Deutsche Tageszeitung - Trump-Verbündeter und Russland-Kritiker Lindsey Graham im Alter von 71 Jahren gestorben

Trump-Verbündeter und Russland-Kritiker Lindsey Graham im Alter von 71 Jahren gestorben


Trump-Verbündeter und Russland-Kritiker Lindsey Graham im Alter von 71 Jahren gestorben

Lindsey Graham, prominenter US-Senator und außenpolitischer Hardliner gegenüber dem Iran und Russland, ist tot. Der eng mit US-Präsident Donald Trump verbündete republikanische Politiker sei am Samstagabend (Ortszeit) mit 71 Jahren nach "kurzer und plötzlicher Krankheit" gestorben, teilte sein Büro mit. Trump äußerte seine Trauer, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj würdigten Graham als Verbündeten ihrer Länder.

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Grahams Familie erklärte in ihrer Mitteilung, sie bedanke sich "bei allen, die für sie beten". Sie bitte "um Respekt für ihr Privatleben in dieser extrem schwierigen Zeit". Der Nachrichtensender NBC News berichtete, in der Nacht zum Sonntag habe es einen Noteinsatz von Rettungssanitätern in Grahams Washingtoner Wohnung wegen eines Herzstillstands gegeben. Mehrere Medien beriefen sich auf Funkmitschnitte des beteiligten Rettungsdienstes.

Trump würdigte den aus South Carolina stammenden Graham als "einen der großartigsten Menschen und Senatoren, die ich je gekannt habe". Er sei ein "wahrer amerikanischer Patriot" gewesen und werde "schmerzlich vermisst werden", schrieb der US-Präsident in seinem Onlinedienst Truth Social. Der Gouverneur von South Carolina, Henry McMaster, bezeichnete Graham als "unersetzlich".

Graham vertrat in der Außenpolitik eine harte Linie gegenüber Russland und dem Iran. Noch am Freitag hatte der ukrainische Präsident Selenskyj den Republikaner in Kiew empfangen, am Freitag Washingtoner Ortszeit hatte Graham sich mit Politikern seiner republikanischen sowie der oppositionellen demokratischen Partei auf verschärfte Sanktionen gegen Russland verständigt.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete Graham als "wahren Freund" und "Partner Deutschlands" in der Nato. Graham und er hätten "mehr als vier Jahrzehnte (...) Seite an Seite gestanden", er werde den US-Senator vermissen.

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu würdigte Graham als "großen Freund und mir sehr lieben persönlichen Freund". Graham habe "verstanden, dass die Sicherheit Israels und Amerikas untrennbar miteinander verbunden" seien und "sein Leben der Verteidigung Amerikas, der Stärkung unseres Bündnisses und dem Einsatz für die freie Welt gewidmet". Der israelische Präsident Isaac Herzog nannte Graham einen der führenden Verfechter "der US-israelischen Partnerschaft".

Der ukrainische Präsident Selenskyj äußerte sich im Onlinedienst X "zutiefst betrübt" über Grahams Tod. Er verwies darauf, dass der Senator die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs zehnmal besucht hatte. "Er stand unserem Volk zur Seite, als dies am dringendsten nötig war", schrieb Selenskyj weiter.

Graham war häufig bei der Münchner Sicherheitskonferenz zu Gast. Im Februar trat er am Rande der Konferenz bei einer Großveranstaltung der iranischen Exil-Opposition auf.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigte Graham auf X als "entschlossenen und furchtlosen Anführer", der sich "unermüdlich" für schärfere Sanktionen gegen Russland eingesetzt habe. Graham werde "sehr vermisst werden", fügte von der Leyen an.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte nannte Graham einen "Freund" und "einflussreichen Anwalt Amerikas". Der US-Senator habe aktiv daran gearbeitet, "Russlands Krieg gegen die Ukraine zu einem Ende zu bringen".

Graham wurde 1955 im südöstlichen Bundesstaat South Carolina geboren, seine Eltern betrieben ein Restaurant und einen Billardsalon. Graham wurde zum ersten Akademiker seiner Familie und diente zunächst in den Streitkräften. Er arbeitete als Militärjurist und stieg zum Oberst der US-Luftwaffe auf. Diese Erfahrung prägte seine interventionistische außenpolitische Haltung, unter anderem sprach er sich für die Militäreinsätze der USA in Afghanistan und Irak nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aus.

1994 wurde er erstmals in das US-Repräsentantenhaus gewählt. 2002 zog er in den Senat ein und wurde seitdem dreimal wiedergewählt. Zuletzt war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Senats. Dem demokratischen US-Präsidenten Barack Obama warf er nach dem Abschluss des Iran-Atomabkommens im Jahr 2015 vor, ein "schwacher Gegner des Bösen" zu sein.

Sein Verhältnis zu US-Präsident Trump war im Jahrzehnt seit Trumps Einstieg in die Politik wechselhaft, mündete aber in eine enge politische Partnerschaft. 2016 kandidierte Graham für die Republikaner und als Gegenkandidat zu Trump für die Präsidentschaft. Damals warnte Graham seine Parteifreunde davor, Trump zu unterstützen, und bezeichnete ihn als "rassistisch hetzenden, fremdenfeindlichen religiöser Fanatiker".

Nach der Erstürmung des US-Kapitols durch Trump-Anhänger am 6. Januar 2021 sagte Graham mit Blick auf Trump: "Genug ist genug". Später stimmte er jedoch gegen die Amtsenthebung des noch amtierenden Präsidenten.

Grahams Tod ereilt die Republikaner im US-Kongress in einer politisch heiklen Lage. Wenige Monate vor den Zwischenwahlen verfügen sie im Senat über eine Mehrheit von 53 zu 47 Stimmen, schon bei Abwesenheit weniger Senatoren ist die Mehrheit in Gefahr. Der 84-jährige frühere republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell befindet sich zudem seit Wochen im Krankenhaus.

(U.Beriyev--DTZ)

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