Deutsche Tageszeitung - Tunesien: Oppositionsführer Ghannouchi erneut zu langjähriger Haft verurteilt

Tunesien: Oppositionsführer Ghannouchi erneut zu langjähriger Haft verurteilt


Tunesien: Oppositionsführer Ghannouchi erneut zu langjähriger Haft verurteilt
Tunesien: Oppositionsführer Ghannouchi erneut zu langjähriger Haft verurteilt / Foto: © AFP/Archiv

Der bereits inhaftierte tunesische Oppositionsführer Rached Ghannouchi ist erneut zu langjähriger Haft verurteilt worden. Ghannouchi und weitere führende Politiker seiner islamistischen Ennahdha-Partei wurden am Dienstag verurteilt, da sie einen "geheimen Sicherheitsapparat" im Dienst ihrer Partei aufgebaut hätten, die die Wahlen nach der Revolution in dem nordafrikanischen Land im Jahr 2011 gewonnen hatte, wie es am Dienstag in tunesischen Medienberichten hieß, die von der Ennahdha-Partei bestätigt wurden.

Textgröße ändern:

Ghannouchi wurde tunesischen Medien zufolge zu 30 Jahren Haft sowie zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Partei bestätigt dies. Der pensionierte Offizier Kamel ben Bedoui erhielt den Berichten zufolge ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie weitere 32 Jahre Haft. Der frühere Regierungschef Ali Laarayedh wurde demnach zu 42 Jahren Haft verurteilt. Die Strafen für andere Ennahdha-Politiker rangierten von zehn Jahren bis zu lebenslanger Haft.

Ghannouchi ist der prominenteste unter den in Haft sitzenden politischen Gegnern von Staatschef Kais Saied, unter ihnen Ex-Minister, Geschäftsleute und Gewerkschafter. Er war zunächst 2023 wegen Vorwürfen des "Terrorismus" verurteilt worden, danach kamen noch mehrere weitere Verurteilungen hinzu. Insgesamt beliefen sich seine Haftstrafen vor seiner erneuten Verurteilung am Dienstag bereits auf mehr als 40 Jahre.

Die Ennahdha-Partei stellte die meisten Abgeordneten im tunesischen Parlament, bis Präsident Saied im Juli 2021 mithilfe eines Notstandsartikels der Verfassung den bisherigen Regierungschef Hichem Mechichi absetzte und die Arbeit des Parlaments unter dem Vorsitz von Ennahdha-Chef Ghannouchi aussetzte.

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

EU-Verteidigungsminister beraten über Unterstützung der Ukraine und Weltraumstrategie

Die Verteidigungsministerinnen und Verteidigungsminister der EU beraten am Dienstag im irischen Wicklow über die weitere Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkrieg gegen Russland (09.30 Uhr MESZ). Dabei wird es unter anderem um die Zusammenarbeit mit der ukrainischen Rüstungsindustrie gehen. Auch die Zukunft der EU-Mission Eumam zur Ausbildung ukrainischer Soldaten soll besprochen werden.

G20-Treffen: Klingbeil irritiert über Teilnahme Russlands - Weißes Haus verteidigt Einladung

Erstmals seit gut vier Jahren haben die USA Russland die Teilnahme an einem G20-Finanzministertreffen ermöglicht und damit Protest bei Deutschland und anderen europäischen Partnern hervorgerufen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) äußerte sich am Montag am Rande der Beratungen in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina irritiert über das US-Vorgehen. Er habe zusammen mit anderen Europäern ein Foto mit dem russischen Finanzminister Anton Siluanow boykottiert, sagte Klingbeil.

Dänemark eröffnet Botschaft in Damaskus wieder

Dänemark hat seine Botschaft in Syrien wieder eröffnet. Die Zeremonie fand im Beisein des dänischen Außenministers Lars Lökke Rasmussen und seines syrischen Kollegen Assaad al-Schaibani statt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Montag. Wegen des syrischen Bürgerkriegs war die Botschaft 14 Jahre lang geschlossen gewesen.

Früherer französischer Premierminister Édouard Balladur gestorben

Der frühere französische Premierminister Édouard Balladur ist tot. Wie seine Familie der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, starb Balladur am Montag im Alter von 97 Jahren in Paris. Für ihn werde eine Trauermesse "im engsten Familienkreis" abgehalten. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Textgröße ändern: