Deutsche Tageszeitung - Iranische Armee erklärt nach gegenseitigen Angriffen Einsatz gegen Israel für beendet

Iranische Armee erklärt nach gegenseitigen Angriffen Einsatz gegen Israel für beendet


Iranische Armee erklärt nach gegenseitigen Angriffen Einsatz gegen Israel für beendet
Iranische Armee erklärt nach gegenseitigen Angriffen Einsatz gegen Israel für beendet / Foto: © AFP

Nach den ersten gegenseitigen Angriffen seit Beginn einer Waffenruhe Anfang April hat die iranische Armee ihren Militäreinsatz gegen Israel für beendet erklärt. Der Iran habe Israel eine "schmerzhafte Antwort" gegeben, und "dementsprechend ist hiermit die Einstellung der Armee-Einsätze verkündet", gab die Armee am Montag im Staatsfernsehen bekannt. Zugleich warnte sie vor noch härteren Maßnahmen, sollte Israel weiter angreifen. US-Präsident Donald Trump forderte beide Seiten auf, die Angriffe zu beenden.

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Es würden noch "härtere und vernichtendere Maßnahmen" ergriffen, sollten die Angriffe durch Israel auch auf den Süden des Libanon fortgesetzt werden, erklärte die iranische Armeeführung.

Kurz darauf fing die israelische Armee drei aus dem Libanon kommende Geschosse ab, wie ein AFP-Journalist nahe der Grenze berichtete. Die israelische Armee bestätigte, dass die Geschosse auf im Südlibanon eingesetzte israelische Soldaten abgefeuert worden waren.

Weder die israelische noch die iranische Seite meldeten nach den jüngsten Angriffen zunächst Todesopfer.

Der Iran hatte am Sonntagabend erstmals seit Inkrafttreten einer brüchigen Waffenruhe Anfang April wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Als Grund gaben die iranischen Revolutionsgarden israelische Luftangriffe auf Viertel von Beirut im Libanon an, die als Hochburgen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten. Dabei wurden zwei Menschen getötet und 20 Menschen verletzt. Teheran hatte zuvor wiederholt gedroht, Israel anzugreifen, falls Beirut weiter attackiert werde.

Am Montagmorgen folgten nach israelischen Angaben weitere iranische Raketensalven. Die israelische Armee erklärte, die Luftabwehr sei im Einsatz, um "die Bedrohung abzufangen". Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mehreren Explosionen über Jerusalem, zuvor war Luftalarm ausgelöst worden. Nach Angaben eines israelischen Militärvertreters feuerte der Iran seit Sonntagabend fast 30 Raketen auf Israel ab.

Der Iran erklärte, er habe die Luftwaffenstützpunkte Nevatim in Südisrael und Tel Nof südlich von Tel Aviv angegriffen. Die mit Teheran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen verübten ebenfalls Raketenangriffe auf Israel.

Israel griff in der Nacht zum Montag als Reaktion auf die iranischen Raketenangriffe militärische Ziele im Iran an - und setzte sich damit über die Aufforderung von Trump hinweg, von Vergeltungsmaßnahmen für den Raketenbeschuss aus Teheran abzusehen. Trump hatte unmittelbar nach dem iranischen Angriff nach Angaben eines "Axios"-Journalisten erklärt, er werde Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu "sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll".

Am Montag forderte Trump dann beide Seiten auf, die Angriffe einzustellen. Die beiden Länder müssten "sofort aufhören zu schießen'", erklärte er in seinem Onlinedienst Truth Social. Beide Seiten strebten eine "sofortige Feuerpause" an. "Die abschließenden Verhandlungen über 'Frieden' laufen, vorbehaltlich der Ignoranz oder Dummheit, die ihnen in die Quere kommen könnte", erklärte der US-Präsident.

Das iranische Staatsfernsehen berichtete von "mehreren" Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Täbris und Isfahan. Später folgte ein israelischer Luftangriff auf einen petrochemischen Komplex in Mahschahr im Südwesten des Iran. Nach iranischen Angaben wurde eine Produktionsstätte dabei beschädigt.

Bei weiteren Luftangriffen auf den Iran wurden nach Angaben der israelischen Armee "strategische Verteidigungssysteme" in verschiedenen Regionen des Landes zerstört. Am Vormittag erschütterte eine neue Explosion das Stadtzentrum von Teheran.

Teheran machte die USA für das Wiederaufflammen der Kampfhandlungen mitverantwortlich. Israel ergreife keine Maßnahmen "ohne vorherige Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten", sagte Außenministeriumssprecher Esmaeil Bakaei. Die indirekten Gespräche mit den USA unter Vermittlung Pakistans würden fortgesetzt, auch wenn die Verhandlungen durch die jüngsten Angriffe auf sein Land "beeinträchtigt" würden.

Die Bundesregierung rief "den Iran auf, die Angriffe einzustellen und ernsthaft zu verhandeln", wie ein Regierungssprecher mitteilte. Gleichzeitig gelte der Appell "an alle Seiten", zu deeskalieren und eine diplomatische Lösung voranzutreiben.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte am Rande eines Ministertreffens in Nikosia: "Ich denke, die Region braucht keine weitere Eskalation". Stattdessen sollten sich die Kriegsparteien "an den Verhandlungstisch setzen und eine Einigung erzielen".

Auch China rief Israel und den Iran zur Zurückhaltung auf. Die Waffenruhe müsse von allen Konfliktparteien eingehalten werden, sagte Außenamtssprecher Lin Jian in Peking.

Der Iran, der die Hisbollah im Libanon politisch und finanziell unterstützt, besteht darauf, den Libanon in ein mögliches Abkommen mit den USA zur Beendigung des Krieges einzubeziehen. Eigentlich gilt im Libanon seit dem 17. April eine Feuerpause. Israel und die Hisbollah greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an. Die Hisbollah hatte in der vergangenen Woche einen neuen Vorstoß Israels und des Libanon für eine Waffenruhe abgelehnt.

Ein hochrangiger Hisbollah-Vertreter sagte AFP am Montag, dass die Miliz "keinen direkten Kontakt" mit der US-Regierung habe. Damit widersprach er Angaben Trumps, der in der vergangenen Woche erklärt hatte, die USA hätten im Zuge der Bemühungen um ein Ende der Kämpfe im Libanon "zum ersten Mal überhaupt" mit der von Washington als "terroristisch" eingestuften Gruppe gesprochen.

(P.Tomczyk--DTZ)

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