Deutsche Tageszeitung - Israel und Iran überziehen sich erstmals seit Waffenruhe mit gegenseitigen Angriffen

Israel und Iran überziehen sich erstmals seit Waffenruhe mit gegenseitigen Angriffen


Israel und Iran überziehen sich erstmals seit Waffenruhe mit gegenseitigen Angriffen
Israel und Iran überziehen sich erstmals seit Waffenruhe mit gegenseitigen Angriffen / Foto: © AFP

Israel und der Iran haben sich erstmals seit Beginn der brüchigen Waffenruhe vor zwei Monaten wieder mit gegenseitigen Angriffen überzogen. Israel nahm am Montag als Reaktion auf iranische Raketenangriffe Ziele im Iran ins Visier - und setzte sich damit über die Aufforderung von US-Präsident Donald Trump hinweg, von Vergeltungsmaßnahmen für Attacken aus dem Iran abzusehen. 100 Tage nach Kriegsbeginn droht ungeachtet der Bemühungen Trumps um eine Verhandlungslösung eine neue Eskalation.

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Der Iran hatte am Sonntag erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe Anfang April wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Als Grund gaben die iranischen Revolutionsgarden israelische Luftangriffe auf Viertel von Beirut im Libanon an, die als Hochburgen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten. Am Montagmorgen folgten nach israelischen Angaben weitere iranische Raketensalven. Die Luftabwehr sei im Einsatz, um "die Bedrohung abzufangen", erklärte die israelische Armee.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mehreren Explosionen über Jerusalem, zuvor war Luftalarm ausgelöst worden. Nach Angaben eines israelischen Militärvertreters feuerte der Iran seit Sonntagabend fast 30 Raketen auf Israel ab.

Der Iran erklärte, er habe die Luftwaffenstützpunkte Nevatim in Südisrael und Tel Nof südlich von Tel Aviv angegriffen. Die mit Teheran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen verübten ebenfalls Raketenangriffe auf Israel. Zudem erklärte die Miliz, sie habe ein "vollständiges Verbot der israelischen Schifffahrt im Roten Meer" verhängt.

Die israelische Luftwaffe hatte am Montagmorgen als Reaktion auf den Beschuss aus dem Iran nach Armeeangaben "militärische Ziele des iranischen Terrorregimes im Westen und im Zentrum des Iran angegriffen".

Das iranische Staatsfernsehen berichtete von "mehreren" Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Täbris und Isfahan. Später folgte ein israelischer Luftangriff auf einen petrochemischen Komplex in Mahschahr im Südwesten des Iran. Nach iranischen Angaben wurde eine Produktionsstätte dabei beschädigt. Der Iran meldete später einen Vergeltungsangriff auf eine petrochemische Anlage in der israelischen Hafenstadt Haifa.

Bei weiteren Luftangriffen auf den Iran wurden nach Angaben der israelischen Armee "strategische Verteidigungssysteme" in verschiedenen Regionen des Landes zerstört. Am Vormittag erschütterte eine weitere Explosion das Stadtzentrum von Teheran. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr wurde über der iranischen Hauptstadt auch eine "feindliche" Drohne abgeschossen.

US-Präsident Trump hatte dem Nachrichtenportal "Axios" zufolge am Sonntag versucht, Israels Regierungschef Netanjahu von Gegenangriffen auf den Iran abzuhalten. "Ich werde Bibi sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll", sagte Trump unter Verwendung des Spitznamens von Netanjahu laut dem "Axios"-Journalisten Barak Ravid, der eigenen Angaben zufolge mit Trump telefonierte.

"Ich habe das Sagen", betonte Trump in einem Interview mit der "Financial Times". "Er hat nicht das Sagen", fügte er mit Blick auf Netanjahu hinzu.

Der US-Präsident rief auch die Führung in Teheran zur Zurückhaltung auf. In einem Interview mit dem Sender Fox News sagte Trump an den Iran gerichtet: "Ihr habt eure Raketen abgefeuert, es reicht jetzt, kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schließt ein Abkommen."

Teheran machte die USA für das Wiederaufflammen der Kampfhandlungen mitverantwortlich. Israel ergreife keine Maßnahmen "ohne vorherige Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Bakaei. Die indirekten Gespräche mit den USA unter Vermittlung Pakistans würden fortgesetzt, auch wenn die Verhandlungen durch die jüngsten Angriffe auf sein Land "beeinträchtigt" würden.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte die jüngsten Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran. "Ich denke, die Region braucht keine weitere Eskalation", sagte Kallas vor einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Nikosia. Stattdessen sollten sich die Kriegsparteien "an den Verhandlungstisch setzen und eine Einigung erzielen".

Auch China rief Israel und den Iran zur Zurückhaltung auf. Die Waffenruhe müsse von allen Konfliktparteien eingehalten werden, sagte Außenamtssprecher Lin Jian in Peking.

Der Iran, der die Hisbollah im Libanon politisch und finanziell unterstützt, besteht darauf, den Libanon in ein mögliches Abkommen mit den USA zur Beendigung des Krieges einzubeziehen. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge galt der israelische Luftangriff dem Gebiet Mreijeh am südlichen Stadtrand von Beirut. Dabei wurden demnach zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt.

Netanjahu erklärte am Sonntag, die Armee habe "als Reaktion auf den Beschuss israelischen Gebiets durch die Hisbollah eine Kommandozentrale der Milz im Beiruter Stadtteil Dahijeh angegriffen". Die iranischen Streitkräfte warfen Israel vor, mit dem Angriff "alle roten Linien überschritten" zu haben.

Die jüngsten Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran trieben den Ölpreis am Montag um rund fünf Prozent in die Höhe.

(A.Stefanowych--DTZ)

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