Deutsche Tageszeitung - Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt: US-Diplomat geschäftsführend ernannt

Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt: US-Diplomat geschäftsführend ernannt


Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt: US-Diplomat geschäftsführend ernannt
Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt: US-Diplomat geschäftsführend ernannt / Foto: © AFP/Archiv

Der ranghohe US-Diplomat Louis J. Crishock ist zum geschäftsführenden internationalen Bosnien-Beauftragten ernannt worden, bis ein dauerhafter Nachfolger des deutschen Amtsinhabers Christian Schmidt gefunden wird. Der Amtswechsel solle am Mittwoch erfolgen, teilte das für die Suche nach dem neuen Bosnien-Beauftragten zuständige Gremium am Dienstag mit. Streitigkeiten zwischen europäischen und US-Vertretern verhindern bislang eine Einigung auf einen dauerhaften Nachfolger Schmidts.

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Das Gremium erklärte, es sei "entschlossen, so schnell wie möglich eine Einigung über die Auswahl" eines neuen Bosnien-Beauftragten zu erzielen. Die Ernennung solle spätestens bis zum 14. Juli abgeschlossen werden. Zwei mögliche Kandidaten für die Nachfolge Schmidts sind der von den USA bevorzugte italienische Diplomat Antonio Zanardi Landi und der französische Diplomat René Troccaz, der von Großbritannien und Deutschland unterstützt wird. Der nun geschäftsführend ins Amt kommende Crishock war bisher Stellvertreter von Schmidt.

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte im vergangenen Monat bekanntgegeben, dass er im Juni als Bosnien-Beauftragter zurücktreten werde. Als Grund nannte er unter anderem "enormen und überraschenden Druck" der USA. Dabei habe auch der Streit um eine Pipeline von Kroatien nach Bosnien eine Rolle gespielt, die von der EU auf den Weg gebracht, aber dann nicht von ihr finanziert worden sei. Nun brauche Bosnien die USA, diese hätten aber ihre eigenen Vorstellungen, sagte Schmidt der "Augsburger Allgemeinen".

Bosnien-Herzegowina ist seit dem Dayton-Abkommen von 1995 geteilt in die überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und die kroatisch-muslimische Föderation Bosnien und Herzegowina. Die beiden halbautonomen Landesteile sind durch eine schwache Zentralregierung miteinander verbunden. Fast ein Drittel der 3,5 Millionen Einwohner Bosniens lebt in der Republika Srpska, deren Gebiet fast die Hälfte des Balkanstaates ausmacht.

Der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina hat die Aufgabe, über die Einhaltung des Friedensabkommens von Dayton zu wachen. In dieser Funktion hat er weitreichende Befugnisse bis hin zum Erlass von Gesetzen und zur Entlassung gewählter Amtsträger.

Schmidt hatte den Posten seit 2021 inne. Die Amtszeit des Deutschen war von massiven Spannungen mit der Republika Srpska geprägt. Deren ehemaliger Präsident Milorad Dodik hatte Schmidt immer wieder scharf kritisiert. Dodik, der gute Beziehungen zum Kreml pflegt, zweifelte etwa die Legitimität des UN-Repräsentanten an und stellte Schmidt als Bedrohung für die Republika Srpska dar.

(V.Sørensen--DTZ)

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