Deutsche Tageszeitung - Bandengewalt in Haiti: Guterres bittet um Verzeihung für internationale Untätigkeit

Bandengewalt in Haiti: Guterres bittet um Verzeihung für internationale Untätigkeit


Bandengewalt in Haiti: Guterres bittet um Verzeihung für internationale Untätigkeit
Bandengewalt in Haiti: Guterres bittet um Verzeihung für internationale Untätigkeit / Foto: © AFP

UN-Generalsekretär António Guterres hat bei einem Besuch in Haiti um Verzeihung für das internationale Versagen bei der Bekämpfung der Bandengewalt in dem armen Karibik-Staat gebeten. Bei einem Besuch in einer Schule in der Hauptstadt Port-au-Prince, die mehr als 1250 Geflüchtete beherbergt, unterhielt sich Guterres am Dienstag mit Frauen, die vor der Bandengewalt geflohen sind.

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"Ich bitte Sie um Verzeihung, nicht in der Lage gewesen zu sein, die internationale Gemeinschaft zu mobilisieren", sagte der UN-Generalsekretär den Frauen. "Wir wissen, wie viel Sie gelitten haben, ich bin vor allem hier, um Ihnen zuzuhören."

In Haiti leben nach UN-Angaben etwa 1,5 Millionen Menschen, die vor der grassierenden Gewalt geflohen sind. Die mächtigen kriminellen Banden im Land verüben Morde, Entführungen und Vergewaltigungen und zwingen Kinder, für sie zu kämpfen. Zudem ist bei fast der Hälfte der elf Millionen Einwohner die Lebensmittel-Versorgung nicht gesichert.

Das UN-Hilfsprogramm für Haiti für dieses Jahr mit einem Umfang von 880 Millionen Dollar (758 Millionen Euro) wurde laut Guterres bislang allerdings nicht einmal zu einem Viertel finanziert. "Für zu viele Haitianer ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben", sagte Guterres bei einer Pressekonferenz. "Die Welt hat nicht das Recht, den Blick abzuwenden."

Laut einem Bericht, den von der UNO beauftragte Experten im April veröffentlichten, kontrollieren die kriminellen Banden in Haiti mittlerweile bereits 90 Prozent des Landes. Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte am Montag, seit Jahresbeginn habe es durch die Bandengewalt 2300 Tote, 1100 Verletzte sowie 99 Entführungen gegeben.

Der UN-Sicherheitsrat hatte im September entschieden, die schlecht ausgerüstete und viel kritisierte Multinationale Sicherheitsunterstützungsmission in Haiti (MMAS) unter der Führung Kenias durch die robustere Gang-Bekämpfungseinheit (FRG) zu ersetzen. Das Mandat sieht bis zu 5500 Einsatzkräfte vor, darunter anders als bei der MMAS-Mission nicht nur Polizisten, sondern auch Soldaten. Derzeit sind allerdings weniger als 1000 Mann im Einsatz. Sie stammen aus dem Tschad, der Mongolei, Jamaika, Guatemala und El Salvador.

(U.Beriyev--DTZ)

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