Deutsche Tageszeitung - Breites Bündnis fordert Umdenken für mehr Flüchtlingsschutz

Breites Bündnis fordert Umdenken für mehr Flüchtlingsschutz


Breites Bündnis fordert Umdenken für mehr Flüchtlingsschutz
Breites Bündnis fordert Umdenken für mehr Flüchtlingsschutz / Foto: © SEA-WATCH/AFP/Archiv

Ein breites Bündnis von 275 Organisationen hat anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni ein politisches Umdenken für einen besseren Schutz von Geflüchteten gefordert. Unter dem Motto "Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt" wenden sich Menschenrechtsorganisationen, Sozialverbände, Kirchen und weitere Verbände der Zivilgesellschaft gegen die fortschreitende Entrechtung von schutzsuchenden Menschen. 75 Jahre nach Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention fordern sie "einen starken Flüchtlingsschutz, von dem alle profitieren".

Textgröße ändern:

"Menschenrechte sind die Grundlage unseres Zusammenlebens", heißt es in dem Text. Mit der Genfer Flüchtlingskonvention sei für verfolgte Menschen der Anspruch auf Schutz völkerrechtlich verankert worden. "Und wir sind überzeugt: Ein Flüchtlingsschutz, der diesem Anspruch gerecht wird, ist möglich", betonen die beteiligten Organisationen. Es gehe um "Solidarität, Respekt im Umgang miteinander und die Bereitschaft, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen".

Nachdrücklich wenden sich die Verbände und Organisationen dagegen, dass im politischen Diskurs immer häufiger "Geflüchtete zu Feindbildern und als Gefahr für die Sicherheit oder den Wohlstand des eigenen Landes dargestellt" würden. "In der Folge werden ihnen grundlegende Rechte verweigert, um vermeintliche Sicherheit und Kontrolle zu schaffen", kritisieren sie weiter. "Doch nicht nur wird damit ein gefährlicher Nationalismus befeuert, sondern auch ein spaltendes 'Wir gegen die Anderen' zum politischen Prinzip erhoben."

"Die neue europäische Asylgesetzgebung erlaubt den Staaten weitreichende Einschränkungen von Rechten, darunter die Inhaftierung von Familien mit Kindern und anderen vulnerablen Personen, wie Menschen mit Behinderungen, sowie Abschiebungen in angeblich sichere Drittstaaten", heißt es weiter. "Ebenso kann Geflüchteten teilweise das menschenwürdige Existenzminimum entzogen werden." Schutzsuchende und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer würden "europaweit kriminalisiert und unter Druck gesetzt, Gerichtsurteile ignoriert und Mittel für den Flüchtlingsschutz gekürzt". Abschiebungen gebe es sogar aus geschützten Räumen wie Schulen oder Krankenhäusern.

Die Organisationen und Verbände fordern stattdessen die Gewährleistung der Schutzversprechen der Genfer Konvention im Rahmen einer fairen Verantwortlichkeitsteilung unter den Staaten. Dazu gehörten auch humanitäre Aufnahmeprogramme und weitere sichere und reguläre Fluchtmöglichkeiten. Auch an den Grenzen müssten rechtsstaatliche Grundsätze gewahrt bleiben, Schutzsuchenden die legale Einreise ermöglicht werden. Faire und effiziente Asylverfahren müssten langfristige Aufenthaltsperspektiven sicherstellen.

Beteiligt an dem Aufruf sind unter anderem Amnesty International und Pro Asyl, die Sozialverbände Paritätischer, Arbeiterwohlfahrt, die Evangelische Kirche in Deutschland und weitere kirchliche Organisationen, Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Brot für die Welt sowie die Flüchtlingsräte der meisten Bundesländer.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Evakuierung von Einwohnern aus russisch besetzter ukrainischer Stadt Oleschky begonnen

Im Rahmen einer örtlich begrenzten Waffenruhe ist am Freitag die Evakuierung von Einwohnern aus der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky angelaufen. "Die Evakuierung und die Verteilung humanitärer Hilfe haben begonnen", erklärte der ukrainische Unterhändler David Arachamia am Freitag in Onlinenetzwerken. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa veröffentlichte ein Video, das Gruppen von Menschen zeigt, die auf Busse warten. Einige würden nach Russland gebracht, andere in von Kiew kontrollierte Teile der Ukraine, sagte sie.

Nach "Angst"-Eingeständnis von Eralp: Druck auf SPD zu Verzicht auf Koalition

In Berlin wächst der Druck insbesondere auf die SPD, keine Koalition unter Führung der Linkspartei einzugehen. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Siemtje Möller, sagte am Freitag im ARD-"Morgenmagazin", "ich würde es nicht tun". Der Landesvorstand der SPD beschloss, dass die Berliner SPD-Mitglieder über einen etwaigen Koalitionsvertrag abstimmen werden.

Berliner SPD lässt Mitglieder über mögliche rot-grün-rote Koalition abstimmen

Die Berliner SPD lässt ihre Mitglieder über eine mögliche Koalition mit Linken und Grünen abstimmen. Dies segnete der Landesvorstand am Freitag abschließend ab, wie ein Sprecher mitteilte. "Damit erhalten alle Mitglieder der Berliner SPD die Möglichkeit, über die Annahme des ausgehandelten Koalitionsvertrags zu entscheiden."

Linnemann legt Krankenkassen-Zusatzbeitrag für 2027 auf 2,9 Prozent fest

Das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die Krankenkassen für das kommende Jahr auf 2,9 Prozent festgelegt - damit bleibt er stabil. Der Satz sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, "diese Entwicklung haben wir jetzt gestoppt", erklärte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) am Freitag. Schon für dieses Jahr hatte das Ministerium den Zusatzbeitrag auf diesen Wert festgelegt. De facto lag er aber darüber.

Textgröße ändern: