Deutsche Tageszeitung - Neue US-Angriffe und iranische Vergeltungsattacken - Teheran schließt Straße von Hormus

Neue US-Angriffe und iranische Vergeltungsattacken - Teheran schließt Straße von Hormus


Neue US-Angriffe und iranische Vergeltungsattacken - Teheran schließt Straße von Hormus
Neue US-Angriffe und iranische Vergeltungsattacken - Teheran schließt Straße von Hormus / Foto: © AFP/Archiv

Erneute Eskalation im Iran-Krieg: Teheran hat am Sonntag als Vergeltung für eine Reihe neuer US-Angriffe die Straße von Hormus bis auf Weiteres geschlossen. Die für den Welthandel wichtige Meerenge dürfe bis zu einem "Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region" nicht befahren werden, erklärten die iranischen Revolutionsgarden. Zudem attackierte der Iran Ziele in mehreren Golfstaaten. Der Vermittler Pakistan rief Teheran und Washington zur Zurückhaltung auf.

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Die neue US-Angriffswelle auf den Iran - die dritte in dieser Woche - erfolgte nach Armeeangaben, nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein unter der Flagge Zyperns fahrendes Containerschiff in der Straße von Hormus beschossen hatten.

Die US-Armee nahm nach eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele im Iran ins Visier. Dazu gehörten iranische Raketen- und Drohnenstellungen sowie Munitionsdepots, wie das US-Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X mitteilte. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, "der Iran hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Jetzt muss er dafür bezahlen".

Iranische Medien berichteten über Explosionen in mehreren Städten im Süden des Landes sowie auf der Insel Keschm und in der Provinz Chusestan. Bei einem Angriff auf die Hafenstadt Dschask sei ein Marinesoldat getötet worden, berichteten iranische Medien.

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten zu dem Angriff auf den Frachter in der Straße von Hormus, sie hätten Warnschüsse auf das Schiff abgefeuert, das eine "nicht genehmigte Route" befahren habe. Später griffen sie nach eigenen Angaben ein zweites Schiff wegen angeblicher Verstöße gegen die Vorschriften in der Meerenge an.

Die für den weltweiten Handel mit Öl, Flüssiggas und weiteren Gütern wichtige Straße von Hormus bleibe "bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region gesperrt, keinem Schiff wird die Durchfahrt gestattet", erklärten die Revolutionsgarden.

Der Militärberater des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei, Mohsen Resai, hob die strategische Bedeutung des Wasserwegs für den Iran hervor. Die Meerenge sei "wichtiger als dutzende von Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen", sagte Resai nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus seit Kriegsbeginn hatte die weltweiten Energiepreise in die Höhe schießen lassen.

Der Iran startete nach den US-Attacken Vergeltungsangriffe auf mehrere Länder in der Region. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten einen US-Luftwaffenstützpunkt in Katar ins Visier genommen.

In Katars Hauptstadt Doha waren Explosionen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Sie beobachteten Abfangmanöver über Doha. Das katarische Außenministerium verurteilte die iranischen Angriffe als "gefährliche Eskalation".

Auch in Kuwait war nach Armeeangaben die Luftabwehr im Einsatz, um "feindliche Angriffe" abzuwehren. Die Vereinigten Arabischen Emiraten wehrten nach eigenen Angaben ebenfalls Raketenangriffe ab. Auch in Bahrain ertönte Luftalarm. In Jordanien schlugen drei iranische Raketen ein, dabei wurde niemand verletzt.

Der Iran griff nach eigenen Angaben auch Logistik-Stützpunkte der US-Armee im Oman an. Die omanische Regierung, die derzeit Gespräche mit dem Iran über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus führt, bestellte den iranischen Botschafter ein und legte offiziell gegen "diese unverantwortlichen Handlungen" ein.

Pakistan rief die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Außenminister Ishaq Dar betonte nach Angaben des pakistanischen Außenministeriums in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi, dass der Konflikt nur mit "Dialog und Diplomatie" beigelegt werden könne.

Nach der Vereinbarung eines Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran im vergangenen Monat hatte vorübergehend relative Ruhe in der Region geherrscht. In der Nacht zum Mittwoch aber begannen die USA wieder mit massiven Angriffen auf den Iran, US-Präsident Donald Trump erklärte die mit dem Iran vereinbarte Feuerpause für beendet. Auslöser waren Angriffe auf Schiffe, die Washington Teheran zuschreibt. Die Streitkräfte des Iran griffen daraufhin wieder US-Stützpunkte in der Region an.

Am Freitag hatte Trump trotz der verschärften Spannungen mit dem Iran erklärt, dass die Verhandlungen mit Teheran fortgesetzt werden sollten. Beide Seiten setzten dennoch ihren Konfrontationskurs fort. Irans oberster Führer Chamenei kündigte am Samstag "Rache" an für die Tötung seines Vaters Ali Chamenei bei den US-israelischen Angriffen Ende Februar.

Trump drohte seinerseits dem Iran für den Fall eines auf ihn verübten Mordanschlags mit der "vollständigen" Vernichtung. US-Medien hatten am Freitag berichtet, dass der israelische Geheimdienst Washington über einen neuen "konkreten" iranischen Plan zur Ermordung Trumps informiert habe.

Modschtaba Chamenei erklärte in einer schriftlichen Botschaft, die Vergeltung für die Tötung seines Vaters sei "der Wille unserer Nation und muss unweigerlich vollzogen werden". Der Brief war seine erste öffentliche Wortmeldung seit der Beisetzung von Ali Chamenei am Freitag.

Die iranische Tageszeitung "Hamshahri" veröffentlichte am Samstagabend eine Liste mit 13 westlichen Politikern, die für den Tod Chameneis "bezahlen" sollen, unter ihnen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Auf einem Schaubild auf der Website der Zeitung waren neben Merz unter anderem auch US-Präsident Donald Trump, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni und der scheidende britische Premierminister Keir Starmer zu sehen.

(B.Izyumov--DTZ)

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