Deutsche Tageszeitung - Rekorddefizite der Kommunen: Rufe nach Hilfe von Bund und Ländern werden lauter

Rekorddefizite der Kommunen: Rufe nach Hilfe von Bund und Ländern werden lauter


Rekorddefizite der Kommunen: Rufe nach Hilfe von Bund und Ländern werden lauter
Rekorddefizite der Kommunen: Rufe nach Hilfe von Bund und Ländern werden lauter / Foto: © AFP/Archiv

Angesichts immer neuer Rekorddefizite bei den Kommunen werden die Rufe nach Unterstützung durch Bund und Länder lauter. In einer am Freitag veröffentlichten Studie warnte die Bertelsmann Stiftung vor einer Gefährdung der kommunalen Handlungsfähigkeit und verwies auf Kürzungen bei Investitionen und freiwilligen Leistungen etwa im Kultur- und Bildungsbereich. Der Deutsche Städtetag bezeichnete die Lage als "flächendeckend dramatisch" und forderte von Bund und Ländern umgehende Hilfe.

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Mit einem Defizit von nahezu 32 Milliarden Euro hätten Städte, Landkreise und Gemeinden 2025 "den höchsten Fehlbetrag ihrer Geschichte" verzeichnet, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. Damit sei die Gesamtverschuldung auf einen neuen Höchststand von fast 200 Milliarden Euro gewachsen.

Das Statistische Bundesamt hatte im April das kommunale Defizit im vergangenen Jahr unter Berufung auf vorläufige Zahlen auf 31,9 Milliarden Euro beziffert. Dies war demnach ein Anstieg um 7,1 Milliarden Euro gegenüber 2024.

Hauptursache blieben weiter steigende Kosten - insbesondere bei den Sozial- und Personalausgaben, hieß es nun in der Studie der Bertelsmann-Stiftung. Zugleich hätten sich die Folgen der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung bei den kommunalen Einnahmen bemerkbar gemacht.

"In den allermeisten Städten sind auch die letzten Reserven aufgezehrt", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Christian Schuchardt. "Die Rekorddefizite von 30 Milliarden Euro jährlich werden zur Regel statt zur Ausnahme." Die Probleme ließen sich "nicht mehr wegsparen". Ohne systematische Hilfe von Bund und Ländern, verkümmere die kommunale Selbstverwaltung. "Deshalb brauchen wir jetzt wirksame Sofortmaßnahmen und langfristig wirkende Reformen, die die kommunalen Haushalte entlasten."

Die Kommunen hätten bereits "mit Einsparungen bei Investitionen und freiwilligen Leistungen" auf die schwierige Finanzlage reagiert, stellte die Bertelsmann-Stiftung fest. "Dennoch ist absehbar, dass die Defizite in den kommenden Jahren weiter steigen werden."

Schon seit Jahren seien die Abschreibungen des kommunalen Anlagevermögens höher als die Investitionen, hieß es weiter. "Kommunale Infrastruktur verfällt. Am deutlichsten ist dieser Befund bei Straßen und Schulen." Einsparungen erfolgten aber auch "bei nicht verpflichtenden Leistungen wie Ehrenamts- und Demokratieförderung, Bibliotheken, Musik- und Volkshochschulen".

Anders als in früheren Krisen sind laut Bertelsmann-Stiftung inzwischen auch wirtschaftsstarke Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg erheblich betroffen. "Um einen weiteren Substanzverlust bei Infrastruktur und kommunalen Leistungen zu verhindern, sind gemeinsame Lösungen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich", forderte auch die Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Brigitte Mohn. Die Finanzen von Städten, Gemeinden und Landkreisen müssten "grundlegend" reformiert werden, um die kommunale Handlungsfähigkeit zu sichern, die Grundlage eines funktionierenden Staates sei.

Städtetag, Landkreistag und Städte- und Gemeindebund haben für am Montag zu einem bundesweiten Aktionstag unter dem Motto "Kommunen am Limit" aufgerufen. Er soll über konkrete Beispiele zeigen, welche Auswirkungen die prekäre Finanzlage auf Angebote und Dienstleistungen in Städten, Landkreisen und Gemeinden hat.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

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