Deutsche Tageszeitung - Ukrainische Drohnen treffen St. Petersburg vor Beginn von internationalem Wirtschaftsforum

Ukrainische Drohnen treffen St. Petersburg vor Beginn von internationalem Wirtschaftsforum


Ukrainische Drohnen treffen St. Petersburg vor Beginn von internationalem Wirtschaftsforum
Ukrainische Drohnen treffen St. Petersburg vor Beginn von internationalem Wirtschaftsforum / Foto: © AFP

Kurz vor Beginn des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg sind nach Behördenangaben Energie- und Militäranlagen in der russischen Stadt von ukrainischen Drohnen angegriffen worden. "Mehrere" Infrastruktureinrichtungen seien am Mittwoch beschädigt worden, teilte Gouverneur Alexander Beglow mit. Kiew zufolge zielten die Angriffe darauf ab, die für Moskau bedeutsame mehrtägige Veranstaltung zu stören, bei der Russlands Präsident Wladimir Putin und Vertreter seiner engsten Verbündeten erwartet wurden.

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Bei den Drohnenangriffen sei niemand getötet worden, erklärte St. Petersburgs Gouverneur Beglow. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden das Ölterminal der Stadt sowie der Militärstützpunkt Kronstadt getroffen. Selenskyj veröffentlichte in Onlinediensten ein Video mit Bildern von einem brennenden Öllager.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, vom Gelände des Wirtschaftsforums aus sei Rauch zu sehen gewesen, während Teilnehmer zu den ersten Veranstaltungen eintrafen. Ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, Serhij Sternenko, schrieb zu einem von ihm veröffentlichten Video: "Das Petersburger Forum eröffnet mit einer hübschen schwarzen Rauchfahne im Hintergrund nach ukrainischen Angriffen."

Der größte Flughafen von St. Petersburg stellte in der Nacht wegen der Angriffe für mehrere Stunden seinen Betrieb ein. Mehrere Flüge von der Hauptstadt Moskau nach St. Petersburg verspäteten sich, wie ein AFP-Reporter am Moskauer Flughafen Scheremetjewo feststellte.

Die Angriffe waren die jüngsten in einer Reihe von Attacken, die Kiew als "Langstrecken-Sanktionen" bezeichnet. "Der ukrainische Plan für Langstrecken-Sanktionen wird genau so umgesetzt, wie es nötig ist, um den Frieden näherzubringen", erklärte Selenskyj. Die Ukraine hatte zuletzt ihre Angriffe auf die russische Öl- und Energieinfrastruktur verstärkt. Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen.

Bei dem bis Samstag andauernden Wirtschaftsforum in St. Petersburg werden insgesamt rund 20.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Präsident Putin soll am Freitag eine Rede halten. Zudem werden Vertreter von russischen Verbündeten erwartet, etwa die Präsidenten Usbekistans und Tansanias, außerdem Minister aus Kuba, Belarus, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Eingeladen wurde auch die rechtsgerichtete US-Aktivistin Candace Owens und der von Putin mit einem Orden ausgezeichnete US-Schauspieler Steven Seagal.

Aus Deutschland reisen in diesem Jahr auch zwei Bundestagsabgeordnete der in Teilen als rechtsextrem eingestuften AfD nach St. Petersburg, Markus Frohnmaier und Steffen Kotré. Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion sagte, es sei sinnvoll, Kontakte mit allen Seiten zu pflegen sowie Gesprächskanäle offenzuhalten. Auch deutsche Unternehmer sind dabei, was in Berlin auf Kritik stieß. Dazu zählen laut "Handelsblatt" der Globus-Gesellschafter Thomas Bruch und der Unternehmer Stefan Dürr, der seit vielen Jahren in Russland als Milchproduzent aktiv sei und auch die russische Staatsbürgerschaft besitze.

Der Wirtschaftsbeauftragte des Kremls, Kirill Dmitriew, erklärte, die Veranstaltung in St. Petersburg sei ein Treffen "souveräner Länder". Gleichzeitig wetterte er gegen "globalistische" Veranstaltungen wie das jährliche Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos.

Das St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) wird seit 1997 jährlich von der russischen Regierung veranstaltet. Nach eigener Darstellung ist es eine Plattform für den "Dialog zwischen Geschäftskreisen aus Russland, aufstrebenden Märkten und der ganzen Welt".

In der Vergangenheit galt die Veranstaltung als die wichtigste in Russland zum Werben um westliche Investoren und Unternehmen. Zahlreiche westliche Politiker waren früher zu Gast, darunter die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

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