Deutsche Tageszeitung - Ukraine greift St. Petersburg an - Rutte zu Solidaritätsbesuch in Kiew

Ukraine greift St. Petersburg an - Rutte zu Solidaritätsbesuch in Kiew


Ukraine greift St. Petersburg an - Rutte zu Solidaritätsbesuch in Kiew
Ukraine greift St. Petersburg an - Rutte zu Solidaritätsbesuch in Kiew / Foto: © AFP

Die Ukraine hat kurz vor dem Start eines internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg Energie- und Militäranlagen in der zweitgrößten russischen Stadt angegriffen. Laut Gouverneur Alexander Beglow wurden mehrere Infrastruktureinrichtungen beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Attacken am Mittwoch bei einem Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Kiew als "gerecht". Rutte lobte die Ukraine dafür, dass sie "standhaft" bleibe, während Russland "immer verzweifelter" werde.

Textgröße ändern:

Wie der Petersburger Gouverneur mitteilte, trafen die ukrainischen Angriffe Energie- und Militäranlagen in St. Petersburg, darunter ein Ölterminal und den Militärstützpunkt Kronstadt. Der Kreml kündigte Reaktionen "systemischer Natur" an.

Selenskyj bezeichnete die Angriffe als Teil der "Langstrecken-Sanktionen", die sein Land gegen Russland verhänge - und als Reaktion auf die massive russische Angriffswelle auf die Ukraine in der Nacht zum Dienstag. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir unsere Gegenmaßnahmen verstärken können", sagte Selenskyj.

Russische Behörden meldeten zudem ukrainische Drohnenangriffe auf mehrere Regionen und die annektierte Krim. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau fing die Luftabwehr in der Nacht zum Mittwoch 354 ukrainische Drohnen ab.

In der von Russland besetzten Region Donezk in der Ostukraine wurden nach Angaben der von Moskau eingesetzten Behörden bei einem Drohnenangriff auf einen Bus sieben Menschen getötet. Bei einem russischen Drohnenangriff auf die ukrainisch kontrollierte Stadt Cherson wurde ukrainischen Angaben zufolge eine 86-jährige Frau getötet.

Nato-Generalsekretär Rutte äußerte sich bei seinem Besuch in Kiew lobend über das Vorgehen der Ukraine. "Während die Ukraine weiterhin standhaft bleibt, neue Wege beschreitet und auf dem Schlachtfeld Geländegewinne erzielt, ist Russland zunehmend verzweifelt", sagte Rutte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Selenskyj. Er habe mit dem ukrainischen Präsidenten darüber gesprochen, wie es "der Ukraine gelingt, die Dynamik auf dem Schlachtfeld zu verändern".

Rutte sagte zudem, Russland erleide "erhebliche Verluste" und die Wirtschaft des Landes sei "schweren Spannungen ausgesetzt". Dennoch gebe es "keinerlei Anzeichen" für ein Ende des Kriegs. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, ertönte kurz nach der Pressekonferenz Luftalarm in Kiew.

Der ukrainische Bahnbetreiber Ukrsalisnyzja hatte am Mittwochvormittag Bilder von Ruttes Ankunft am Bahnhof in Kiew veröffentlicht. Der Nato-Generalsekretär besuchte rund einen Monat vor dem Nato-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara die Ukraine.

Das Bündnis bemüht sich darum, die Unterstützung für Kiew im Abwehrkrieg gegen Russland aufrechtzuerhalten. Dabei geht es unter anderem um den Kauf und die Weitergabe von US-Waffen für die Ukraine über den sogenannten Purl-Mechanismus. Weitere Themen sind die finanzielle Unterstützung für weitere Waffenkäufe und die Rüstungsproduktion.

Selenskyj fordert von den Nato-Mitgliedstaaten insbesondere mehr Munition für Patriot-Systeme aus den USA. Diese sind aus ukrainischer Sicht besonders wichtig, um russische ballistische Raketen abzufangen.

Russland greift die Ukraine regelmäßig massiv aus der Luft an. Alleine in der Nacht zum Mittwoch wurden laut örtlichen Behörden in frontnahen Gebieten mindestens fünf Menschen und am Tag drei weitere Menschen getötet. Bei einer russischen Angriffswelle mit Raketen und Drohnen in der Nacht zum Dienstag waren nach jüngsten Angaben mindestens 23 Menschen getötet worden.

Die russische Armee hatte ihre Luftangriffe auf die Ukraine zuletzt deutlich ausgeweitet. Im Mai griff Russland das Land nach einer AFP-Auswertung ukrainischer Luftwaffendaten mit einer Rekordzahl von 8150 Langstreckendrohnen an, das waren 24 Prozent mehr als im April. Die ukrainische Luftwaffe fing demnach rund 90 Prozent der anfliegenden Drohnen und Raketen ab, hat aber weiterhin Schwierigkeiten beim Abschuss ballistischer Raketen.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

US-Regierung billigt Patriot-Verkauf - Selenskyj warnt vor langen Lieferfristen

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat grünes Licht für den Verkauf von 500 Patriot-Abfangraketen an die Ukraine gegeben. "Der vorgeschlagene Verkauf wird die Fähigkeit der Ukraine verbessern, aktuellen und zukünftigen Bedrohungen zu begegnen, indem er ihre integrierten Luft- und Raketenabwehrkapazitäten stärkt", erklärte das US-Außenministerium am Freitag in Washington. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte die Entscheidung, warnte jedoch vor einem Lieferbeginn erst in einigen Jahren.

Neue Proteste in Frankreich - Furcht vor Ausschreitungen

In ganz Frankreich sind für Samstag neue Proteste gegen gestiegene Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungswesen angekündigt. Landesweit sind rund 150 Demonstrationen geplant. Die Behörden befürchten erneut schwere Ausschreitungen und mobilisierten 70.000 Polizisten. Das Umfeld von Innenminister Laurent Nuñez warnt vor "Vorfällen städtischer Gewalt vergleichbar mit jenen am 17. Oktober".

Bundesweite Jugendproteste geplant - Forderung nach bezahlbarem Leben

In bundesweiten Kundgebungen wollen junge Menschen am Samstag für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben auf die Straße gehen. In den vier Großstädten Berlin, Köln, Frankfurt und München veranstaltet die Gruppierung "GenZ regelt!" eigene Kundgebungen, in 30 weiteren Städten können sich Interessenten örtlichen Initiativen anschließen. Sie fordern von der Politik ein stärkeres Eintreten für die Belange junger Menschen. Die Veranstalter rufen zur Gewaltfreiheit auf.

Parteitag der Linken in Berlin entscheidet über Koalitionsverhandlungen

Die Berliner Linke will am Samstag (10.00 Uhr) auf einem Parteitag über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD entscheiden. Sollten die Wahlsieger der Linken sich erwartungsgemäß für die Verhandlungen entscheiden, könnten sechs Wochen nach der Wahl die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung beginnen. Grüne und SPD haben bereits für Koalitionsverhandlungen gestimmt.

Textgröße ändern: