Deutsche Tageszeitung - Russischer Kriegsgegner Nadeschdin zieht sich aus Wahlkampf für Parlamentswahl zurück

Russischer Kriegsgegner Nadeschdin zieht sich aus Wahlkampf für Parlamentswahl zurück


Russischer Kriegsgegner Nadeschdin zieht sich aus Wahlkampf für Parlamentswahl zurück
Russischer Kriegsgegner Nadeschdin zieht sich aus Wahlkampf für Parlamentswahl zurück / Foto: © AFP/Archiv

Der russische Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin verzichtet auf eine Kandidatur bei den Parlamentswahlen im September. "Meine Möglichkeiten, in Russland auf legalem Wege Oppositionspolitik zu betreiben, sind ausgeschöpft", schrieb der kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilte Nadeschdin am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Er sei "zum Schweigen gebracht" und "aus der Politik gedrängt" worden.

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"Ich bin nicht bereit, all jene in Gefahr zu bringen, die mich unterstützen und an meinem Wahlkampf teilgenommen haben", schrieb der 63-Jährige weiter. "Wir werden nicht bei der Wahlkommission die aberhunderten Unterschriften überreichen, die wir gesammelt haben."

Nadeschdin ist einer der wenigen Politiker in Russland, die es wagen, Präsident Wladimir Putin und die russische Offensive gegen die Ukraine offen zu kritisieren. Er war am Freitag wegen eines weiterverbreiteten Videos mit einem Bild des verstorbenen Kreml-Gegners Alexej Nawalny zu einer Geldstrafe verurteilt worden, der Vorwurf lautete Zurschaustellung "extremistischer Symbole". Nawalny und seine Organisationen gelten in Russland als "extremistisch".

Der frühere Abgeordnete Nadeschdin wollte bei der Parlamentswahl im September in seinem Heimatwahlkreis Mytischtschi antreten. Er wurde aber kürzlich als "ausländischer Agent" eingestuft und dann am vergangenen Montag kurzzeitig inhaftiert. Am Freitag folgte dann die Verurteilung zu einer Geldstrafe. Am Sonntag schrieb Nadeschdin, die Einstufung als "ausländischer Agent" und die Verurteilung würden eine Wahl in die Duma unmöglich machen.

Seit Beginn der Offensive gegen die Ukraine gehen die russischen Behörden mit großer Härte gegen Kritiker vor, hunderte wurden festgenommen. Die meisten Oppositionellen befinden sich inzwischen in Haft oder im Exil - oder sind tot.

(L.Svenson--DTZ)

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