Deutsche Tageszeitung - Hegseth nutzt D-Day-Gedenken für Breitseite gegen europäische Verbündete

Hegseth nutzt D-Day-Gedenken für Breitseite gegen europäische Verbündete


Hegseth nutzt D-Day-Gedenken für Breitseite gegen europäische Verbündete
Hegseth nutzt D-Day-Gedenken für Breitseite gegen europäische Verbündete / Foto: © AFP

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat das D-Day-Gedenken in Frankreich für eine Breitseite gegen die europäischen Verbündeten genutzt. Bei einer Rede am Samstag stellte er eine Verbindung her zwischen der Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie im Juni 1944 und illegaler Migration in EU-Staaten. Die Frage sei, ob Europas Regierungen "gegen diese Invasion" vorgingen oder ob es schon "zu spät" sei, sagte er. Einer gemeinsamen Gedenkfeier blieb Hegseth fern.

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Hegseth hatte am Freitag kurzfristig seine Teilnahme an der gemeinsamen Gedenkfeier am Samstagnachmittag abgesagt. Stattdessen sprach er am 82. Jahrestag des D-Days auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer im Norden Frankreichs. Die Landung der Alliierten an den Stränden der Normandie hatte entscheidend zum Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg beigetragen. Hegseth stellte nun einen Bezug zur derzeitigen Migration her, die nach Darstellung der Regierung von Donald Trump die "westliche Zivilisation" bedroht.

"Leider werden heute verschiedene europäische Strände von verschiedenen gefährlichen Ideologien gestürmt", sagte Hegseth in seiner Rede. "An den Stränden Spaniens, Italiens, Griechenlands und Bulgariens landen Boote und Menschen", sagte der US-Minister. "Wann werden die Hauptstädte Europas etwas gegen diese Invasion machen? Oder ist es zu spät?", fügte Hegseth hinzu.

Der Pentagonchef sagte in seiner Rede auf dem Soldatenfriedhof, dass "Frieden nur durch Stärke garantiert wird". Auf die Kriege im Iran, in der Ukraine oder anderen Regionen der Welt ging er nicht ein. Die europäischen Nato-Partner rief Hegseth erneut zu einem Ausbau ihrer eigenen Verteidigungsfähigkeiten auf. "Amerika muss den Weg weisen, und das werden wir tun, aber unsere Verbündeten müssen Schulter an Schulter mit uns stehen", sagte er. Bei der Veranstaltung in Colleville-sur-Mer war Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin anwesend.

Über die Alliierten im Zweiten Weltkrieg sagte der US-Verteidigungsminister, damals habe jeder Partner "sein volles Maß an Fleiß, Mut und Opferbereitschaft" eingebracht. Damals habe es "keine hohlen Phrasen oder pompöse Gipfeltreffen" gegeben. Alle Verbündeten hätten "ihren Beitrag geleistet, jede Nation hat Opfer gebracht", sagte der Pentagon-Chef. Er sprach vor den 9387 weißen Kreuzen der Gräber von US-Soldaten, die am Strand Omaha Beach im Kampf getötet worden waren.

Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu würdigte bei der internationalen Gedenkfeier die "3000 Männer, kaum 20 Jahre alt", die am Tag der Landung der Alliierten gestorben seien und "die Kraft ihrer Jugend und ihr Leben" geopfert hätten. Zugleich betonte er die "Widerstandskraft" Großbritanniens während des Krieges und "das amerikanische Volk, dieses große Volk, Freund der Freiheit". An der Gedenkfeier nahmen auch Veteranen aus den USA und der britische Verteidigungsminister John Healey teil.

Offenbar vor dem Hintergrund der Aufrufe der USA an Europa, mehr für die eigene Verteidigung zu tun, rief Lecornu dazu auf, die "Herausforderung unserer Generation" anzunehmen - "unsere Autonomie, unsere Fähigkeit, uns selbst zu verteidigen", auszubauen, um sich den "Bedrohungen" zu stellen, "die näherkommen, stärker und mehr werden".

Der Militärattaché der deutschen Botschaft in Frankreich, Markus Reinhardt, bezeichnete den 6. Juni als "Tag der Dankbarkeit" gegenüber den Soldaten der Alliierten unterschiedlicher Sprache und Herkunft, die es ermöglicht hätten, dass der europäische Kontinent seine Freiheit zurückerlangte.

Die Landung in der Normandie, an der knapp 7000 Schiffe und gut 132.000 Soldaten aus Großbritannien, Kanada, den USA, Belgien, Norwegen und Polen beteiligt waren, eröffnete im Westen eine zweite Front gegen die Wehrmacht. Das Vorgehen trug entscheidend zum Sieg über Nazi-Deutschland bei.

(M.Travkina--DTZ)

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