Deutsche Tageszeitung - Mali: Mehr als 50 Tote bei Angriff von Dschihadisten und Tuaregs auf Militärkonvoi

Mali: Mehr als 50 Tote bei Angriff von Dschihadisten und Tuaregs auf Militärkonvoi


Mali: Mehr als 50 Tote bei Angriff von Dschihadisten und Tuaregs auf Militärkonvoi
Mali: Mehr als 50 Tote bei Angriff von Dschihadisten und Tuaregs auf Militärkonvoi / Foto: © AFP/Archiv

Bei einem gemeinsamen Angriff von Dschihadisten und Tuareg-Separatisten im Norden Malis auf einen Militärkonvoi sind mehr als 50 Militärs sowie Mitglieder staatlich unterstützter Milizen getötet worden. 24 andere Insassen des Konvois seien gefangengenommen worden, berichtete am Sonntag ein der Militärjunta nahestehender Kommunalpolitiker. Es war eine der blutigsten Attacken auf die malischen Streitkräfte seit Beginn des Konflikts vor rund 15 Jahren.

Textgröße ändern:

"Die vorläufige Bilanz des Angriffs ist äußerst schwerwiegend", sagte der Kommunalpolitiker der Nachrichtenagentur AFP. Aus Armeekreisen verlautete, einige Soldaten seien "regelrecht hingerichtet" worden. Es werde untersucht, welche taktischen Fehler die Truppe so verwundbar gemacht hätten.

Die Armee hatte zuvor mitgeteilt, dass ihr Konvoi beim Verlassen der strategisch wichtigen Stadt Anéfis in einen Hinterhalt geraten sei, aber keine Opferzahl genannt.

Die überfallenen Fahrzeuge waren am Samstag auf dem Weg von Anéfis in die nordmalische Großstadt Gao. Die russischen Paramilitärs des sogenannten Afrikakorps, die die malische Armee unterstützen, hatten Gao nach Angaben mehrerer Quellen bereits erreicht und erlitten keine Verluste. Die Toten seien Mitglieder der Armee und staatlich unterstützter Milizen, sagte ein Gemeindevertreter aus der Region Gao.

"Es gab ein Koordinierungsproblem zwischen den Russen und der Armee", erklärte ein anderer Kommunalvertreter. Die Ehefrau eines getöteten Soldaten forderte die Regierung auf, über das Ausmaß der Niederlage aufzuklären. "Es gibt zu viele Tote", sagte sie.

Zu dem Angriff bekannten sich die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) sowie die separatistische Befreiungsfront des Azawad (FLA). Um Anéfis hatte es in den vergangenen Wochen heftige Kämpfe gegeben. Anfang Juli hatten JNIM und FLA die Stadt vorübergehend eingenommen und das von malischen und russischen Kräften verteidigte Militärlager umzingelt.

Die beiden Gruppierungen gehen seit Ende April gemeinsam gegen die Junta vor. Bei einer großangelegten Offensive nahmen sie mehrere Städte im Norden ein, darunter die strategisch wichtige Stadt Kidal. Bei den Angriffen wurde auch Verteidigungsminister Sadio Camara getötet. Anfang Mai rief die JNIM zu einer "gemeinsamen Front" gegen die Militärregierung auf, während die FLA auch den wichtigen Militärstützpunkt Tessalit einnahm.

Die jüngsten Kämpfe verschärfen den Druck auf die seit zwei Militärputschen 2020 und 2021 herrschende Junta. Bereits im August 2024 hatten malische Soldaten und russische Kämpfer der Wagner-Miliz bei Tinzaouatène eine schwere Niederlage erlitten. Einen Monat später tötete eine JNIM-Doppelattacke auf den Militärflughafen und eine Gendarmerieschule in Bamako mehr als 70 Menschen.

Mali wird seit 2012 von Gewalt durch dschihadistische Gruppen, Tuareg-Separatisten und Milizen erschüttert. Die Junta beendete nach dem Abzug westlicher Truppen die Zusammenarbeit mit Frankreich und setzt in den bewaffneten Konflikten vor allem auf russischen Beistand. Die Militärs waren mit dem Versprechen angetreten, die Sicherheit wiederherzustellen und Malis territoriale Einheit zu bewahren.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Kasachstans Präsident preist bei Besuch in Berlin "exzellente" Beziehungen zu Putin

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat bei einem Besuch in Berlin seine "exzellenten Beziehungen" zu Kreml-Chef Wladimir Putin gepriesen. "Was auch immer in der Ukraine passiert, wir werden niemals vergessen, dass Russland und die Ukraine unsere Freunde sind", sagte Tokajew am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Erste Regierungschefin Marokkos: König ernennt Fatima Ezzahra El Mansouri

In Marokko wird zum ersten Mal eine Frau Regierungschefin: König Mohammed VI. hat die Bürgermeisterin von Marrakesch, Fatima Ezzahra El Mansouri, am Dienstag zur Ministerpräsidentin des nordafrikanischen Landes ernannt. Wie sein Büro mitteilte, empfing er die 50-jährige Juristin, die zuletzt auch Bauministerin war, am Dienstag im Königspalast und beauftragte sie offiziell mit der Bildung der neuen Regierung.

Britischer Premier Burnham: "Der Brexit hat mehr geschadet als genutzt"

Der britische Premierminister Andy Burnham sieht im Brexit mehr Schaden als Nutzen für sein Land und prüft verschiedene Optionen für die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur Europäischen Union. Beim nächsten EU-Großbritannien-Gipfel werde er darlegen, wie eine langfristige Zusammenarbeit aussehen könne, sagte Burnham am Dienstag auf dem Labour-Parteitag in Liverpool.

Merz: Russland "nicht an ernsthaften" Ukraine-Gesprächen interessiert

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht das jüngste Gespräch zwischen Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow als Beleg für Russlands fehlende Bereitschaft zu ernsten Friedensverhandlungen. "Die anschließende Bewertung dieses Gesprächs durch Russland hat gezeigt, dass Russland offensichtlich überhaupt nicht an ernsthaften Gesprächen zum jetzigen Zeitpunkt interessiert ist", sagte Merz am Dienstag in Berlin bei einer Pressekonferenz mit dem kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew.

Textgröße ändern: