Deutsche Tageszeitung - Lobbyarbeit gegen das eigene Land: Hafturteil gegen Sohn von Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro

Lobbyarbeit gegen das eigene Land: Hafturteil gegen Sohn von Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro


Lobbyarbeit gegen das eigene Land: Hafturteil gegen Sohn von Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro
Lobbyarbeit gegen das eigene Land: Hafturteil gegen Sohn von Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro / Foto: © AFP/Archiv

Brasiliens Oberster Gerichtshof hat den Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Javier Bolsonaro und Bruder des Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro in Abwesenheit zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Wie Brasiliens Oberstes Gericht am Dienstag erklärte, hatte der mittlerweile in den USA lebende EX-Abgeordnete Eduardo Bolsonaro versucht, die USA angesichts des Umsturz-Verfahrens gegen seinen Vater zu Sanktionen gegen Brasilien zu bewegen. Auch Jair Bolsonaro ist weiter im Visier des Gerichts.

Textgröße ändern:

Die gut vierjährige Haftstrafe könne Eduardo Bolsonaro im offenen Vollzug verbüßen, verfügte das Gericht. Das Urteil sieht überdies vor, dass der 41-Jährige nach Verbüßung seiner Strafe acht Jahre lang nicht für öffentliche Ämter kandidieren darf. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

"Es ist nicht die Aufgabe eines nationalen brasilianischen Abgeordneten, im Ausland Lobbyarbeit gegen sein eigenes Land zu betreiben", begründete Richter Alexandre de Moraes das Urteil. Eduardo Bolsonaro hatte demnach mit seinem Einsatz für US-Sanktionen gegen das eigene Land "die Justizbehörden und Vertreter anderer Regierungsstellen bedroht" für den Fall, dass sein Vater verurteilt wird.

Das Oberste Gericht Brasiliens hatte Ex-Staatschef Jair Bolsonaro im September wegen eines geplanten Umsturzes zu gut 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde schuldig gesprochen, eine "kriminelle Organisation" angeführt zu haben, um seine 2022 erlittene Wahlniederlage gegen seinen linksgerichteten Nachfolger Luiz Inácio Lula da Silva zu kippen.

Wegen des Prozesses gegen seinen Vater nahm Eduardo Bolsonaro Kontakt mit US-Behörden und konservativen politischen Kreisen des Landes auf, um für Unterstützung für seinen Vater zu werben. Die Bemühungen hatten zunächst Erfolg: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump verhängte 2025 Zölle in Höhe von 40 Prozent gegen brasilianische Produkte und begründete dies mit einer "Hexenjagd" gegen Jair Bolsonaro.

Die Zölle wurden nach einem Treffen von Trump mit Lula Ende Oktober aber größtenteils wieder gestrichen ebenso wie finanzielle Sanktionen der USA gegen den brasilianischen Obersten Richter Moraes.

Eduardo Bolsonaro kritisierte das Urteil gegen ihn als politisch motiviert. "Der wirkliche Zweck dieses sinnlosen Verfahrens ist nur eins: Meinen Namen bei den Wahlen zu entfernen", erklärte er. Er hatte geplant, im Oktober bei der Nachwahl für einen Sitz im brasilianischen Senat zu kandidieren. Im Dezember war ihm wegen seiner häufigen Abwesenheit sein Sitz im brasilianischen Unterhaus entzogen worden.

In Brasilien stehen im Oktober überdies Präsidentschaftswahlen an. Dabei tritt Eduardos älterer Bruder Flávio Bolsonaro gegen den linksgerichteten Amtsinhaber Lula an. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.

Jair Bolsonaro geriet jüngst erneut wieder ins Visier des Obersten Gerichts, weil er während seines vorübergehenden Hausarrests im Besitz einer Schusswaffe war. Richter de Moraes gab seinem Anwaltsteam am Dienstag 24 Stunden Zeit, sich zu dem Waffenbesitz zu äußern. Die Pistole war bei einer Polizeikontrolle beschlagnahmt worden.

Im März war Jair Bolsonaro eine dreimonatige Verlegung vom Gefängnis in den Hausarrest gewährt worden, um sich von einer Lungenentzündung zu erholen.

Am Montag beschlagnahmte die Polizei in der Hauptstadt bei einer Fahrzeugkontrolle eine Pistole von einem Mitarbeiter von Bolsonaros Sicherheitsteam. Der Mann gab zunächst an, die Waffe selbst zu besitzen - tatsächlich gehörte sie jedoch dem unter Hausarrest stehenden ehemaligen Staatschef. Der Sicherheitsmitarbeiter erklärte, er habe die Waffe zur Reparatur gebracht, nachdem eine "Fehlfunktion" festgestellt worden sei. Moraes verlangt eine Erklärung dafür, warum Bolsonaro die Waffe ausgerechnet zum Ende seines Hausarrests zur Reparatur geben wollte.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Druck von Behörden: Unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" muss Arbeit einstellen

Es ist das Ende eines historischen Bollwerks der freien Presse in Russland: Die unabhängige russische Zeitung "Nowaja Gaseta" stellt nach eigenen Angaben angesichts des Drucks der russischen Behörden ihre Arbeit vollständig ein. "Die 'Nowaja Gaseta' hört auf zu existieren", sagte Chefredakteur Sergej Sokolow in einer am Freitag auf der Onlineplattform YouTube veröffentlichten Videobotschaft. Der Gründer der Zeitung und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow bezeichnete die Schließung als Teil von Moskaus "gigantischer Militäroperation" in der Ukraine. Medienrechtsorganisationen reagierten mit Bestürzung auf den Schritt.

"GenZ"-Proteste: Initiatoren klagen Regierung an - Appelle für friedliche Demos

Anklagen einer "verlassenen Jugend" und Appelle zur Gewaltfreiheit: Vor den geplanten bundesweiten "GenZ"-Protesten am Wochenende haben die Initiatoren von der Politik ein entschlossenes Handeln für die Belange junger Menschen gefordert. Bei einer Pressekonferenz in Köln erhoben Sprecherinnen und Sprecher der Initiative "GenZ regelt" am Freitag zugleich schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Parteiübergreifend riefen Politikerinnen und Politiker zu einem friedlichen Verlauf der Proteste auf.

Iran-Krieg: Merz ruft zu diplomatischer Lösung auf

Vor dem Hintergrund von Spekulationen über neue US-Angriffe auf den Iran hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einer diplomatischen Lösung des Konfliktes aufgerufen. "Ich kann nur an alle Konfliktparteien appellieren: Dieser Konflikt lässt sich nicht militärisch lösen", sagte Merz bei einer Pressekonferenz im südkoreanischen Seoul am Freitag. "Er muss diplomatisch gelöst werden, er muss durch Gespräche gelöst werden", fügte er hinzu. Das gelte auch für Israel und die künftige Regierung des Landes.

Evakuierung von Einwohnern aus russisch besetzter ukrainischer Stadt Oleschky begonnen

Im Rahmen einer örtlich begrenzten Waffenruhe ist am Freitag die Evakuierung von Einwohnern aus der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky angelaufen. "Die Evakuierung und die Verteilung humanitärer Hilfe haben begonnen", erklärte der ukrainische Unterhändler David Arachamia am Freitag in Onlinenetzwerken. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa veröffentlichte ein Video, das Gruppen von Menschen zeigt, die auf Busse warten. Einige würden nach Russland gebracht, andere in von Kiew kontrollierte Teile der Ukraine, sagte sie.

Textgröße ändern: