Deutsche Tageszeitung - Foto mit erhobenem Arm: Rücktrittsforderungen an Sachsen-Anhalts AfD-Chef Reichardt

Foto mit erhobenem Arm: Rücktrittsforderungen an Sachsen-Anhalts AfD-Chef Reichardt


Foto mit erhobenem Arm: Rücktrittsforderungen an Sachsen-Anhalts AfD-Chef Reichardt
Foto mit erhobenem Arm: Rücktrittsforderungen an Sachsen-Anhalts AfD-Chef Reichardt / Foto: © AFP/Archiv

Wegen eines Fotos mit erhobenem Arm sind gegen Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt Rücktrittsforderungen erhoben worden. "Ausschluss, Rücktritt, klare Kante", erklärte CDU-Landeschef und Ministerpräsident Sven Schulze am Mittwochabend in Magdeburg. "Ein Hitlergruß ist ein Bekenntnis, kein Ausrutscher - wer so etwas zeigt, hat in einem Parlament nichts verloren." Scharfe Kritik kam auch von Grünen und Linken, die AfD bestritt einen Hitlergruß.

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Laut dem Podcast "Inside AfD" des Magazins Politico soll Reichardt im Jahr 2020 im Beisein von Parteikollegen den Hitlergruß gezeigt haben. Das Portal veröffentlichte ein Foto, das die Geste demnach dokumentiert. Auch zwei Augenzeugen hätten Politico bestätigt, dass es sich um einen Hitlergruß gehandelt habe.

Reichardt ist seit 2018 Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde. Der aus dem niedersächsischen Goslar stammende Reichardt sitzt seit 2017 für die Partei im Bundestag.

Auf dem von Politico veröffentlichten Foto ist zu sehen, wie Reichardt den linken Arm ausstreckt. Vor ihm kniet ein Mann, bei dem es sich dem Bericht zufolge um Markus Motschmann handeln soll, dessen Antrag um Aufnahme in die AfD vom Bundesvorstand der Partei abgelehnt wurde. Neben Reichardt steht der stellvertretende Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider.

Der AfD-Landesverband wies die Vorwürfe des Magazins zurück und sprach von einer "Schmutzkampagne". Die Geste sei "kein Hitlergruß" gewesen, sondern "ein humoristischer Ritterschlag" im Zusammenhang mit dem Aufnahmeprozess von Motschmann, erklärte die Partei auf Facebook. Das Bild sei auf einer privaten Grillfeier entstanden.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Stephan Brandner, sagte Politico laut einem Bericht vom Donnerstag, dass ein tatsächlich gezeigter Hitlergruß Konsequenzen für einen Abgeordneten seiner Fraktion hätte. Zugleich verteidigte er Reichardt und sprach von einer "ungünstigen Fotosituation". Auch andere Politiker seien schon in ähnlichen Posen fotografiert worden. Brandner warf Medien vor, einzelne Bilder zu skandalisieren.

CDU-Chef und Ministerpräsident Schulze forderte von der AfD, Reichardt und auch Tillschneider müssten "als untragbar ausgeschlossen werden". "Alles andere ist nicht nur Billigung, es ist Zustimmung und Nazibekenntnis", erklärte Schulze, der auch Spitzenkandidat seiner Partei zur Landtagswahl am 6. September ist.

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Susan Sziborra-Seidlitz, forderte Reichardt ebenfalls zum Rücktritt auf. "Ein Hitlergruß ist kein Ausrutscher und kein schlechter Scherz", erklärte sie. Wer sich als Parteivorsitzender und Bundestagsabgeordneter derart verhält, "ist für politische Ämter in Deutschland untragbar".

Linksfraktionschefin Eva von Angern kritisierte, die AfD zeige damit "ihr wahres Gesicht". Partei- und Fraktionsführung seien "offen rechtsgesinnt". In Umfragen zur Landtagswahl liegt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund vorn - deutlich vor der CDU.

(M.Travkina--DTZ)

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