehrere andere Kandidaten landeten weit abgeschlagen hinter De la Espriella und Cepeda. Die rechtsgerichtete Senatorin Paloma Valencia kam auf weniger als sieben Prozent.

De la Espriella bezeichnet sich selbst als "Der Tiger". Der Millionär inszeniert sich als politischer Außenseiter, der alle Regeln sprengen will. Vorbild des Sängers und Modeunternehmers ist US-Präsident Donald Trump.

Im Wahlkampf trat De la Espriella hinter kugelsicherem Glas auf und versprach ein unerbittliches Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen. Als Präsident wolle er mit Unterstützung der USA mit Luftangriffen gegen Kämpfer vorgehen, kündigte er im Wahlkampf in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP an.

Der Menschenrechtsanwalt und Philosoph Cepeda will hingegen nach eigener Aussage den Kurs des "vollständigen Friedens" des scheidenden linken Präsidenten Petro fortsetzen und Friedensgespräche führen. Er werde in soziale Programme investieren und den Staat "in den Dienst" der "Ausgeschlossenen" stellen, versprach der von Petro unterstützte Cepeda in der Abschlusskundgebung des Wahlkampfs.

Während Petros vierjähriger Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit, der Mindestlohn stieg um 75 Prozent, und es wurde mehr Geld für die Bildung ausgegeben. Doch trotz Verhandlungen der Regierung mit den Guerilla- und paramilitärischen Gruppen verschlechterte sich die Sicherheitslage deutlich. Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten, an denen neben der Armee und linken Guerillagruppen auch rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind.

Auch der Wahlkampf war von Gewalt überschattet, unter anderem wurden mehrere Anschläge mit Autobomben und Drohnen verübt. Im Juni 2025 wurde der rechtsgerichtete Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe ermordet. Auch zahlreiche Gemeindevorsteher und Zivilisten wurden getötet.

Kritiker machen Petros Politik für die zunehmende Gewalt verantwortlich. Catalina Devia, eine 42-jährige leitende Angestellte, die für De la Espriella stimmte, sagte, Petros Regierung habe "bewaffnete Gruppen wirklich gestärkt, indem sie so sanft war".

Cepedas Anhänger wiederum hoffen, dass der Zweitplatzierte in der Stichwahl auf Platz eins landen werde. Die 59-jährige Gloria Terranova sagte, die Wähler hätten nun die Wahl zwischen "radikalen Extremen". Die Cafébesitzerin fügte hinzu: "Eine Seite will Frieden, die andere will Krieg."

(Y.Ignatiev--DTZ)

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