Deutsche Tageszeitung - Russland greift ukrainische Hauptstadt Kiew an - laut Militärverwaltung ein Toter

Russland greift ukrainische Hauptstadt Kiew an - laut Militärverwaltung ein Toter


Russland greift ukrainische Hauptstadt Kiew an - laut Militärverwaltung ein Toter
Russland greift ukrainische Hauptstadt Kiew an - laut Militärverwaltung ein Toter / Foto: © AFP

Einen Tag nach ukrainischen Angriffen auf Russland mit acht Toten hat die russische Armee mehrere Ziele in der ukrainischen Hauptstadt Kiew angegriffen, darunter laut Behörden Wohnhäuser. Der Militärverwaltung zufolge wurde dabei in der Nacht zu Sonntag ein Mensch getötet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte derweil auf die Proteste gegen die Ablösung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow und deutete Veränderungen in der Armeeführung an.

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Die ukrainischen Behörden machten unterschiedliche Angaben zu den Opfern der jüngsten Angriffe auf Kiew. Die Militärverwaltung der Hauptstadt sprach unter Berufung auf vorläufige Angaben von einem Toten. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge wurden sieben Menschen verletzt; von möglichen Todesopfern sprach er zunächst nicht. Laut dem ukrainischen Katastrophenschutz wurden zwei Menschen verletzt.

Eine Detonation war so stark, dass sie die Alarmanlagen geparkter Autos im Stadtzentrum aktivierte, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Explosionen waren auch in Luftschutzeinrichtungen zu hören. Kurz zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe vor ballistischen Raketen gewarnt, die sich Kiew näherten.

Laut Bürgermeister Klitschko und den Behörden lösten die Angriffe Brände aus und beschädigten Gebäude in mehreren Stadtteilen. Laut der Militärverwaltung wurde ein Wohngebäude im Bezirk Schewtschenkiwsky getroffen. Zudem sei ein Einkaufszentrum mit Freizeiteinrichtungen im Stadtteil Dniprowsky getroffen worden. Klitschko berichtete von brennenden Fahrzeugen und Rauch in der Nähe eines Einkaufszentrums im Bezirk Desniansky. In einem Wohnhaus im Bezirk Swjatoschynsky sei ein Feuer ausgebrochen, ebenso in einem Supermarkt in Solomjanskiji. Dort sei auch ein Wohnhaus getroffen worden.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren fast täglich mit Raketen- und Drohnenangriffen. Die ukrainische Armee verstärkte ihre Drohnenangriffe auf Russland zuletzt deutlich. Bei Angriffen auf zwei Logistikzentren in Russland waren nach Behördenangaben am frühen Samstag insgesamt acht Menschen getötet worden.

Präsident Selenskyj sagte mit Blick auf die anhaltenden Proteste gegen die Ablösung von Verteidigungsminister Fedorow: "Natürlich höre ich, was die Menschen sagen." Er habe sowohl mit Fedorow als auch mit Armeechef Oleksander Syrsky gesprochen. "Entscheidungen bezüglich der Armee werden ausgearbeitet", fügte er hinzu. In ukrainischen Medien wurde über eine mögliche Entlassung des Armeechefs spekuliert.

Der beliebte Verteidigungsminister Fedorow war am Mittwoch im Rahmen einer Regierungsumbildung zurückgetreten. Am Samstag versammelten sich den dritten Tag in Folge zahlreiche Demonstranten in Kiew, um gegen Fedorows Ablösung zu protestieren. Zugleich forderten sie Syrskys Rücktritt.

In seiner ersten Reaktion auf die Proteste dankte Fedorow den Demonstranten. "Ich glaube, dass sich alles zum Guten wenden wird", erklärte er.

Für viele Ukrainer verkörperte der Verteidigungsminister, der nur sechs Monate im Amt war, die Modernisierung der von Bürokratie und Korruptionsvorwürfen belasteten Armee. Fedorow hatte die Digitalisierung der Streitkräfte und den Einsatz von Drohnen vorangetrieben. Unter seiner Leitung wurden zudem die Bezüge von Soldaten deutlich erhöht und Pläne für eine schrittweise Demobilisierung entwickelt.

Nach seinem Rückzug warf Fedorow Armeechef Syrsky vor, seine Entlassung mit einem Ultimatum erzwungen zu haben. Er kritisierte zudem langsame bürokratische Abläufe und mangelnde Flexibilität innerhalb der Streitkräfte.

(L.Møller--DTZ)

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