Deutsche Tageszeitung - "Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor

"Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor


"Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor
"Wir liefern": Merz verteidigt Reformpolitik - Opposition wirft ihm Scheitern vor / Foto: © AFP

"Wir liefern": Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine positive Zwischenbilanz seiner Regierung gezogen - die Opposition ließ dagegen kein gutes Haar an der Reformpolitik der Koalition. "Es ist sehr viel geschehen in diesem ersten Jahr, das für unser Land einen wirklichen Aufbruch bedeutet", sagte Merz am Donnerstag im Bundestag. Die AfD warf dem Kanzler eine gescheiterte Reformpolitik vor, Grüne und Linke sprachen von einer Politik der sozialen Kälte.

Textgröße ändern:

Die schwarz-rote Koalition habe sich "als Regierung der Erneuerung auf den Weg" gemacht, sagte Merz in einer Regierungserklärung. Sein Ziel sei "ein wirtschaftlich starkes, sozial gerechtes und nach innen wie nach außen verteidigungsfähiges Deutschland", führte der Kanzler aus. "Wir liefern, was es dazu braucht."

Radikale Kräfte wollten hingegen "das Land schlechtreden", sagte Merz. "Die Antworten radikaler Parteien, ob nun von links oder von rechts, mögen verführerisch klingen. Aber sie gestalten nicht, sie zerstören. Sie spalten unser Land."

Vernichtend fiel dagegen das Urteil der Opposition nach 14 Monaten Merz-Regierung aus. Grünen-Ko-Fraktionschefin Katharina Dröge warf dem Kanzler eine von Misstrauen gegenüber den Bürgern geprägte Politik der sozialen Kälte vor. "Man kann nicht ein Land regieren, wenn man die Leute ständig als Trickser, Täuscher und Faulenzer bezeichnet", sagte Dröge in der Debatte. Statt etwa das Dienstwagenprivileg zu streichen, kürze die Regierung beim Eltern- und beim Wohngeld sowie beim Kindersofortzuschlag.

Eine Politik auf Kosten der sozial Schwachen warf auch Linken- Fraktionschefin Heidi Reichinnek dem Kanzler vor. Sie kritisierte unter anderem die Pläne für die Reform des Gesundheitssystems, für die Ausweitung befristeter Arbeitsverhältnisse, ein höheres Renteneintrittsalter oder die Verringerung der Bezugsdauer beim Elterngeld. "Ihre Regierungszeit bestand bisher daraus, den Menschen immer wieder vorzuwerfen, dass sie nicht hart und lang genug arbeiten, zuzusehen, wie die Preise explodieren, und die Axt an den Sozialstaat zu legen."

AfD-Ko-Fraktionschefin Alice Weidel bescheinigte Merz: "Sie hinterlassen denen einen Trümmerhaufen, die nach Ihnen kommen." Die Lage im Land sei "desaströs". Die Autoindustrie sei im Niedergang, die "Deindustrialisierung" gerate zur "Massenflucht". Mit ihrer Haushaltspolitik sprenge die Regierung "alle Grenzen von Ausgabenwut und Schuldenmacherei", kritisierte Weidel. AfD-Ko-Fraktionschef Tino Chrupalla sagte, die schwarz-rote Koalition investiere "lieber in Panzer statt in Kinder".

Bei der Umsetzung des Reformkurses bat Merz um Geduld. Denn bei den nun angegangenen Reformen etwa der Sozialsysteme gehe es um "Probleme, die zum Teil jahrzehntelang in Deutschland ungelöst liegen geblieben sind". Der Kanzler sah gleichzeitig "ermutigende Zeichen", dass sich die wirtschaftliche Lage bessere. So steige die Produktion und der Auftragsbestand bei den Unternehmen in Deutschland kontinuierlich an.

Die Fraktionschefs von Union und SPD, Jens Spahn und Matthias Miersch, verteidigten die geplanten Einschnitte im Rahmen der Sozialreformen. "Bittere, harte Entscheidungen" bei Wohngeld, Elterngeld oder Förderprogrammen träfen die Betroffenen hart, sagte Spahn. "Aber sparen ohne zu sparen, das geht halt leider auch nicht".

Auch Miersch räumte ein, dass Schwarz-Rot mit den Reformen im Gesundheits- und Sozialbereich auf viele Widerstände stößt. "Wir legen uns nicht mit fast allen Interessensgruppen in diesem Land an, weil wir darauf Lust haben", sagte Miersch mit Blick auf die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. "Unser Ziel ist es, dass wir eine Beitragsstabilität bekommen, weil es sonst viele Menschen treffen würde, die genau unter diesen Beitragsstärkungen leiden."

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Kurdenführer Abdi verkündet Auflösung der Demokratischen Kräfte Syriens

Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung haben die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) ihre Auflösung verkündet, um fortan Teil der regulären Armee des Landes zu sein. Der syrische Kurdenführer Maslum Abdi gab am Dienstagabend "das Ende des Einsatzes" der SDF bekannt und erklärte deren Auflösung "als unabhängige Streitmacht". Dies erfolge nach dem "Abschluss des Prozesses der Eingliederung unserer Streitkräfte in die Brigaden der syrischen Armee", sagte Abdi im Präsidentenpalast in Damaskus in einer im Fernsehen übertragenen Rede, die er zuerst auf Arabisch und dann auf Kurdisch hielt.

Israel beginnt mit Räumung von UNRWA-Ausbildungszentrum in Ost-Jerusalem

In seinem Vorgehen gegen das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA hat die israelische Regierung am Dienstag damit begonnen, ein Berufsbildungszentrum der Organisation in Ost-Jerusalem räumen zu lassen. "In Übereinstimmung mit meiner Anweisung und dem von uns verabschiedeten Gesetz hat heute die Räumung des UNRWA-Geländes in Kafr Akab in Jerusalem begonnen", erklärte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu. Das Kalandia-Ausbildungszentrum war 1952 gegründet worden und bot laut UNRWA jedes Jahr etwa 340 Palästinensern aus dem besetzten Westjordanland eine Berufsausbildung.

USA wollen tausenden Ausländern ihre Visa entziehen

Die USA wollen tausenden Ausländern ihre Visa entziehen. Das Außenministerium erklärte am Dienstag in Washington, die Regierung von Präsident Donald Trump wolle damit gegen "Betrug" vorgehen. Betroffen sind Menschen, die mit einem Touristen- oder Geschäftsvisum in die USA eingereist sind und dann vor Ort Asyl beantragt haben. Medien berichteten über bis zu 200.000 Fälle.

Kurdenführer verkündet Auflösung der Demokratischen Kräfte Syriens

Der syrische Kurdenführer Maslum Abdi hat nach über einem Jahrzehnt die Auflösung der kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) verkündet. Er gebe "das Ende des Einsatzes" der SDF bekannt und erkläre "in voller Verantwortung deren Auflösung als unabhängige Streitmacht", sagte Abdi am Dienstagabend im Präsidentenpalast in Damaskus in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Textgröße ändern: