Deutsche Tageszeitung - WM-Halbfinale: Argentiniens Vizepräsidentin bezeichnet Engländer als "Piraten"

WM-Halbfinale: Argentiniens Vizepräsidentin bezeichnet Engländer als "Piraten"


WM-Halbfinale: Argentiniens Vizepräsidentin bezeichnet Engländer als "Piraten"
WM-Halbfinale: Argentiniens Vizepräsidentin bezeichnet Engländer als "Piraten" / Foto: © AFP/Archiv

Vor dem Halbfinale zwischen Argentinien und England bei der Fußball-WM am Mittwoch hat die argentinische Vizepräsidentin Victoria Villarruel die Engländer als "Piraten" bezeichnet. Das Spiel gegen England sei "nicht einfach nur ein weiteres Spiel", erklärte Villarruel im Onlinedienst X. Hintergrund ist der Falkland-Krieg zwischen Argentinien und Großbritannien im Jahr 1982 um die zum britischen Kolonialreich gehörenden Inseln vor dem argentinischen Festland, der mit einer Kapitulation Argentiniens endete.

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Villarruel erklärte weiter: "Ich werde nicht politisch korrekt sein oder einen kühlen Kopf bewahren." Gegen England gehe es immer um mehr. "Es sind die Malvinas", erklärte sie unter Verwendung des argentinischen Namens für die Inseln. "Es ist Diego, es ist Leos letzter Anlauf, und es geht darum, die Eindringlinge aufzuhalten", fügte sie unter Bezug auf die argentinische Fußballlegende Diego Maradona und den aktuellen 39-jährigen Superstar Lionel Messi hinzu.

Die Äußerungen der argentinischen Vizepräsidentin standen im starken Kontrast zu denen des argentinischen Nationaltrainers Lionel Scaloni und mehrerer Spieler, die versucht hatten, die politische und historische Bedeutung des Spiels herunterzuspielen. "Es ist ein Fußballspiel, ganz einfach", erklärte Scaloni. "Das mit Politik zu vermischen, wäre Wahnsinn."

Am 2. April 1982 begann die damalige argentinische Militärjunta mit einer Invasion der von ihr beanspruchten Inseln, woraufhin Großbritannien Kriegsschiffe entsandte. Der Falkland-Krieg endete am 14. Juni mit der argentinischen Kapitulation. Auf der argentinischen Seite gab es 649 Tote, auf der britischen 255 und unter den Inselbewohnern drei.

Die Behörden in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires trafen derweil Vorkehrungen für mögliche Ausschreitungen im Zuge des Fußballspiels. Die Polizei errichtete am Mittwoch Barrikaden rund um den beliebten Obelisken der Stadt. Das monumentale Wahrzeichen ist ein üblicher Ort für ausgelassene Feierlichkeiten leidenschaftlicher Fußballfans. Die Straßen in unmittelbarer Nähe des Denkmals werden während des Halbfinals ebenfalls für den Verkehr gesperrt.

Die beispiellose Maßnahme folgt auf eine Versammlung jubelnder Fußballfans nach Argentiniens Sieg über die Schweiz im Viertelfinale am vergangenen Samstag, die von der Polizei mithilfe von Gummigeschossen aufgelöst wurde.

Das Spiel zwischen England und Argentinien wird um 21 Uhr in Atlanta in den USA angepfiffen. Der Gewinner trifft am Sonntag im Finale auf Spanien.

(W.Uljanov--DTZ)

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