Deutsche Tageszeitung - Ungarn: Scharfe Kritik an Magyars Plan zur Absetzung des Präsidenten

Ungarn: Scharfe Kritik an Magyars Plan zur Absetzung des Präsidenten


Ungarn: Scharfe Kritik an Magyars Plan zur Absetzung des Präsidenten
Ungarn: Scharfe Kritik an Magyars Plan zur Absetzung des Präsidenten / Foto: © AFP

In Ungarn mehrt sich die Kritik an den Plänen des neuen Regierungschefs Peter Magyar, den Präsidenten Tamas Sulyok mittels neiner Verfassungsänderung abzusetzen. Ein solcher Schritt könne einen Präzedenzfall schaffen, erklärte der bekannte ungarische Politikwissenschaftler Gábor Török am Donnerstag im Onlinedienst Facebook. "Wenn eine Waffe auf den Tisch gelegt wird, bedeutet das, dass sie auch eingesetzt werden kann - und sobald die Waffe eingesetzt wird, ist sie nicht mehr nur eine Option, sondern wird Teil des Repertoires."

Textgröße ändern:

Magyars Tisza-Partei hatte bei der Parlamentswahl im April eine Zwei-Drittel-Mehrheit gewonnen und damit den seit 2010 regierenden Rechtsnationalisten Viktor Orban von der Macht verdrängt. Mit dieser Mehrheit kann Magyar grundsätzlich Verfassungsänderungen durchsetzen.

Der seit 2024 amtierende Sulyok ist ein Vertrauter Orbans. Magyar wirft ihm verschiedene Vergehen im Zusammenhang mit der Amtsführung Orbans vor. Am Montag hatte Magyar den Entwurf für eine Verfassungsänderung vorgestellt, die Sulyoks Mandat mit sofortiger Wirkung beenden würde. Der entsprechende Gesetzgebungsprozess soll etwa einen Monat dauern.

Zu den Bedenken Töröks erklärte Magyar am Donnerstag, es sei "nicht angemessen, sich über den demokratischen Willen des Volkes und das Mandat hinwegzusetzen". Sulyok habe einen "schweren Vertrauensverlust" erlitten, teilte die Regierung mit.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte Magyars Pläne am Dienstag als "inakzeptabel" bezeichnet. "Ein echter Systemwechsel lässt sich nur unter Einhaltung eines fairen Verfahrens erreichen", erklärte Amnesty.

Sulyok will seinen Posten nicht aufgeben und hat sich an die so genannte Venedig-Kommission gewandt, ein Expertengremium des Europarats, das sich unter anderem mit verfassungsrechtlichen Fragen beschäftigt. Er nennt Magyars Vorwürfe "unverständlich und verfassungswidrig".

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Trump sagt zwei seiner letzten Wahlkampfauftritte vor den Zwischenwahlen ab

US-Präsident Donald Trump hat auf zwei Wahlkampfauftritte vor den Zwischenwahlen zum Kongress verzichtet. Trump sage zwei seiner letzten Wahlkampfveranstaltungen vor den Midterms ab, teilte seine Republikanische Partei am Donnerstag (Ortszeit) mit. Anstelle der Veranstaltungen in Kansas und Iowa werde der Präsident eine "große Anzahl" virtueller "Telerallyes" in zahlreichen Bundesstaaten abhalten. Trumps letzte Wahlkampfveranstaltung soll nun am Freitag in Florida stattfinden.

Angespannte Lieferketten: Friedrich Merz wirbt in Südkorea um verlässliche Partner

Südkorea und Deutschland sollen sich laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gemeinsam für die Entwicklung von Zukunftstechnologien und den Schutz kritischer Lieferketten einsetzen. Dies teilte Merz am Freitag zur Eröffnung der 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul mit. Gemeinsam stünden die beiden Staaten einer autokratischen Machtpolitik sowie der Verletzung internationalen Völkerrechts entgegen. Die dynamische geopolitische Lage lasse gleichgesinnten Staaten die Möglichkeit, näher zusammenzurücken und widerstandsfähige Partnerschaften zu bilden.

Frankreich: "Gelbwesten" rufen zu Kochtopf-Protest auf

Die französische Protestbewegung der sogenannten Gelbwesten hat für Freitag zu einer Aktion "zur Verteidigung der öffentlichen Freiheiten" in Form von Kochtopflärm aufgerufen. Die Teilnehmer sind aufgerufen, ab 18.00 Uhr mit Topfdeckeln und Kochtöpfen Lärm vor der Nationalversammlung in Paris zu machen. Die Regierung sperre die Innenstädte für Demonstrationen, deshalb sollten nun "unter den Fenstern der Abgeordneten die Kochtöpfe erklingen", erklärte die Bewegung. Geplant sei außerdem eine Schweigeminute für die "Opfer der Polizei und der extremen Rechten".

Carney, von der Leyen und Costa beraten über künftige Partnerschaft Kanadas und der EU

In Montreal beraten am Freitag der kanadische Premierminister Mark Carney, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa über die Ausgestaltung der künftigen Partnerschaft. Für 12.15 Uhr (Ortszeit, 17.15 Uhr MEZ) ist eine gemeinsame Pressekonferenz in Montreal angesetzt. "Wir beide wollen unsere Beziehungen auf die höchstmögliche Ebene heben", sagte von der Leyen zum Auftakt des EU-Kanada-Gipfels am Donnerstag.

Textgröße ändern: