Deutsche Tageszeitung - Rücktrittsforderungen und Kritik: Spahn wegen Leihmutter-Baby unter Beschuss

Rücktrittsforderungen und Kritik: Spahn wegen Leihmutter-Baby unter Beschuss


Rücktrittsforderungen und Kritik: Spahn wegen Leihmutter-Baby unter Beschuss
Rücktrittsforderungen und Kritik: Spahn wegen Leihmutter-Baby unter Beschuss / Foto: © AFP/Archiv

Nach Bekanntwerden der Elternschaft von Jens Spahn (CDU) und seinem Ehemann durch eine Leihmutter sieht sich der Unionsfraktionschef mit Rücktrittsforderungen und scharfer Kritik aus der eigenen Partei konfrontiert. "Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten", sagte Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters am Freitag der "Bild"-Zeitung. Der Chef der Senioren-Union, Hubert Hüppe (CDU), zeigte sich "persönlich geschockt" von Spahns Entscheidung.

Textgröße ändern:

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Spahn und sein Mann Eltern eines in den USA von einer Leihmutter zur Welt gebrachten Kindes wurden. Dieses Verfahren ist in Deutschland verboten. Erst Anfang des Jahres hatte die CDU bei ihrem Parteitag einen Beschluss gefasst, dass es dabei bleiben soll. Spahn sieht sich daher auch mit Vorwürfen konfrontiert, als Privatmann anders zu handeln als in seiner politischen Funktion.

Spahn habe als Fraktionschef "eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union", betonte Peters. Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe er sich "in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt". Das gehe nicht, sagte der CDU-Landeschef weiter, die CDU stehe "für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen".

Rücktrittsforderungen kamen auch vom Landesvorstand des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Thüringen sowie von der Frauen Union Mecklenburg-Vorpommern. Die CDU könne ihre Position "nicht mehr glaubwürdig vertreten, wenn einer ihrer wichtigsten öffentlichen Repräsentanten diese klare und wohlerwogene Haltung unterlaufe", hieß es beim EAK. Auch die Frauen-Union Mecklenburg-Vorpommern betonte, die Union weiche ihre "politischen Grundwerte nicht für Einzelfälle auf". Eine erste Rücktrittsforderung aus der Union an Spahn war bereits am Donnerstag von der Thüringer Landesvorsitzenden der Frauen Union, Marion Rosin (CDU), gekommen.

Der Chef der Senioren-Union, Hüppe, verwies ebenfalls auf die "deutliche" Position der CDU zum Thema Leihmutterschaft. Diese sei zu Recht hierzulande verboten und es sei "nicht gut, wenn sich Politiker mit Macht und Geld darüber hinwegsetzen", sagte er dem "Spiegel". Zwar könne er jedes Paar mit Kinderwunsch verstehen, es gehe aber darum, "ob man Frauen instrumentalisiert".

Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille verwies zum Thema Leihmutterschaft darauf, "dass wir in Deutschland eine Rechtslage haben", zudem gebe es den Parteitagsbeschluss der CDU. Schon am Donnerstag hatte das Bundesfamilienministerium klargestellt, dass dieses Verfahren in Deutschland verboten bleibe - denn der Koalitionsvertrag sehe "keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor".

Grünen-Chef Felix Banaszak forderte Spahn auf, sich persönlich zu erklären. Es habe "vermutlich Gründe", warum sich Spahn in der Vergangenheit so positioniert habe, wie er das getan habe, sagte er Welt TV. "Und deswegen steht es erst mal in einem Widerspruch zu seinem eigenen Agieren an dieser Stelle." Er müsse daher jetzt Fragen beantworten.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge reagierte "mit Überraschung" auf Spahns Entscheidung. "Wer es sich finanziell leisten kann, wählt den Weg über eine Leihmutter im Ausland, anstatt sich beispielsweise für ein Pflege- oder Adoptivkind zu öffnen", sagte sie dem "Spiegel". Sie selbst sei für die Einführung einer "altruistischen Leihmutterschaft in engen Grenzen auch in Deutschland". Eine Regelung müsse dabei "ausreichend Schutz vor Ausbeutung von Frauen sowie klare Regeln und Grenzen beinhalten".

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Merz will parteiintern über Spahn sprechen - Fraktionschef verteidigt Schritt

Nach Rücktrittsforderungen wegen der Entscheidung von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) für eine Leihmutterschaft will Kanzler Friedrich Merz (CDU) das Thema parteiintern aufarbeiten. Er sehe nicht, dass an der geltenden Rechtslage zur Leihmutterschaft "Änderungen vorgenommen werden sollen", sagte Merz am Freitag in Brühl. "Und alles weitere werden wir in der nächsten Sitzung des Präsidiums der CDU Deutschlands besprechen." Spahn selbst verteidigte seine Entscheidung.

Merz zu möglichem Le-Pen-Wahlsieg: "Deutsche Hand bleibt immer ausgestreckt"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will nach eigener Aussage auch bei einem Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl an einer vertieften deutsch-französischen festhalten. "Die deutsche Hand bleibt immer ausgestreckt zur vertieften und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Frankreich. Ganz unabhängig davon, wie die Wählerinnen und Wähler in unseren beiden Ländern entscheiden", sagte Merz am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nach dem deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrat.

Bundeswehr beteiligt sich dieses Jahr erstmals an Nuklearübung der französischen Armee

Die Bundeswehr wird in diesem Jahr erstmals an einer Nuklearübung der französischen Armee teilnehmen. Die deutschen Soldaten sollen sich im konventionellen Bereich beteiligen, heißt es in der Abschlusserklärung des deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, der am Freitag auf dem Fliegerhorst in Nörvenich zusammengetroffen war. Die Verlegung französischer Rafale-Kampfjets nach Nörvenich sei ein "erster operativer Schritt der strategischen Zusammenarbeit", heißt es weiter.

Geldstrafe für russischen Kriegsgegner Nadeschdin - Putin-Kritiker Remeslo festgenommen

Ein russisches Gericht hat den Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin wegen der öffentlichen Zurschaustellung "extremistischer Symbole" zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht in Dolgoprudny nahe Moskau verhängte am Freitag ein Bußgeld von 1000 Rubel (umgerechnet rund elf Euro) wegen eines weiterverbreiteten Videos mit einem Bild des verstorbenen Kreml-Gegners Alexej Nawalny. Zugleich wurde der frühere kremlnahe Aktivist und heutige Putin-Kritiker Ilja Remeslo festgenommen.

Textgröße ändern: