Deutsche Tageszeitung - "Spiegel": Bundeswehr schließt deutsches Feldlager in Erbil

"Spiegel": Bundeswehr schließt deutsches Feldlager in Erbil


"Spiegel": Bundeswehr schließt deutsches Feldlager in Erbil
"Spiegel": Bundeswehr schließt deutsches Feldlager in Erbil / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundeswehr zieht nach einem "Spiegel"-Bericht bis Ende September aus der nordirakischen Stadt Erbil ab und schließt das deutsche Feldlager, das am Rande des Flughafens liegt. Das Verteidigungsministerium habe den Bundestag am Freitagmorgen über die Entscheidung informiert, berichtete das Magazin. Eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte in Berlin, dass dazu eine Unterrichtung stattgefunden habe. Es sei jedoch "kein überstürzter Abzug" vorgesehen. Auch sei nicht geplant, die deutschen Soldatinnen und Soldaten "jetzt sofort zurückzubringen".

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Die Unterstützung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer in der Region solle aufrecht erhalten werden, sagte die Sprecherin. "Wir verringern lediglich unseren Fußabdruck". Eine Übergabe von Verantwortung oder "Planungen, wie eigene Truppen wieder zurück verlegt werden", sei noch Gegenstand von Beratungen und werde mit den Partnern vor Ort besprochen.

Nach Informationen des "Spiegel" soll der Abzug nötig sein, da sich die USA aus dem multinationalen Camp in Erbil zurückziehen und dann keinen Schutz mehr für das deutsche Feldlager stellen, etwa durch die US-Flugabwehrsysteme. Die Ministeriumssprecherin wollte dazu keine Details nennen.

Das internationale Camp am Rande des Flughafens im Norden von Erbil war seit dem Beginn der US-israelischen Angriffe gegen den Iran im Frühjahr immer wieder Ziel von Vergeltungs-Aktionen aus Teheran. Die iranischen Raketen- und Drohnenangriffe richteten sich zwar nicht gegen die Bundeswehr. Wegen der räumlichen Nähe im multinationalen Camp aber musste auch die Bundeswehr immer wieder in die Schutzbunker.

In den kommenden Wochen soll das deutsche Lager nun laut "Spiegel" komplett geschlossen werden. Derzeit sind wegen der seit Monaten volatilen Sicherheitslage demnach nur noch um die 30 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Erbil stationiert. Deren genaue Zahl wollte die Ministeriumssprecherin aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

Mit der Entscheidung endet ein langjähriger Einsatz der Bundeswehr. Wegen des Vormarsches der Terror-Miliz "Islamischer Staat" hatte die Bundesregierung im Jahr 2015 entschieden, deutsche Ausbilder in den Nordirak zu schicken, um die kurdischen Peschmerga zu stärken. Deutschland hatte die Peschmerga damals auch mit Waffenlieferungen unterstützt, um die vorrückenden IS-Truppen zurückzuschlagen.

In den Jahren darauf setzte die Bundeswehr die Beratung der Peschmerga gemeinsam mit anderen Partnern fort und beteiligte sich auch an einer internationalen Anti-Terror-Mission. Die Präsenz von US- und internationalen Truppen sorgte im Nordirak seitdem für ein gewisses Maß an Stabilität.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will die Beratung der Peschmerga trotz der jetzt beschlossenen Schließung des deutschen Feldlagers fortsetzen. Nach "Spiegel"-Informationen soll eine geringe Zahl deutscher Militärberater dafür auch nach Ende September in Erbil verbleiben. Die Soldatinnen und Soldaten sollen demnach statt wie bisher im Feldlager am Flughafen im deutschen Generalkonsulat in der Stadt stationiert werden.

(P.Hansen--DTZ)

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