Deutsche Tageszeitung - Europäische Schutztruppe plant baldige Manöver in Nachbarstaaten der Ukraine

Europäische Schutztruppe plant baldige Manöver in Nachbarstaaten der Ukraine


Europäische Schutztruppe plant baldige Manöver in Nachbarstaaten der Ukraine
Europäische Schutztruppe plant baldige Manöver in Nachbarstaaten der Ukraine / Foto: © POOL/AFP

Die von Frankreich und Großbritannien initiierte europäische Schutztruppe für die Ukraine soll in den kommenden Monaten erstmals gemeinsame Manöver abhalten. Diese sollten in den Nachbarstaaten der Ukraine stattfinden, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag nach Beratungen der Pro-Ukraine-Koalition in Paris. Ziel sei es, "zu demonstrieren, dass wir bereit, entschlossen und glaubwürdig sind, zu Land, in der Luft und zur See", betonte er.

Textgröße ändern:

Etwa 20 Staats- und Regierungschefs hatten zuvor über die weitere Unterstützung der Ukraine beraten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) appellierte erneut an Russlands Präsidenten Wladimir Putin, an den Verhandlungstisch zu kommen. Die Ukraine sei bereit, den Krieg zu beenden. "Auch wir sind offen für Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, mit der Unterstützung Europas und der Vereinigten Staaten", sagte Merz. Es liege jetzt einzig und allein an Putin, "diese Chance zu ergreifen".

Der französische Präsident kündigte zudem zusätzliche Rüstungsgüter für die Ukraine an: Kiew wolle 16 Rafale-Kampfjets und Luftabwehrsysteme vom Typ SAMP/T kaufen, sagte Macron. Zudem hätten sich Frankreich und die Ukraine auf Lizenzproduktionen verschiedener Lenkwaffen geeinigt.

Kurz vor dem Treffen in großer Runde hatten Frankreich, Deutschland, die Ukraine und mehrere weitere europäische Länder sich zu einer Koalition zur Raketenabwehr zusammengeschlossen. Ziel sei es, "die Verteidigungsindustrien, die Forschung und die operative Erfahrung zu bündeln", hieß es in einer Erklärung, die von Vertretern Frankreichs, Deutschlands, der Ukraine, Italiens, Dänemarks, der Niederlande, Norwegens, Spaniens, Schwedens und Großbritanniens unterzeichnet wurde.

"Das wird der Ukraine helfen, Russlands Aggressionen auf Dauer standzuhalten. Es wird aber auch dazu beitragen, dass unsere Verteidigungsindustrie in Europa noch enger zusammenarbeitet", sagte Merz dazu.

Der Druck auf Putin müsse weiter erhöht werden, sagte Merz. "Wir tun das nicht, um den Krieg fortzusetzen, sondern wir tun das, um den Krieg so schnell wie möglich zu beenden", erklärte Merz. "Wir tun es für die Freiheit, die wir morgen mit unseren französischen Nachbarn und Freunden hier in Paris feiern", fügte er mit Blick auf die Militärparade zum französischen Nationalfeiertag am Dienstag hinzu.

Diese wird Merz gemeinsam mit zahlreichen weiteren Staats- und Regierungschefs auf Einladung Macrons von der Ehrentribüne aus verfolgen. Etwa 500 Soldaten aus Ländern, die zur sogenannten Koalition der Willigen zählen, sollen bei der Parade mitmarschieren. Zu ihnen zählen auch 21 Bundeswehrsoldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt, welches der Deutsch-Französischen Brigade untersteht.

Es soll eine Militärparade der Superlative werden mit 6800 Teilnehmern zu Fuß und 30 Prozent mehr Flugzeugen und Fahrzeugen als sonst - eine Demonstration der Stärke mit Blick auf Russland und zugleich eine Abschiedsvorstellung für Macron, der im kommenden Frühjahr aus dem Amt scheidet. Macron und Merz verabschiedeten sich in Paris bereits vom britischen Premierminister Keir Starmer, für den das 26. Treffen der Pro-Ukraine-Koalition zugleich sein letztes war.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Regierung zeigt Verständnis - verurteilt aber Gewalt

Die französische Regierung hat die Gewalt bei den anhaltenden Schülerprotesten verurteilt, zugleich aber auch Verständnis für die Forderungen der Schülerinnen und Schüler gezeigt. "Das Demonstrationsrecht gehört zu den grundlegenden Freiheiten, Gewalt aber nicht", sagte Bildungsminister Édouard Geffray am Mittwoch dem Sender RTL. "Die Forderungen sind legitim", betonte er zugleich. Die Protestierenden müssten "angehört und verstanden" werden.

Burnham schließt Rückkehr Großbritanniens in EU nicht aus: Eine von mehreren Optionen

Der britische Premierminister Andy Burnham schließt eine Rückkehr Großbritanniens in die EU nicht aus. Möglich seien ein Beitritt zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion "oder wir könnten noch einen Schritt weiter gehen", sagte Burnham am Mittwoch in einem Interview in der BBC. Es gebe also mehrere Optionen "und wir müssen schauen, was machbar ist und welche Vor- und Nachteile sie haben".

Nach langem Streit: Kabinett befasst sich mit Pflegereform

Nach langem Streit: Das Bundeskabinett befasst sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit der Pflegereform. Auf der von der Bundesregierung bereitgestellten Liste mit den Kabinettsthemen tauchte das Thema nun auf, nachdem eine Befassung mit dem Entwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz aus dem Gesundheitsministerium lange unsicher war. Bis zuletzt hatte es intensive Gespräche zwischen Union und SPD über die Ausgestaltung der Reform gegeben.

Mutmaßlicher ehemaliger IS-Kämpfer in Hessen festgenommen

In Hessen ist ein mutmaßlicher IS-Anhänger festgenommen worden. Der in Kuwait geborene Nuri A. soll sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) spätestens Anfang 2016 im Irak angeschlossen haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch mitteilte. Er habe bis zum Frühling 2017 für den IS gekämpft.

Textgröße ändern: